
Österreich steckt fest: Drei Jahre Rezession und der Rückstand wächst

Kaum ein anderes EU-Land wächst 2026 so langsam wie Österreich. Die jüngste Herbstprognose der EU-Kommission sieht für Österreich ein Plus von 0,9 Prozent, schlechter schneiden nur Italien (0,8) und Irland (0,2) ab. Der EU-Schnitt liegt bei 1,4 Prozent, die Eurozone bei 1,2. Damit bleibt Österreich, was es seit 2023 ist: ein Nachzügler.
Die Zahlen dahinter sind eindeutig. 2023 und 2024 steckte das Land in der längsten Rezession der Zweiten Republik, 2024 schrumpfte die Wirtschaft um 1,2 Prozent. 2025 kam Österreich zwar aus der Rezession heraus, aber nur mit mageren 0,3 Prozent Wachstum. Für die kommenden Jahre sagen WIFO und IHS eine "moderate Erholung" voraus, ohne "stürmischen Aufschwung", wie es WIFO-Chef Gabriel Felbermayr formuliert.

Besonders deutlich zeigt sich der Rückstand im Vergleich mit Mittel- und Osteuropa. Dort war Österreich jahrzehntelang einer der wichtigsten Investoren und galt als wirtschaftliches Vorbild. Heute hat sich das Bild gedreht. Tschechien wuchs 2025 um 2,6 Prozent, getragen auch von steigenden Reallöhnen. Für 2026 werden weitere 2,4 Prozent erwartet. Die Slowakei wächst zwar langsamer, kommt aber immer noch auf gut 2 Prozent und damit deutlich mehr als Österreich. Länder, in die österreichische Unternehmen einst investierten, wachsen heute selbst schneller als Österreich. Das hat nicht nur mit der Stärke der Nachbarn zu tun. Österreich hat auch eigene Probleme, die den Standort bremsen.
Dazu gehört vor allem die enge Verbindung zu Deutschland. Der österreichische Maschinenbau, die Autozulieferer und die Chemieindustrie hängen stark von der deutschen Wirtschaft ab. Und die kommt selbst kaum voran. Gleichzeitig drücken hohe Lohnstückkosten auf die Wettbewerbsfähigkeit der Industrie. Hinzu kommt das hohe Budgetdefizit. Mit 4,4 Prozent der Wirtschaftsleistung liegt es deutlich über der Maastricht-Grenze von 3 Prozent. Moody's reagierte 2025 und senkte den Ausblick für Österreich von stabil auf negativ. Das Rating bleibt mit Aa1 zwar stark, doch die Richtung ist ein Warnsignal.
Ganz so dramatisch sehen es nicht alle. Finanzminister Markus Marterbauer verweist auf die bereits beschlossenen Maßnahmen zur Sanierung des Budgets. Wenn die Konsolidierung greift, dürfte sich auch die Lage bei den Ratingagenturen wieder beruhigen. WIFO-Chef Gabriel Felbermayr sieht ebenfalls erste Lichtblicke und spricht von einem "Licht am Ende des Tunnels".
Zudem steht Österreich mit seinen roten Zahlen nicht allein da. Auch Deutschland, Frankreich, Belgien und mehrere osteuropäische Länder werden 2026 die Defizitgrenze von 3 Prozent überschreiten. Österreichs Schwäche hat deshalb auch externe Gründe. Die Flaute in Deutschland trifft die österreichische Industrie direkt. Dazu kommen die US-Zollpolitik und die schwache Weltwirtschaft. Ein Teil der Probleme kommt also von außen. Die eigenen Hausaufgaben bleiben Österreich trotzdem nicht erspart.
Ob Österreich nur eine schwierige Konjunkturphase durchläuft oder dauerhaft an Standortqualität verliert, wird sich erst über die nächsten Jahre zeigen. Die Regierung muss nun beweisen, dass sie die Staatsfinanzen in den Griff bekommt und gleichzeitig die Wettbewerbsfähigkeit des Standorts stärkt. Erst dann lässt sich sagen, ob Österreich den Rückstand wieder aufholen kann.
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