
Wien: Politische Botschaften überschatten Konzert von Herbert Grönemeyer

Wien erlebte in der Stadthalle einen Konzertabend, der musikalisch überzeugen sollte, politisch jedoch polarisierte. Der deutsche Sänger Herbert Grönemeyer nutzte seine Unplugged-Show für deutliche Stellungnahmen gegen rechte Strömungen und sorgte damit für Unmut bei Teilen des Publikums.
Zwischen Balladen und bekannten Hits formulierte der Künstler einen leidenschaftlichen Appell für Demokratie und gegen politische Hetze. Er erklärte, angesichts seines Alters nicht erwartet zu haben, erneut so ausdrücklich für demokratische Grundwerte eintreten zu müssen.
Rechte Agitation bezeichnete er als unerträglich und kündigte an, sich ihr weiterhin entgegenzustellen. Dabei fiel auch die Forderung, Vertreter entsprechender Ideologien sollten sich zurückziehen und das öffentliche Leben nicht weiter prägen.

Zusätzliche Irritation entstand, als Grönemeyer sein zweisprachiges Lied Doppelherz ausdrücklich Migranten widmete und Kritik an einer restriktiven Flüchtlingspolitik übte. Menschen mit Migrationshintergrund hätten, so seine Argumentation, maßgeblich zum Aufbau des Landes beigetragen. Wer ihnen das Lebensrecht oder die Zugehörigkeit abspreche, handle moralisch verwerflich.
Unter den Besuchern befand sich auch der politiknahe Berater Stefan Petzner, der dem freiheitlichen Umfeld zugerechnet wird. Er fühlte sich durch die pauschale Kritik an Rechten persönlich angesprochen und sprach von einer Diffamierung all jener, die sich politisch rechts der Mitte verorten.
Besonders störte ihn, dass die Begriffe ohne Differenzierung verwendet wurden. In den sozialen Netzwerken kritisierte er, ein Konzertticket berechtige nicht zu parteipolitischer Belehrung.
Auch online setzte sich die Debatte fort. Mehrere Besucher äußerten die Erwartung, bei einem Konzert in erster Linie Musik und keine politischen Botschaften zu erleben.
Der Abend in Wien zeigte damit weniger eine musikalische Kontroverse als vielmehr eine kulturpolitische Bruchlinie. Die Bühne wurde zum Forum für Grundsatzfragen über Demokratie, Migration und die Rolle von Künstlern im politischen Diskurs. Während ein Teil des Publikums applaudierte, reagierte ein anderer mit demonstrativer Distanz.
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