Russland

"Um die Welt demokratischer zu machen": Russland setzt auf Euro statt Dollar im Wohlstandsfonds

Russland sendet ein weiteres Signal gegen US-Sanktionen und trennt sich von Rücklagen in US-Dollar. Der Anteil von Euro und Yuan an seinem Nationalen Fonds für soziale Zwecke soll stattdessen erhöht werden. Auch Unternehmen werden Anreize erhalten, sich umzustellen.
"Um die Welt demokratischer zu machen": Russland setzt auf Euro statt Dollar im WohlstandsfondsQuelle: www.globallookpress.com © Zamir Usmanov

Noch macht der Dollar 80 Prozent des Devisenumsatzes an der Moskauer Börse aus, während es beim Euro weniger als 20 Prozent sind.

Der russische Finanzminister Anton Siluanow erklärte, dass der Anteil des Dollars am Fonds für Nationales Wohlergehen langfristig auf null gesenkt werden soll. Die Entscheidung gab Siluanow auf dem Internationalen Wirtschaftsforum in St. Petersburger bekannt. Diese war in Zusammenarbeit mit der russischen Zentralbank getroffen worden. In US-Dollar sind bisher 35 Prozent angelegt. Am 1. Mai umfasste der Fonds fast 186 Milliarden Dollar. Bis zu 40 Milliarden Dollar könnten verkauft werden.

Auch Unternehmen werden angehalten, sich umzuorientieren. Die nominierten Anlagen im Portfolio, die in britischem Pfund Sterling gehalten werden, sollen künftig nur noch fünf Prozent statt wie bislang zehn Prozent betragen. Der Anteil des Staatsfonds in Euro und Yuan (Renminbi) sollen auf 40 beziehungsweise 30 Prozent erhöht werden.

Vom russischen Finanzministerium hieß es am Montag, die russische Regierung bereite sich darauf vor, die gesamte Währungsliquidität vom Dollar auf den Euro zu übertragen.

Der Leiter der Abteilung für die Kontrolle externer restriktiver Maßnahmen im Finanzministerium Dimitri Timofejew erklärte dazu:

"Unser Ziel ist es, Russland zu einem euroorientierten Land zu machen, sodass der Dollar durch den Euro ersetzt wird, und ich denke, wir haben allen Grund dazu. Das gilt auch für die Liquidität des Währungsumtauschs und so weiter. Aber dafür braucht man Anreize, und deshalb unterstützen wir die Vorschläge für den Einsatz solcher Anreize.  (...) Es kann verschiedene Anreize geben, aber da wir eine Marktwirtschaft sind, können wir nicht einfach anordnen: Hört auf, Dollar zu verwenden!"

Staatliche Unternehmen sollen Anreize und Richtlinien erhalten, damit diese sich ebenfalls umstellen können. Hierdurch, so Timofejew, könnten Sanktionen vermieden "und die Welt demokratischer" gemacht werden.

Am 16. Juni wird es ein Gipfeltreffen zwischen dem russischen Präsidenten Wladimir Putin und US-Präsident Joe Biden in Genf geben. Biden ist erklärter Gegner der russischen Politik. Der Leitende Analyst für Schwellenländer beim Londoner Unternehmen BlueBay Asset Management, Timothy Ash, sieht in Moskaus Abkehr vom Dollar eine politische Entscheidung vor der Zusammenkunft der beiden Staatschefs:

"Die Botschaft lautet: Wir brauchen die USA nicht, wir müssen nicht in Dollar handeln, und wir sind verwundbar gegenüber weiteren US-Sanktionen."

Die USA begründen die Sanktionen mit der Ukraine-Krise und werfen Moskau die Annexion der Krim vor. Moskau hatte die Dollarbestände bereits reduziert. In diesem Jahr wird Russland auch die Vorbereitungen für den digitalen Rubel abgeschlossen haben.

Die Umstellung der Inventionen des Staatsfonds für Nationales Wohlergehen weg vom Dollar soll binnen eines Monats erfolgen.

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