Russland

Enormes Potenzial und große Herausforderungen – Bestandsaufnahme nach dem Beitritt der neuen Gebiete

Mit der Aufnahme in die Russische Föderation bringen die Gebiete im Osten und Süden der Ukraine Boden- und Agrarschätze sowie Seehäfen, Bergbauminen und Landwirtschaft mit. Was können die neuen Regionen zu Russlands Wirtschaft beitragen?
Enormes Potenzial und große Herausforderungen – Bestandsaufnahme nach dem Beitritt der neuen GebieteQuelle: Gettyimages.ru © Getty Images / Anadolu Agency / Contributor

Am Montag hat die russische Staatsduma die Staatsverträge über den Beitritt der Volksrepubliken Donezk und Lugansk (DVR und LVR) sowie der Gebiete Cherson und Saporoschje zur Russischen Föderation ratifiziert. Die vier Territorien stimmten im September in Referenden mit überwältigender Mehrheit für eine Aufnahme in die Russische Föderation.

Ökonomen vertreten die Meinung, dass die Wiederherstellung der vom Konflikt verwüsteten Gebiete enorme Investitionen erfordern wird, weisen jedoch auch darauf hin, dass die Erträge daraus enorm sein könnten. RT fasst die wirtschaftlichen Kosten und Nutzen der Aufnahme der Gebiete in die Russische Föderation zusammen.

1. Wie sind die neuen Regionen strukturiert?

Die Gesamtfläche des Donbass, Cherson und Saporoschje beträgt fast 109.000 Quadratkilometer oder mehr als 15 Prozent der ehemaligen Gesamtfläche der Ukraine. In den Territorien, die über mehr als 5,6 Millionen Hektar Ackerland verfügen, lebten vor 2014 mehr als acht Millionen Menschen. Moskau muss noch die zukünftigen Grenzen von Cherson und Saporoschje festlegen, die in Teilen noch immer von ukrainischen Truppen kontrolliert werden.

2. Was sind die Treiber der Wirtschaft im Donbass?

Der Donbass mit seiner auf Kohle basierenden Wirtschaft war das industrielle Kernland der Ukraine. Auf die DVR entfielen bis 2014 20 Prozent der Industrieproduktion des Landes. Die mineralreiche Region verfügt über das viertgrößte Gebiet für Kohleabbau in Europa, dessen Reserven auf über 10 Milliarden Tonnen geschätzt werden. Im Februar waren im Donbass 115 Bergbauminen in Betrieb, die jährlich rund 70 Millionen Tonnen Rohstoffe förderten. Zudem befinden sich acht Kraftwerke in der Region Donezk.

Die LVR ist ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt und bekannt für ihre Metallurgie-, Maschinen- und Agrarindustrie. Es gibt zudem chemische und pharmazeutische Fabriken und mehrere Minen für den Kohleabbau. Durch die Republik führen eine Reihe wichtiger Transitautobahnen. Laut den Behörden der LVR ist das landwirtschaftliche Potenzial groß, wobei der Schwerpunkt auf dem Anbau von Getreide liegt.

3. Warum ist Saporoschje wichtig?

Das Gebiet Saporoschje war mit seinen drei mächtigen Energieerzeugern das Zentrum der Energieversorgung der Ukraine. Es beheimatet das Kernkraftwerk Saporoschje, das größte Kernkraftwerk in Europa, das Wasserkraftwerk Dnjepr und den Windpark Botiewo. In den Jahren 2019 bis 2020 produzierte Saporoschje etwa 40 Milliarden Kilowattstunden Strom pro Jahr, was etwa 25 bis 27 Prozent des gesamten Energiesektors der Ukraine entsprach. Die Region verfügt über eine Reihe großer Industrie- und Maschinenbauanlagen, darunter die Saporoschje Automobil Fabrik (ZAZ) mit einem Produktionsausstoß von 150.000 Fahrzeugen pro Jahr. Der Dnjepr, der Kachowkaer Stausee und das Asowsche Meer spielen eine bedeutende Rolle in der Wirtschaft von Saporoschje, wo auch ein großes Potenzial für die industrielle Fischzucht liegt.

4. Welche Bedeutung hat Cherson?

Das Gebiet Cherson ist auf den Schiffbau fokussiert und zudem für seine Urlaubsresorts und Landwirtschaft bekannt. Mit fast 20.000 Quadratkilometern verfügt die Region über die größte Fläche an Ackerland der ehemaligen Ukraine. Das Gebiet produziert Getreide, Sonnenblumen und Gemüse. Das fruchtbare Land erlaubt zwei, manchmal sogar drei Ernten pro Saison. Weitere traditionelle Wirtschaftszweige sind die Viehzucht und der Weinbau. Es ist geplant, auf dem Territorium von Cherson, das Zugang zum Asowschen und zum Schwarzen Meer hat, eine Urlaubs- und Tourismusindustrie zu entwickeln.

5. Vor welchen Herausforderungen steht Russland?

Die neuen Gebiete haben unglaubliches landwirtschaftliches und industrielles Potenzial, aber auch eine stark degradierte Infrastruktur, da Kiew in den vergangenen 30 Jahren dort keine Investitionen getätigt hat. Das Hauptanliegen der russischen Regierung besteht darin, diese Gebiete in die russische Wirtschaft zu integrieren und ihnen dabei zu helfen, das wirtschaftliche Entwicklungsgefälle zu überwinden und sich von der durch den Konflikt verursachten Zerstörung zu erholen. Zunächst wird Moskau die Haushalte der vier Regionen finanzieren. Experten sagen voraus, dass in Zukunft, wenn sich die Integration vertieft hat und die Wirtschaft wieder angelaufen ist, sich das Volumen der Transfers aus dem föderalen Haushalt zunehmend verringern wird.

6. Welchen wirtschaftlichen Beitrag werden die neuen Gebiete leisten?

Alle vier Territorien haben eine äußerst vorteilhafte geographische Lage. Mit ihren Häfen und Seeverbindungen zum Süden Russlands bieten sie enorme Möglichkeiten. Der Zugang zum wichtigen Seehafen von Mariupol am Asowschen Meer bedeutet eine potenzielle Steigerung der Lieferungen von Kohle und anderen Waren nach Afrika und in südasiatische Länder. Die Regionen können dazu beitragen, sowohl die Ernährungssicherheit des Landes zu gewährleisten als auch die Exportlieferungen in befreundete Staaten zu erhöhen.

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Übersetzung aus dem Englischen.

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