Russland

Russischer Botschafter: London will Moskau vom europäischen Sicherheitssystem ausschließen

Andrei Kelin, Russlands Botschafter in London, erklärt in einem Interview mit RT, die britische Führung sei Moskau gegenüber zunehmend feindlich eingestellt. Der Diplomat nennt dies einen gefährlichen Trend, der sich auf die europäische Sicherheit auswirken könnte.
Russischer Botschafter: London will Moskau vom europäischen Sicherheitssystem ausschließen© RT

In einem Interview hat Andrei Kelin, der russische Botschafter in London, die aktuelle Haltung Großbritanniens gegenüber Russland erörtert. Der Diplomat wies darauf hin, die britische Führung sei Moskau gegenüber zunehmend feindlich eingestellt. Dies nennt Kelin einen gefährlichen und nicht provozierten Trend, der sich tragisch auf die europäische Sicherheit auswirken könnte:

"Wir werden wegen aggressiven Verhaltens angeklagt, aber wir sehen, dass es die britische Regierung ist, die aggressiver werden möchte."

Vor kurzem veröffentlichte das Vereinigte Königreich einen Prüfbericht über seine Sicherheit, Verteidigung, Entwicklung und Außenpolitik. In dem lang erwarteten Dokument wird Russland auf Augenhöhe mit Iran und Nordkorea als eine der größten Bedrohungen für London bezeichnet. Moskau sei "die akuteste Bedrohung in der Region", heißt es in dem Bericht.

Ohne jegliche Erklärung sei Russland in der Veröffentlichung 14 Mal als Bedrohung bezeichnet worden, so der Botschafter. Andrei Kelin äußerte Bedenken, dass das Papier, das bis ins Jahr 2030 als Richtlinie für die Politik Großbritanniens gelten soll, die Notwendigkeit eines Dialogs zwischen Moskau und London nicht einmal erwähnt. Im Gegensatz den Dokumenten der NATO. Kelin wörtlich:

"Wir waren überrascht und ein bisschen erstaunt darüber."

Der russische Botschafter vermutet, dass die aggressive Haltung Großbritanniens darauf abzielt, Moskau vom umfassenderen Konzept der europäischen Sicherheit auszuschließen. Kelin merkte an, dass das Ziel früher darin bestand, einen gemeinsamen Sicherheitsraum von Lissabon bis Wladiwostok zu schaffen. Mittlerweile sei die gewünschte Sicherheitszone auf NATO- und EU-Mitglieder begrenzt. Kelin betonte, dass der Versuch, Russland vom europäischen Sicherheitssystem auszuschließen, nur dessen Grundlagen untergraben würde:

"Ohne Russland ist es unmöglich, eine normale Sicherheit aufzubauen."

Der Diplomat unterstrich, dass Russland keine Konfrontation mit Großbritannien anstrebt. Er fügte aber hinzu, dass Moskau auf sämtliche Handlungen Londons angemessen reagieren wird:

"Wir werden Großbritannien so behandeln, wie wir behandelt werden."

Das neue Konzept gehe Hand in Hand mit Londons Strategie einer Annäherung an Washington, erklärte der russische Botschafter. In den vergangenen Monaten unternehme Großbritannien enorme Anstrengungen, um den USA nach dem Brexit näherzukommen.

Kelin ist zudem der Ansicht, dass das aggressive Auftreten Londons teilweise auf dessen Wunsch zurückzuführen sein könnte, seine Verteidigung und insbesondere die Streitkräfte zu stärken. Die Entscheidung, die Obergrenze für die Gesamtzahl der Atomsprengköpfe auf 260 zu erhöhen, bezeichnet der Diplomat als "auffällig".

Überdies teilte der russische Botschafter in London mit, dass dies für Politiker auf der ganzen Welt, einschließlich der Verbündeten Großbritanniens in Washington, eine "absolute Überraschung" gewesen sein muss und kaum zum internationalen Rüstungskontrollregime beitragen wird.

Dennoch vertritt Kelin die Meinung, dass trotz der politischen Spannungen die Situation der russisch-britischen Beziehungen nicht völlig hoffnungslos ist. Der Diplomat präzisierte, dass die Beziehungen im wirtschaftlichen, wissenschaftlichen und humanitären Bereich nie unterbrochen wurden und sich weiter entwickeln.

Das Handelsvolumen zwischen Großbritannien und Russland nahm in den vergangenen Jahren zu. Unternehmen aus beiden Ländern starten gemeinsam aussichtsreiche Projekte, so der Botschafter. Zuletzt brachte eine russische Sojus-Rakete im Rahmen eines Projekts, bei dem bereits insgesamt vier solcher Starts stattgefunden haben, für das britische Unternehmen OneWeb 36 Satelliten in die Umlaufbahn, fügte Kelin hinzu.

Die aggressive Rhetorik, die hauptsächlich von Vertretern britischer Verteidigungskreise vertreten wird, werde vom Großteil der britischen Bevölkerung kaum geteilt, sagte der Botschafter und resümierte, "dass die beiden Nationen Kooperation brauchen".

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