Wirtschaft

Opel droht Entwicklern in Rüsselsheim offenbar mit Jobverlagerung nach Marokko

Am Mittwoch gab es Spekulationen über einen geplanten massiven Stellenabbau bei Volkswagen. Dem widersprach der Konzern. Nun gerät der Konkurrent aus Rüsselsheim in die Schlagzeilen: Opel droht offenbar damit, sein Rüsselsheimer Entwicklungszentrums nach Marokko zu verlagern.
Opel droht Entwicklern in Rüsselsheim offenbar mit Jobverlagerung nach MarokkoQuelle: AFP © Yann Schreiber

Im europäischen Automobilkonzern Stellantis geht die Demontage der deutschen Tochter Opel offenbar weiter. Laut einer Mitarbeiterinfo des Betriebsrats sei Beschäftigten des Rüsselsheimer Entwicklungszentrums in Personalgesprächen damit gedroht worden, dass ihre Aufgaben aus Kostengründen nach Marokko verlagert werden könnten.

Sie sollten sich nach einer neuen Tätigkeit umsehen. Darüber hatten die Zeitungen der VRM-Gruppe und die Wirtschaftswoche berichtet. Die Mitarbeitervertretung sieht sich in ihren Mitbestimmungsrechten verletzt. Zumal auch im Einkauf umfassende und nicht abgestimmte Präsentationen über eine neue Organisationsstruktur vorgestellt worden seien. "Es verdichten sich die Hinweise, dass die nächste Stellantis-Reorganisation nicht nur bevorsteht, sondern teilweise in Bereichen schon rechtswidrig ohne vorherige Information, Beratung und Verhandlung mit der Arbeitnehmervertretung umgesetzt werden soll", heißt es in dem Infoschreiben. Gegen diese Vorgehensweise seien bereits rechtliche Schritte eingeleitet worden.

In der vergangenen Woche waren Stellantis-Pläne bekannt geworden, die beiden Produktionswerke Rüsselsheim und Eisenach aus der Opel Automobile GmbH herauszulösen. Für den 29. Oktober 2021 hat die IG Metall Protestaktionen angekündigt, die sich gegen diese Pläne richten. Die drohende Zerschlagung diene einzig und allein dem Ziel, die erfolgreiche Mitbestimmung in Deutschland zu schwächen, hatte Opel-Betriebsratschef Uwe Baum am 8. Oktober erklärt.

Die frühere General-Motors-Tochter Opel war 2017 von der Peugeot-Mutter PSA übernommen worden. Diese wiederum ist 2021 mit Fiat-Chrysler zum Stellantis-Konzern mit Sitz in Amsterdam fusioniert. Das Unternehmen ist der viertgrößte Autohersteller der Welt und wird vom früheren PSA-Chef Carlos Tavares geführt. Bei dem harten Sanierungskurs für Opel hatte die IG Metall für die Beschäftigten einen Kündigungsschutz bis Juli 2025 erreicht.

Opel dementiert nicht – beklagt aber "Indiskretionen"

Das Unternehmen äußerte sich am Mittwoch zunächst nicht zu den Gerüchten. Am Donnerstag berichtete die FAZ jedoch, die Geschäftsleitung und der Betriebsrat hätten in einer gemeinsamen Erklärung die Belegschaft zur Zurückhaltung im öffentlichen Umgang mit Unternehmensinformationen aufgerufen. In der von Personalchef Ralph Wangemann und dem Vorsitzenden des Gesamtbetriebsrats, Uwe Baum, unterzeichneten Erklärung soll es heißen, Opel stehe vor einer "Reihe von Herausforderungen".

Weiter zitiert die FAZ aus dem Schreiben, dass in solchen Zeiten unterschiedliche Positionen zwischen den Sozialpartnern nichts Ungewöhnliches seien. Diese Meinungsverschiedenheiten gelte es "im Sinne eines guten sozialen Dialogs auszutauschen und zu verhandeln – und zwar intern", so der Bericht weiter. Ziel der Gespräche sollte es immer sein, gemeinsam gute Lösungen zu finden. Weiter soll es in dem Schreiben heißen:

"Hierfür ist es wichtig, dass die unterschiedlichen Positionen mit den Beschäftigten geteilt werden, ohne dass dies in der Öffentlichkeit landet. Das Bekanntwerden interner Mitteilungen binnen Minuten in der Öffentlichkeit dient diesem Ziel nicht. Baum und Wangemann bitten die Belegschaft 'eindringlich', keine internen Kommunikationen von Geschäftsleitung und Betriebsrat mit der Öffentlichkeit zu teilen."

Volkswagen widerspricht Plänen für Stellenabbau

Am Mittwoch machte die Meldung die Runde, der VW-CHef Herbert Diess habe vor einem massiven Stellenabbau in seinem Konzern gewarnt. Mittlerweile ist die Konzernspitze von Volkswagen den Spekulationen über die mögliche Streichung zehntausender Jobs entgegengetreten. "Ein Abbau von 30.000 Stellen ist kein Thema", hieß es am Mittwochnachmittag aus dem Umfeld von Vorstandschef Herbert Diess. Zuvor hatte es Berichte gegeben, dass erhebliche Kürzungen etwa am Stammsitz in Wolfsburg bevorstehen könnten. Dazu gebe es laut VW derzeit keine konkreten Pläne.

Diess soll nach Informationen aus Unternehmenskreisen bei einer Aufsichtsratssitzung im September 2021 über die Zahl 30.000 gesprochen haben. Allerdings sei es dabei nicht um ein etwaiges, unmittelbares Szenario drohender Arbeitsplatzverluste gegangen, betonte VW nun.

Wohl aber sei es nötig, Themen wie die Kostenlage und Auslastung von Standorten intensiv zu diskutieren: "Es steht außer Frage, dass wir uns angesichts der neuen Marktteilnehmer mit der Wettbewerbsfähigkeit unseres Werks in Wolfsburg befassen müssen." Dieses Statement dürfte sich vor allem auf den US-Rivalen Tesla und dessen neues deutsches Werk bei Berlin beziehen.

VW-Betriebsratschefin Daniela Cavallo wandte sich im Intranet an die Belegschaft: "Die Schlagzeilen vom heutigen Vormittag haben bei vielen von euch zu Recht Fragen, und zum Teil leider auch Sorgen ausgelöst." Ein Abbau von 30.000 Arbeitsplätzen wäre "absurd", schrieb sie. Man habe sich auch eine klare Stellungnahme zu diesem Thema seitens des Unternehmens gewünscht.

Gedrückte Stimmung in deutscher Autoindustrie

Allgemein wird die Stimmung in der deutschen Autoindustrie nach einem kurzen Sommerhoch immer schlechter. Im September stürzte der Teilindex des Münchner ifo Instituts für die aktuelle Lage den zweiten Monat in Folge deutlich ab. Inzwischen liegt er bei nur noch 13,2 Punkten, wie die Wirtschaftsforscher am 11. Oktober mitteilten. Das sind 18,8 Punkte weniger als im August und 39,7 weniger als im Juli, als der Index ein Mehrjahreshoch erklommen hatte.

"Aktuelle Zahlen zeigen, dass die Autobranche die am stärksten von Lieferengpässen mit Vorprodukten betroffene Branche ist", erklärte Oliver Falck vom ifo Institut die Entwicklung. Zudem fielen im Inland der Auftragsbestand und die Nachfrage.

Positive Impulse sieht man beim ifo einzig aus dem Ausland: Die Exporterwartungen zogen an. Allerdings warnt Falck, "dass die Unsicherheit vieler Konsumenten in China durch die Krise des Immobilienentwicklers Evergrande auf die Stimmung der deutschen Autobauer drückt." Diese würden inzwischen mehr Autos in China als in Deutschland produzieren.

Mehr zum ThemaRuhe vor dem Sturm? Evergrande-Aktienhandel ausgesetzt

(rt de/dpa)

Sehr geehrte RT DE-Leser,

wir sind auf einen neuen Dienst für die Kommentarfunktion umgestiegen.

Da wir die Privatsphäre unserer Leser respektieren und Ihre Daten nicht an eine Drittplattform übermitteln werden, müssen Sie sich erneut registrieren. Wir entschuldigen uns für die Unannehmlichkeit und hoffen, dass sie sich weiterhin mittels der Kommentarfunktion über aktuelle Themen austauschen und informieren können.

Mit freundlichen Grüßen

Ihre RT DE-Redaktion