Schweiz

UBS-Konten für Ghislaine Maxwell und unbequeme Fragen an den Finanzplatz Schweiz

Maxwells Konten bei der UBS zeigen die unterschiedliche Risikobewertung internationaler Banken: Während J.P. Morgan sie früh als Hochrisiko einstufte, akzeptierte die UBS ihre Konten. Juristisch ließ sich das Vorgehen der Großbank nicht beanstanden, doch Fragen nach der Compliance und internen Entscheidungsprozessen bleiben offen.
UBS-Konten für Ghislaine Maxwell und unbequeme Fragen an den Finanzplatz SchweizQuelle: Legion-media.ru © MediaPunch Inc, Daniel Berehulak/Getty Images

Mit der schrittweisen Veröffentlichung der sogenannten Epstein-Files geraten immer mehr Namen in den öffentlichen Fokus, darunter auch Akteure mit Bezug zur Schweiz. Während sich die Aufmerksamkeit lange auf politische und gesellschaftliche Netzwerke konzentrierte, rückt zunehmend auch der Finanzplatz Schweiz ins Blickfeld. Im Zentrum steht dabei die UBS.

Wie die Nachrichtenagentur Reuters berichtet, eröffnete die Großbank im Jahr 2014 mehrere Konten für Ghislaine Maxwell. Maxwell wurde 2021 schuldig gesprochen, systematisch minderjährige Mädchen für den Sexualstraftäter Jeffrey Epstein rekrutiert zu haben. Andere internationale Banken hatten sie bereits Jahre zuvor als Hochrisikokundin eingestuft. Die UBS tat dies nicht.

Laut Reuters verwaltete die UBS bis mindestens 2019 Vermögenswerte von bis zu 19 Millionen US-Dollar für Maxwell. Brisant ist der Zeitpunkt der Kontoeröffnungen. Epstein war zu diesem Zeitpunkt bereits wegen Anstiftung zur Prostitution einer Minderjährigen verurteilt worden. Maxwell galt zwar juristisch nicht als vorbestraft, bewegte sich jedoch seit Jahren im unmittelbaren Umfeld Epsteins.

Rechtlich lasse sich der UBS nach heutigem Kenntnisstand kaum ein Vorwurf machen, sagt ein Schweizer Bankenbranche-Experte. Banken seien keine moralischen Instanzen. Entscheidend sei allein die Frage, ob Gelder aus kriminellen Quellen stammten. Zum damaligen Zeitpunkt sei Maxwell nicht offiziell in ein Strafverfahren involviert gewesen.

Gleichwohl bleibt die Frage, weshalb andere Institute deutlich zurückhaltender agierten. Die US-Bank J.P. Morgan etwa hatte Maxwell bereits im Jahr 2011 als Hochrisikokundin eingestuft. Dass zwei international tätige Großbanken mit vergleichbaren Compliance-Standards zu derart unterschiedlichen Einschätzungen gelangten, sei erklärungsbedürftig, so Kunz. Irgendwann werde sich die UBS dazu äußern müssen.

Die UBS schweigt bislang. Sie ist nicht das einzige Schweizer Institut, das in den Dokumenten auftaucht. Auch die Genfer Bankengruppe Edmond de Rothschild sieht sich mit Fragen konfrontiert. Deren Chefin Ariane de Rothschild soll über Jahre hinweg im Kontakt mit Epstein gestanden und sich von ihm beraten lassen haben. Die Bank betont, es habe keine Rechtsverletzungen gegeben und keine Kenntnis von Epsteins kriminellen Aktivitäten.

Auch das Weltwirtschaftsforum in Genf geriet unter Druck. Die veröffentlichten Dokumente belegen wiederholte Kontakte zwischen WEF-CEO Børge Brende und Epstein, darunter E-Mails und SMS. Brende erklärte, er habe den damaligen WEF-Vorsitzenden Klaus Schwab im Jahr 2019 darüber informiert. Schwab bestreitet dies. Das WEF hat eine externe Untersuchung eingeleitet.

Zusätzlich berichtete die NZZ über eine ehemalige Zürcher Bankangestellte, die engen Kontakt zu Epstein pflegte, ihm junge Frauen vorstellte und offenbar finanzielle Zuwendungen erhielt.

Ob sich daraus ein umfassender Skandal entwickelt, ist offen. Der Reputationsschaden für den Schweizer Bankenplatz ist jedoch bereits erheblich. Wiederholte Verbindungen einzelner Institute zu Personen aus dem Epstein-Umfeld verstärken den Eindruck struktureller Defizite bei Sorgfalt und Risikobewertung. Das Vertrauen in die Selbstregulierung der Branche hat spürbar gelitten.

Wie schwer die Folgen ausfallen, hängt wesentlich davon ab, was die mehr als drei Millionen Dokumente aus dem Epstein-Komplex noch offenlegen. Die bisherigen Veröffentlichungen legen nahe, dass die Netzwerke dichter und die Verflechtungen breiter sind, als lange angenommen wurde.

Mehr zum Thema  Zahl der Fälle von Gewalt an Frauen bleibt in Deutschland auf hohem Niveau

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.