Nordamerika

Nach Unfalltod einer Kamerafrau: Die Waffe war echt

Bei dem tragischen Unfall während der Dreharbeiten zu dem Western "Rust" erschoss der Schauspieler Alec Baldwin versehentlich eine Kamerafrau. Nun kommen immer mehr Einzelheiten ans Licht. Nicht nur die Munition soll echt gewesen sein, sondern auch die Waffe.
Nach Unfalltod einer Kamerafrau: Die Waffe war echtQuelle: Reuters © Kevin Mohatt

Nach dem tragischen Unfall während der Dreharbeiten zu dem Western "Rust" hieß es zunächst, dass zwar versehentlich scharfe Munition genutzt worden sei, die Waffe aber eine Attrappe gewesen sei. Die zuständige Staatsanwältin, Mary Carmack-Altwies, widerspricht nun dieser Darstellung. Die Ermittler hatten in ersten Aufzeichnungen von einer Pistolen-Attrappe gesprochen. Dies sei irreführend, sagte Carmack-Altwies. Sie erklärte gegenüber der New York Times, dass es sich um eine "echte Waffe" gehandelt habe:

"Es war eine antike Pistole, die in die Ära passt."

Am Mittwoch wollen die Behörden in Santa Fe im US-Bundesstaat New Mexico erstmals öffentlich in einer Pressekonferenz zu den laufenden Ermittlungen Stellung nehmen. Laut Carmack-Altwies ist auch eine Strafverfolgung in dem Fall möglich. "Wir haben noch nichts ausgeschlossen", so Carmack-Altwies in der New York Times.

"Zu diesem Zeitpunkt ist alles, einschließlich strafrechtliche Anklage, auf dem Tisch."

Im Mittelpunkt stünden derzeit ballistische Untersuchungen, um zu klären, welche Art von Munition verwendet wurde und wie sie in die Waffe hineinkam. Bei dem Vorfall während der Dreharbeiten auf einer Filmranch in New Mexico war am vorigen Donnerstag die 42 Jahre alte Chef-Kamerafrau Halyna Hutchins tödlich verletzt worden. Hauptdarsteller Baldwin (63) hatte die Waffe bei der Probe für eine Szene abgefeuert.

"Schießübungen und laxe Sicherheitsvorkehrungen"

Laut einem Polizeibericht hatte der Regieassistent dem Schauspieler bei der Übergabe der Pistole gesagt, dass es sich um eine "kalte Waffe" ohne Munition handele. Der Assistent habe nach eigener Aussage nicht gewusst, dass eine Patrone in der Waffe steckte. Regisseur Joel Souza war bei dem Zwischenfall an der Schulter verletzt worden, konnte das Krankenhaus aber wenig später wieder verlassen. Souza stand zum Zeitpunkt des tödlichen Vorfalls hinter der Kamerafrau. Die Dreharbeiten für den Western wurden ausgesetzt.

Carmack-Altwies zufolge könnten sich die Ermittlungen über Wochen oder Monate hinziehen, ehe es zu einer möglichen Anklage kommen könnte. Es habe "große Mengen" von Munition am Set gegeben, sage die Staatsanwältin. Nach Angaben der Polizei seien bei der Durchsuchung des Drehorts drei Revolver, gebrauchte Patronen und Munition unter anderem in Schachteln, lose und in einer Gürteltasche gefunden worden.

Der Regieassistent, der Baldwin die Waffe übergab, sei 2019 wegen eines ähnlichen Vorfalls bei einem Film entlassen worden, berichteten zahlreiche US-Medien. Bei dem Dreh zu "Freedom's Path" sei damals ein Tontechnik-Mitarbeiter leicht verletzt worden, nachdem unerwartet eine Requisitenwaffe losgegangen sei, hieß es unter Berufung auf die Produktionsfirma des Films. Kritik wurde nach Medienberichten auch an der 24 Jahre alten Waffenmeisterin laut, die für die ordnungsgemäße Handhabung aller Waffen am Set zuständig war. "Rust" war erst der zweite Film, an dem sie in dieser Funktion beteiligt war.

Vermutungen über laxe Sicherheitsvorkehrungen wurden auch von einem Bericht der Nachrichtenseite The Wrap gestützt, wonach einige Crewmitglieder in ihrer Freizeit angeblich scharfe Munition benutzten, um auf Bierdosen zu schießen. Die Quellen wurden nicht namentlich genannt. Demnach hätte ein derartiges Zielschießen am Morgen, wenige Stunden vor dem tödlichen Vorfall am Set, stattgefunden, sagte The Wrap-Journalistin Sharon Waxman dem Sender CNN. Eine dieser Waffen sei später am Set an Baldwin weitergereicht worden.

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