Russland

"Unbekannter Künstler": Puschkin-Museum startet Neuordnung der Werke westlicher Meister

Im Rahmen eines groß angelegten museumübergreifenden Projekts kommen erstaunliche Entdeckungen ans Licht: Russlands Provinzmuseen verfügen über wahre Schätze – Werke berühmter Meister der westeuropäischen Malerei, die zuvor als anonym galten.
"Unbekannter Künstler": Puschkin-Museum startet Neuordnung der Werke westlicher MeisterQuelle: Sputnik © RIA Nowosti / Wladimir Wjatkin

Das nationale museumübergreifende Projekt "Unbekannter Künstler", das vom Staatlichen Puschkin-Museum für Bildende Künste gemeinsam mit dem Museum für Bildende Künste in Jekaterinburg und dem Staatlichen Kunstmuseum in Nischni Nowgorod ins Leben gerufen wurde, ist derzeit in vollem Gange und bringt einen Schatz westlicher Malerei nach dem anderen ans Licht. Rund 100 regionale Museen – von Smolensk bis Wladiwostok – haben bereits ihr Interesse an einer Teilnahme an dem Projekt bekundet. Die Idee dahinter ist einfach: In regionalen Museen befinden sich zahlreiche nicht oder falsch zugeordnete Gemälde, die jahrzehntelang als unbedeutend galten und kaum restauriert wurden. Dabei stammen manche von ihnen beispielsweise aus der Hand Rembrandts oder Raffaels. The Art Newspaper erklärt:

"Diese weit verbreitete Anonymität und die falsche Zuschreibung von Gemälden westeuropäischer Meister in russischen Sammlungen hängen mit den komplexen historischen Umständen unseres Landes zusammen. Viele Werke gelangten durch Ankäufe von Sammlern des 18. und 19. Jahrhunderts nach Russland, doch nach der Revolution wurden deren Sammlungen nicht selten zerstreut, und die Begleitdokumente gingen verloren. Selbst Gemälde aus den kaiserlichen Kollektionen, die mit feststehender Urheberschaft erworben worden waren, wurden in der Sowjetzeit auf die Republiken und Regionen verteilt, wobei das Wissen um ihre Geschichte und Urheberschaft und manchmal sogar ihre Titel verloren ging.

Aus diesem Grund wissen die heutigen regionalen Museen nicht, dass sie das lokale Publikum mit den Namen europäischer Künstler begeistern könnten – darunter mitunter Künstler ersten Ranges, sehr häufig aber auch hochkarätige Vertreter der zweiten Reihe. Das Problem hängt neben dem Fehlen von Unterlagen auch mit dem Mangel an Experten für westliche Malerei außerhalb der beiden russischen Hauptstädte zusammen.

Das Besondere an diesem Projekt ist auch, dass es nicht von oben verordnet wurde – es war von Anfang an eine Initiative der Museen selbst. Die Idee stammte von der legendären Kuratorin des Puschkin-Museums und Expertin für italienische Malerei Wiktoria Markowa, die bereits auf den ersten Blick den Stil eines bestimmten Künstlers erkennen kann. Ihre Initiative wurde von Nikita Korytin, dem Direktor des Museums in Jekaterinburg, und Roman Schukarin, dem Direktor des Museums in Nischni Nowgorod, unterstützt.

Diese beiden Städte übernahmen schließlich die organisatorischen Aufgaben, während Moskau nun für die wissenschaftliche Begutachtung zuständig ist. Im Rahmen des Projekts fanden bereits mehrere museumübergreifende Seminare statt, und es gelang, mehrere Werke berühmten westeuropäischen Malern zuzuordnen. Nun sind nicht nur weitere Seminare und eine Vertiefung der Zusammenarbeit geplant, sondern auch eine groß angelegte Ausstellung "wiederentdeckter Meisterwerke". Diese dürfte angesichts des Umfangs des Projekts zu einer echten Sensation werden.

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