
Sechs Jahre danach: Österreichs Ex-Gesundheitsminister verteidigt die Lockdowns

Sechs Jahre nach dem ersten Corona-Lockdown meldet sich Österreichs ehemaliger Gesundheitsminister Rudolf "Rudi" Anschober mit einer klaren Botschaft zurück: Die damaligen Maßnahmen waren aus seiner Sicht richtig.
Im Videopodcast "Message Macht Medien" auf Krone.tv stellt sich der grüne Ex-Politiker den Fragen des Kommunikationsexperten Gerald Fleischmann – und bleibt in der zentralen Frage unbeirrt.
Die Kontaktbeschränkungen seien "nach heutigem Wissensstand wirksam" gewesen, sagt Anschober. Für ihn stehe fest, dass der Staat in einer Phase großer Unsicherheit habe handeln müssen. Die Pandemie habe rasche Entscheidungen verlangt, auch unter unvollständigen Informationen. Dass viele Bürger die Eingriffe als tiefgreifend oder überzogen empfanden, räumt er indirekt ein. Doch an der grundsätzlichen Notwendigkeit der Lockdowns zweifelt er nicht.

Auf Einwände, man habe über abweichende Meinungen hinweg gehandelt, verweist Anschober auf die Zusammensetzung seiner beratenden Expertenkommission. Dort seien bewusst verschiedene Perspektiven vertreten gewesen, auch solche, die skeptisch gegenüber Maßnahmen eingestellt waren, erklärt er.
Die eigentlichen Spannungen sieht er weniger in der fachlichen Beratung als in der parteipolitischen Ebene. Einzelne Beteiligte hätten die Pandemie für politische Eigeninteressen genutzt. Wenn Politiker bei Anti-Corona-Demonstrationen präsent seien, entstehe schnell der Eindruck, es gehe nicht mehr um den Gesundheitsschutz, sondern um das Abstecken von Lagern.

Der Rückblick wirkt sachlich und kontrolliert. Es gibt keine pathetische Verteidigung, aber auch kein Abweichen vom damaligen Kurs. Anschober begründet seine Entscheidungen aus der Logik der Krise: In außergewöhnlichen Situationen seien außergewöhnliche Maßnahmen gerechtfertigt gewesen.
Im weiteren Gespräch weitet sich der Fokus. Donald Trump interpretiert er als Ausdruck gesellschaftlicher Verunsicherung in Zeiten beschleunigten Wandels. Begriffe wie "Wokeness" oder "Cancel Culture" bezeichnet er als polarisierende Schlagworte, die Gegensätze vertiefen, statt Verständigung zu fördern.
Spekulationen über eine mögliche Kandidatur für das Amt des Bundespräsidenten weist Anschober zurück. Er habe "überhaupt keine Ambitionen".
Sechs Jahre nach Beginn der Pandemie bleibt damit eine politische Gewissheit: Die Bewertung der Lockdowns trennt weiterhin – auch wenn die Krise längst Vergangenheit ist.
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