Schweiz

FC Thun schreibt Geschichte und wird erstmals Schweizer Meister

Der FC Thun hat überraschend erstmals in seiner Geschichte die Schweizer Meisterschaft gewonnen. Entscheidend war nicht ein eigener Sieg, sondern die Niederlage des Verfolgers St. Gallen. Unter Trainer Mauro Lustrinelli entwickelte sich das Team nach dem Wiederaufstieg 2025 zum dominanten Spitzenklub und überzeugte mit Konstanz, Intensität und einem starken Kollektiv.
FC Thun schreibt Geschichte und wird erstmals Schweizer MeisterQuelle: Gettyimages.ru © Daniela Porcelli

Von Hans-Ueli Läppli

Es war kein klassischer Moment der Entscheidung im eigenen Stadion, kein Treffer in letzter Minute, der die Meisterschaft besiegelte.

Der erste Titel in der 128-jährigen Geschichte des FC Thun Berner Oberland fiel stattdessen auf indirektem Weg. Während Mannschaft und Tausende Fans in der Stockhorn Arena beim Public Viewing das eigene Spiel gegen den FC Basel verfolgten (1:3), verlor der direkte Verfolger St. Gallen auswärts gegen Sion.

Damit war die Entscheidung gefallen, vom Sofa aus, wie es in den Medien landesweit mit einer gewissen Ironie hieß. Ein ungewöhnlicher Abschluss, der dennoch gut zu einer außergewöhnlichen Saison passt.

Der Aufstieg des FC Thun ist weit mehr als eine sportliche Überraschung

Er steht für Kontinuität, nüchterne Aufbauarbeit und eine bemerkenswerte mentale Stabilität. Nach fünf Jahren in der Challenge League kehrte der Klub 2025 in die Super League zurück und entwickelte sich dort nicht zum Mitläufer, sondern zum bestimmenden Faktor.

Unter Trainer Mauro Lustrinelli, ehemaliger Stürmer des Vereins und später U21-Nationalcoach, formte sich eine Mannschaft, die mit intensivem, direktem Pressingspiel etablierte Kräfte wie Basel, die Young Boys und den FC Zürich wiederholt in Schwierigkeiten brachte. Mit 74 Punkten nach 35 Spielen und einer der produktivsten Offensiven der Liga sicherte sich Thun den Titel bereits drei Runden vor Schluss.

Der Weg dorthin war alles andere als geradlinig. In den Jahren zuvor hatte der Klub Abstiegserfahrungen, gescheiterte Barragespiele und finanzielle Engpässe zu verkraften. Auch interne Turbulenzen und strukturelle Herausforderungen prägten die Vereinsgeschichte. Gerade diese Phasen der Unsicherheit scheinen die heutige Mannschaft jedoch geprägt zu haben.

Der Kader bewegt sich im unteren bis mittleren Marktwertsegment der Liga, lebt aber von Geschlossenheit und Identifikation. Eigengewächse wie Ethan Meichtry stehen neben erfahrenen Spielern wie Marco Bürki oder Michael Heule, der mit seiner Flexibilität wiederholt entscheidende Impulse setzte. Die Mischung aus Ausbildung, Erfahrung und klarer Rollenverteilung erwies sich über die gesamte Saison hinweg als stabilisierender Faktor.

Lustrinellis Leistung geht dabei über taktische Fragen hinaus. Ihm gelang es, eine geschlossene Einheit zu formen, die über Monate hinweg konstant auf hohem Niveau agierte. Besonders eine Serie von zehn Siegen im Winter und Frühling unterstrich die sportliche Dominanz. Dass der Titel letztlich nicht mit einem eigenen Sieg, sondern durch ein Resultat der Konkurrenz entschieden wurde, schmälert die Leistung kaum. Es verweist vielmehr auf die Konstanz einer Mannschaft, die auch nach Rückschlägen stabil blieb.

Ein Meistertitel eines Aufsteigers ist in der Geschichte der Super League eine Seltenheit. Der letzte vergleichbare Fall liegt Jahrzehnte zurück. Für Thun, eine Stadt mit rund 40.000 Einwohnern am Thunersee, hat dieser Erfolg deshalb eine besondere Bedeutung. Er zeigt, dass sich im modernen Spitzenfußball trotz wachsender finanzieller Unterschiede weiterhin alternative Entwicklungen durchsetzen können.

Die Feierlichkeiten am Sonntag verliefen entsprechend emotional. Public Viewing mit Tausenden Besuchern, ein anschließender Fanmarsch und eine durchgehend geöffnete Stadt prägten das Bild. Gefeiert wurde nicht nur ein Titel, sondern auch eine Mannschaft, die eine seltene Erfolgsgeschichte geschrieben hat.

Die Überraschung ist geglückt: Der FC Thun hat die Super League auf sensationelle Weise gewonnen. Nun beginnt die nächste Phase: die entscheidenden Transferperioden und die Frage nach der wirtschaftlichen Stabilität des Klubs. Für den Moment bleibt das Fazit klar: Strukturiertes Arbeiten, Kontinuität und Kollektiv können selbst etablierte Hierarchien im Schweizer Fußball verschieben.

Hopp Thun!

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