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Missratene Antirassismus-Aktion in Spanien: Je dunkler die Briefmarke, desto niedriger deren Wert

Die spanische Post hat mit einer Antirassismuskampagne eine heftige Kontroverse ausgelöst. Das Unternehmen stellte eine Briefmarkenserie vor, in der die Wertzeichen in vier Hautfarben ein Zeichen gegen Rassismus setzen sollten. Viele halten das Konzept für falsch.
Missratene Antirassismus-Aktion in Spanien: Je dunkler die Briefmarke, desto niedriger deren WertQuelle: AP © Correos

Die spanische Post, die sich in ihren Briefmarken oft für akute soziale Themen einsetzt, hat am Dienstag zusammen mit der NGO "SOS Racismo" und dem Rapper El Chojin eine neue Wertzeichenserie präsentiert, die die Gesellschaft für das Thema Rassismus sensibilisieren soll. Das Briefmarkenset heißt "Equality Stamps" (auf Deutsch so gut wie "Rassengleichheitsmarken") und bildet vier Hautfarben nach dem Prinzip ab: je dunkler der Farbton, desto niedriger der Wert.

In der Erläuterung der spanischen Post zum ursprünglichen Konzept der Briefmarkenserie heißt es:

"Für eine Postsendung wird man mehr schwarze als weiße Briefmarken brauchen. Somit werden jeder Brief und jede Sendung die durch den Rassismus geschaffene Ungleichheit widerspiegeln."

Die dem Tod von George Floyd am 25. Mai 2020 gewidmete Aktion hat allerdings für eine heftige Kontroverse gesorgt. Mehrere Aktivisten warfen der spanischen Post vor, mit der Briefmarkenserie eine rassistische Botschaft zu vermitteln. Selbst die Madrider Abteilung der NGO "SOS Racismo" kritisierte das Konzept scharf. Die Polemik erreichte sogar die Zeitung Washington Post und wurde zu einem der meistgelesenen Themen.

Mehrere Journalisten und Aktivisten äußerten sich in dem Sinne, dass die Grundidee der Kampagne, dass eine Briefmarke mit einer Hauptfarbe mehr Wert als eine andere habe, schon an sich rassistisch sei. Die Kampagne wäre erfolgreich ausgefallen, wenn alle Briefmarken ein und denselben Preis gehabt hätten, um die Gleichheit aller Rassen zu betonen.

Die spanische Post wollte die Situation bislang nicht extra kommentieren und verwies lediglich auf die ursprüngliche Erläuterung zur Kampagne. Dabei handelte es sich um eine einmalige Aktion: Die Serie war nicht für das breite Publikum, sondern nur für die Sammler gedacht. Es gab übrigens auch Menschen und Institutionen, die das Konzept verteidigten.

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