Schweiz

Iran-Krieg spült Milliarden in die Schweiz – Rohstoffhändler in Genf profitieren massiv

Der Iran-Krieg hat den globalen Energiemarkt durchgeschüttelt und treibt die Ölpreise in die Höhe. Schweizer Rohstoffhändler mit Sitz in Genf und Zug positionieren sich geschickt und erzielen hohe Handelsmargen. Während Haushalte unter steigenden Energiepreisen leiden, fließen den Kantonen und dem Bund zusätzliche Steuermilliarden zu.
Iran-Krieg spült Milliarden in die Schweiz – Rohstoffhändler in Genf profitieren massivQuelle: Gettyimages.ru © Cris Faga / Symbolbild

Im Persischen Golf bleibt die Lage fragil, die Feuerpause wackelt und die Straße von Hormus ist nur eingeschränkt passierbar.

In der Schweiz zeigt sich derweil ein widersprüchliches Bild. Der Krieg erschüttert die globalen Energiemärkte, treibt den Ölpreis zeitweise über 100 Dollar pro Barrel und spült zugleich Geld in ausgewählte Sektoren.

Finanzplatz und Rohstoffhandel profitieren, während Industrie und Haushalte unter steigenden Kosten und einem überbewerteten Franken leiden.

Seit den US-amerikanischen und israelischen Angriffen Ende Februar sowie den iranischen Gegenschlägen verzeichnen Schweizer Banken und Vermögensverwalter eine deutliche Zunahme von Kundengeldern aus dem Nahen Osten. Vermögende aus den Emiraten, Saudi-Arabien und anderen Golfstaaten suchen Sicherheit – und finden sie in der Schweiz.

Branchenkenner sprechen von Zuflüssen in zweistelliger Milliardenhöhe. Der Franken hat als klassische Safe-Haven-Währung spürbar aufgewertet und notiert gegenüber dem Euro nahe einem Mehrjahreshoch. Die Nationalbank signalisiert Bereitschaft zum Eingreifen, sollte die Aufwertung außer Kontrolle geraten.

Noch unmittelbarer wirkt der Konflikt im Rohstoffhandel. Genf und Zug zählen zu den wichtigsten globalen Handelsplätzen für Öl und Gas. Unternehmen wie VitolGlencore oder Trafigura nutzen die erhöhte Volatilität. Angriffe und Störungen im Persischen Golf haben die Märkte aus dem Gleichgewicht gebracht, Preisschwankungen verstärkt und Margen ausgeweitet.

Ein prägnantes Beispiel liefert TotalEnergies. Die Handelsabteilung in Genf erzielte mit einem einzelnen Ölgeschäft einen Gewinn von rund einer Milliarde Dollar. Im März sicherten sich Trader nahezu sämtliche verfügbaren Rohöl-Ladungen aus den Vereinigten Arabischen Emiraten und dem Oman und setzten erfolgreich auf steigende Preise.

Für das erste Halbjahr 2026 wird branchenweit mit außergewöhnlich hohen Gewinnen gerechnet. Bereits 2024 stammte ein erheblicher Teil der Genfer Steuereinnahmen aus dem Rohstoffsektor, was zu einem Überschuss von 1,4 Milliarden Franken führte.

Die Kritik folgt prompt. Für die einen sind es Kriegsgewinne, für die anderen legitime Erträge eines Handels, der in Krisenzeiten für Versorgung sorgt. Gleichzeitig verliert Dubai als Handelsplatz vorübergehend an Attraktivität, da zahlreiche Akteure die Region verlassen. Genf festigt damit seine Stellung.

Die Schweiz spielt ihre traditionelle Rolle als Vermittlerin. Als Schutzmacht der USA im Iran unterhält sie einen direkten Kommunikationskanal nach Teheran.

Diese "Guten Dienste" stärken die internationale Position des Landes und unterstreichen den Wert der Neutralität, auch wenn der Bundesrat Waffenexporte an die Konfliktparteien gestoppt hat.

Der wirtschaftliche Nutzen bleibt jedoch auf wenige Sektoren beschränkt. Die Exportindustrie gerät durch den starken Franken unter Druck, da Schweizer Produkte im Ausland teurer werden. Gleichzeitig steigen Energie- und Transportkosten deutlich. Schätzungen zufolge verteuern sich allein die Ölimporte um mehrere Milliarden Franken jährlich.

Auch die Konjunktur leidet. Ökonomen der ETH Zürich warnen, dass dauerhaft hohe Energiepreise das Wachstum bremsen und die Inflation anheizen könnten. Für Haushalte bedeutet dies spürbar höhere Lebenshaltungskosten.

Politisch wächst der Widerstand gegen die Gewinne der Rohstoffbranche. Forderungen nach einer befristeten Übergewinnsteuer werden lauter. Als Begründung wird ein Ungleichgewicht zwischen hohen Unternehmensgewinnen und der Belastung der Bevölkerung angeführt. Die Branche weist dies zurück und verweist auf bestehende Steuerzahlungen sowie ihre Rolle in der globalen Versorgung.

Die Schweiz ist kein eindeutiger Gewinner dieses Konflikts. Während Finanzplatz und Rohstoffhandel von Unsicherheit und Kapitalflucht profitieren, tragen Industrie und Konsumenten die Kosten. Typisch für ein kleines, offenes Land: Krisen verstärken die bestehenden Stärken und legen gleichzeitig strukturelle Schwächen offen.

Wie nachhaltig der aktuelle Auftrieb ist, hängt vom weiteren Verlauf des Konflikts ab. Bleibt die Lage angespannt, dürfte die Schweiz weiterhin als sicherer Hafen gefragt sein – mit allen damit verbundenen Chancen und Spannungen.

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