Russland

Wie Russlands Armee gegen "General Frost" besteht

Der Winter diktiert besondere Regeln für die Kriegsführung. Niedrige Temperaturen und raue Steppenwinde sind in der Zone der militärischen Sonderoperation keine Seltenheit. Dies wirkt sich auf Strategie und Taktik aus. Wie russische Soldaten mit der Kälte zurechtkommen, erfahren Sie in diesem Artikel von RIA Nowosti.
Wie Russlands Armee gegen "General Frost" bestehtQuelle: Sputnik © Sergei Bobylew

Von Andrei Koz

Warme und bequeme Kleidung ist genauso wichtig wie funktionstüchtige Waffen, komfortable Lebensbedingungen und die rechtzeitige Lieferung von Munition, Wasser und Lebensmitteln. Soldaten auf beiden Seiten der Front sitzen in eiskalten Schützengräben und "kahlen" Waldstücken. Wer sich keine Winterfelduniform besorgt hat, erkältet sich schnell oder bekommt eine Lungenentzündung.

Kleidung, die warm hält

"Wir bekommen Winterkleidung ausgegeben, aber wir kaufen noch etwas nach unserem Geschmack dazu", erzählt ein Offizier einer Artilleriebrigade mit dem Rufzeichen Maloj und führt aus:

"Die Soldaten kleiden sich nach dem Mehrschichtprinzip. Jeder muss ein paar Sets Thermounterwäsche haben, die nicht nur wärmt, sondern auch Feuchtigkeit vom Körper ableitet. Darüber kommt eine Fleecejacke und optional eine Unterhose. Die letzte Schicht besteht aus einer Winterjacke und einer dicken Hose. Ein Kragen, der den Hals bedeckt, ist äußerst wünschenswert. Und natürlich Handschuhe, Fäustlinge und eine Mütze. Mit dieser Ausrüstung kann ein Soldat ziemlich lange bewegungslos in der Kälte ausharren."

Besitzer von Anti-Drohnen-Ponchos frieren garantiert nicht. Seit einiger Zeit wird diese Entwicklung der russischen Verteidigungsindustrie massiv von Sturmtruppen eingesetzt, um sich heimlich an die Positionen des Feindes heranzuschleichen – in der Regel in den dunklen Stunden des Tages. Der spezielle Umhang, der Menschen für Wärmebildkameras unsichtbar macht, hat ein beachtliches Gewicht. Er besteht aus mehreren Schichten, die die Körperwärme im Inneren speichern. Im Sommer ist es in dem Poncho natürlich sehr heiß. Aber im Winter wärmt diese Spezialkleidung hervorragend und schützt vor nassem Schnee.

Wie wichtig gute Schuhe sind

Nicht weniger wichtig ist das Schuhwerk. Frostwunden an unteren Extremitäten sind eines der häufigsten Winterprobleme, das zu langfristigen Ausfällen führen kann. Hier gibt es keine allgemeingültigen Ratschläge. Manche tragen taktische Stiefel mit Gore-Tex-Membran, andere Stiefel mit Kunstfell. Für den Wachdienst im Hinterland sind gewöhnliche Filzstiefel völlig ausreichend. Seit Sowjetzeiten gibt es davon noch jede Menge in den Lagern, und sie gehören bis heute zur Ausrüstung eines Soldaten.

Ein Soldat der Sturmabteilung mit dem Rufzeichen "Physiker" berichtet:

"Spezielle dicke Winterschuhe helfen. Außerdem schätzen wir gute Skisocken – sie halten gut warm und die Füße schwitzen nicht. Meine Einheit hatte Glück: Im Herbst haben Freiwillige einen Vorrat davon gebracht. Das benachbarte Bataillon hat eine Lieferung aus Kamelwolle geschenkt bekommen, die Jungs waren auch sehr begeistert davon. Dazu kommen chemische Fußwärmer mit Klettverschluss – die reichen für mehrere Stunden. Aber sie sind Einwegartikel, deshalb immer Mangelware."

Das praktischste Schuhwerk im Zeitraum Herbst/Winter und Winter/Frühling sind gewöhnliche kniehohe Gummistiefel mit einer Isolierung aus Filz oder Wolle. In einigen Gebieten hört der Matsch selbst im Januar nicht auf. In der fettigen, klebrigen südrussischen Schwarzerde werden selbst die teuersten und hochwertigsten Schnürschuhe sehr schnell nass und unbrauchbar. Gummistiefel werden auf jedem Markt für 600 Rubel (rund sieben Euro – Anmerkung der Redaktion) verkauft. Und man kann sie hinterher wegwerfen, ohne dass es einem leidtut.

Feldunterkünfte können gemütlich sein

Selbst ein hervorragend gekleideter und ausgerüsteter Soldat hält es bei starkem Frost nicht lange im Freien aus. Daher ist die Einrichtung des Frontalltags eine vorrangige Aufgabe für jede Einheit. An neuen Stellungen greifen die Soldaten als Erstes zu Schaufeln, Brecheisen, Spitzhacken und Benzinwerkzeugen. Um sich in offenem Gelände zuverlässig vor Drohnen zu schützen, ist es lebenswichtig, tiefer in den Boden zu gehen.

Während der Winterkämpfe um Kurilowka in der Region Kursk vor einem Jahr lebten drei Späher der 810. Marineinfanteriebrigade der Schwarzmeerflotte 40 Tage lang bei Minustemperaturen in Höhlen, die sie im Wald hinter den Linien der ukrainischen Streitkräfte gegraben hatten. Sie wärmten sich mit Anti-Drohnen-Ponchos, kochten Wasser auf Gasbrennern und erhielten ihre Verpflegung aus Drohnenabwürfen. Fast anderthalb Monate lang beobachteten die drei Marinesoldaten den Feind, verminten die Zufahrtswege zum Dorf und richteten die Artillerie auf die Ziele aus. Der Feind bemerkte nichts davon. Und die russischen Soldaten erkälteten sich nicht einmal.

Wenn es die Lage zulässt, bauen die Soldaten ihre Stellungen weiter aus. Die Schützengräben werden mit Brettern ausgekleidet, um das Problem der Verschmutzung in den Gräben zu lösen. Im Inneren werden Bunker mit drei Lagen Baumstämmen errichtet. Darin ist es selbst bei bitterster Kälte warm – es gibt einen Ofen, und die Wände sind zur Wärmedämmung mit Teppichen verhängt. Hier kann man sich immer aufwärmen, heißen Tee trinken und sich nach dem Nachtdienst ausruhen.

Bereits im ersten Jahr der militärischen Sonderoperation setzten sowohl das russische als auch das ukrainische Militär eine interessante Befestigungslösung um: Baumaschinen heben eine Baugrube aus, in die mit einem Kran ein Standard-Seecontainer gehoben wird. Nach außen führen zwei Rohre – zur Belüftung und für den Ofen. Die gesamte Konstruktion wird mit einer dicken Betonplatte abgedeckt und mit Erde aufgefüllt. Von innen wird der Container mit Brettern oder Schindeln verkleidet. Das Ergebnis ist eine komfortable, trockene und schusssichere Unterkunft, in der eine motorisierte Infanterieeinheit Platz findet.

"Der beste Freund eines Soldaten im Winter ist der Ofen", betont der Fallschirmjäger mit dem Rufzeichen Leschi. "Seit September sammeln wir Brennstoff: Brennholz, Briketts, Kohle. Oft legen wir von allen Seiten Ziegelsteine um die Öfen – das sorgt für zusätzliche Wärme. Wir versuchen, die Soldaten mit kalorienreicher Nahrung zu versorgen, damit sie weniger frieren. So geben wir den Wachsoldaten obligatorisch ein Sandwich mit einer dicken Scheibe Speck – das hilft sehr bei Kälte."

Auch Technik hat es schwer

"General Frost" wirkt sich auch auf das Eisen aus. Natürlich zeichnet sich die sowjetische und russische Militärtechnik durch hohe Zuverlässigkeit aus – sie ist für einen Temperaturbereich von minus 50 bis plus 50 Grad ausgelegt. Allerdings sind spezielle Kraftstoffe und Schmierstoffe sowie spezielle Ersatzteile, Werkzeuge und Zubehör erforderlich. Daher lastet im Winter eine besondere Belastung auf den Schultern der Nachschubtruppen, die all dies regelmäßig an die Stellungen liefern müssen – oftmals buchstäblich auf den Schultern. An einigen Abschnitten der Front gibt es so viele Drohnen, dass jede Technik praktisch garantiert zerstört wird.

Ein weiterer wichtiger Faktor sind die Schwierigkeiten bei der Tarnung. Während im Sommer eine Kolonne gepanzerter Fahrzeuge in einem Waldstück versteckt werden kann, verschwindet die Vegetation ab November. Es gibt nur wenige zuverlässige Verstecke. Außerdem sind die Spuren von Panzern, Schützenpanzern, Selbstfahrlafetten und Lastwagen aus der Luft gut zu sehen. Schließlich sind heiße Motoren bei Frost kilometerweit mit Wärmebildgeräten zu erkennen.

Dies wird in der Regel berücksichtigt: Die Fahrzeuge werden mit Wintertarnung versehen und mit speziellen Abdeckungen getarnt, die die Wärmeabstrahlung reduzieren. Kräfte und Mittel werden bei Nebel und Schneesturm verlegt, wenn die Luftaufklärung sehr schwierig ist.

Für Drohnenpiloten ist der Winter die unangenehmste Zeit. Neben Niederschlägen gibt es auch niedrige Wolken, die die Aufklärungsdrohnen dazu zwingen, auf Höhen zu sinken, in denen sie visuell entdeckt und abgeschossen werden können. Quadrocopter-Piloten haben ein besonderes Problem: Die Akkus entladen sich sehr schnell. Erfahrene Drohnenpiloten verstecken Ersatzakkus unter ihrer Oberbekleidung, näher am Körper, damit sie nicht auskühlen.

Es gibt unzählige solcher soldatischer Tricks und Feinheiten. In der Kampfzone ist bereits die vierte Winterkampagne in vollem Gange. Obwohl General Frost für jede Armee ein ernst zu nehmender Gegner ist, haben unsere Soldaten dank ihrer Klugheit und ihrer beharrlichen Arbeit längst gelernt, ihm zu trotzen.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist im Original am 1. Januar 2026 auf ria.ru erschienen.

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