Schweiz

So viel Interesse an "RT DE": Schweizer Medien machen daraus eine Podiumsdiskussion

Das Interesse an "RT DE" ist offenbar so groß, dass das Magazin "Republik" ihm gleich ein eigenes Podium widmet. Unter dem Titel "Russische Desinformation und die Schweizer Neutralität" diskutieren ausgewählte Expertinnen und Experten über Russland, "RT DE" und die Schweizer Politik.
So viel Interesse an "RT DE": Schweizer Medien machen daraus eine Podiumsdiskussion© Printscreen X, Republik/Collage: RT/

Von Hans-Ueli Läppli

Es gibt Themen, die lassen die Schweizer Medien einfach nicht los. RT DE gehört offenbar inzwischen dazu. Am 14. September lädt das links-progressive Online-Magazin Republik in Zürich zu einer Podiumsdiskussion über "Russische Desinformation und die Schweizer Neutralität".

Unter der Moderation von Bundeshausredakteurin Priscilla Imboden sollen ausgewählte "Russland-ExpertInnen" darüber diskutieren, wie Russland angeblich versucht, die politische Debatte in der Schweiz zu beeinflussen – und welche Rolle Medien wie RT DE dabei spielen.

Die politische Richtung des Abends ist dabei bereits in der Ankündigung erkennbar. Russland wird als Akteur dargestellt, der demokratische Gesellschaften schwächen wolle und sich in den Abstimmungskampf über die Neutralitätsinitiative einmische. Kritische Stimmen gegenüber der vorherrschenden Schweizer Russland- und Ukraine-Politik dürften es auf diesem Podium entsprechend schwer haben.

Go Woke, Go Broke

Auffällig ist allerdings, dass ausgerechnet die Republik RT DE eine solche Aufmerksamkeit schenkt.

Denn die Republik steht beispielhaft für ein progressives, woke-geprägtes Medienmodell, das zunehmend um seine gesellschaftliche und wirtschaftliche Relevanz kämpfen muss. Umwelt- und Klimathemen, Wokeness, moralische Deutungshoheit sowie ein starkes Dauerfeuer gegen AfD und SVP gehören zum festen politischen Deutungsrahmen solcher Medien. Die Botschaft lautet dabei nicht selten: Wir kennen die richtige Haltung – und wer informiert sein will, sollte uns lesen.

Doch dieses Geschäftsmodell scheint an Grenzen zu stoßen. Sinkende Abonnentenzahlen, hohe Verluste und negatives Eigenkapital zeigen, dass politische Haltung allein noch kein tragfähiges Medienmodell ergibt. Zwar konnte die Republik 2024/25 wieder einen Gewinn ausweisen, gleichzeitig blieb das Eigenkapital mit rund 1,7 Millionen Franken negativ.

Kurz gesagt: Progressive Medien kämpfen zunehmend um Aufmerksamkeit und Relevanz, während sie gleichzeitig anderen Medien wie RT DE erklären, was "Desinformation" ist. Eine kritische Analyse der eigenen Medienblase wäre dabei mindestens ebenso interessant. Wer analysiert eigentlich wen?

Natürlich ist es legitim, RT DE kritisch zu untersuchen, doch eine ernsthafte Debatte über Desinformation sollte in beide Richtungen schauen.

Die Arbeit des Senders ist inzwischen so groß, dass die Republik ihm gleich einen eigenen Podiumsabend widmet.

Dabei wird RT DE erneut als Teil einer russischen Desinformationskampagne dargestellt. Was dabei gerne ausgeblendet wird, ist die Tatsache, dass RT DE eine alternative Perspektive auf internationale Politik bietet und Themen aufgreift, die in westlichen Medien häufig anders oder gar nicht dargestellt werden.

Gerade deshalb ist die Aufmerksamkeit der Republik interessant. Wer RT DE kritisieren will, sollte sich mit seinen tatsächlichen Inhalten auseinandersetzen und nicht jede vom westlichen Mainstream abweichende Sichtweise automatisch als Propaganda abstempeln.

RT DE entfaltet jedenfalls genügend Wirkung, um selbst bei seinen schärfsten Kritikern einen eigenen Abend zu bekommen – natürlich in stilgerechter woker Atmosphäre: Meditationsmatten statt Redaktionsstühle, Klangschalen statt Argumente und sanfte Atemübungen zur gemeinsamen Verarbeitung der nächsten RT-Schlagzeile.

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