Nordamerika

Nicht gegen COVID-19 geimpft: US-Richter entzieht Mutter das Elternrecht, ihr Kind zu sehen

"Ich vermisse meinen Sohn": Eine Mutter aus Chicago behauptet, ein Richter habe ihr die elterlichen Rechte entzogen, nachdem ihm bekannt geworden war, dass sie nicht gegen COVID-19 geimpft war. Die Anwältin der Frau wirft dem Richter das Überschreiten seiner Kompetenzen vor.
Nicht gegen COVID-19 geimpft: US-Richter entzieht Mutter das Elternrecht, ihr Kind zu sehenQuelle: AFP © Fred TANNEAU / AFP

Ein Richter in Chicago hat Berichten zufolge die elterlichen Rechte einer Mutter eingeschränkt und sie verpflichtet, sich gegen COVID-19 impfen zu lassen, wenn sie ihren elfjährigen Sohn persönlich wiedersehen will. Die recht ungewöhnliche Entscheidung wurde am 10. August bei einer Anhörung zum Kindesunterhalt via Zoom getroffen. Die Frau sagte, sie wolle gegen das Urteil Berufung einlegen.

Rebecca Firlit, die seit sieben Jahren geschieden ist, teilte sich bislang das Sorgerecht für ihren Sohn mit ihrem Ex-Mann. Die Gerichtsverhandlung nahm in dem Moment eine unerwartete Wendung, als Richter James Shapiro sie danach fragte, ob sie eigentlich eine COVID-19-Impfung erhalten habe. Firlit antwortete daraufhin, dass sie noch nicht geimpft worden sei, weil sie in der Vergangenheit unter Nebenwirkungen von Impfstoffen gelitten habe. Shapiro ordnete daraufhin an, dass Firlit ihren Sohn so lange nicht persönlich sehen dürfe, bis sie geimpft sei.

"Ich vermisse meinen Sohn mehr als alles andere. Es war bislang alles sehr schwierig", sagte sie einem lokalen Fox-News-Sender.

Der Gerichtsbeschluss sei nicht im Interesse ihres Sohnes, der jetzt gewaltsam von seiner eigenen Mutter ferngehalten wird, so Firlit. Im Moment darf sie nur per Telefon und Videoanruf mit ihrem Sohn kommunizieren. Sie sagt aber, dass sie gegen die Entscheidung des Richters Berufung einlegen wird. Richter Shapiro habe ihr seine Ansichten aufgezwungen, und seine Frage nach ihrem Impfstatus habe nichts mit dem zu tun gehabt, worüber sie zuvor sprachen, argumentiert Firlit jetzt.

Ihre Anwältin Annette Fernholz hat den Richter nun beschuldigt, seine Kompetenzen überschritten zu haben. Fernholz führt das so auf:

"In diesem Fall hat ein Richter, ohne dass ihm eine besorgniserregende Angelegenheit bezüglich des Umgangs mit dem Kind vorliegt, entschieden: 'Oh, du bist nicht geimpft? Du darfst dein Kind nicht mehr wiedersehen, bis du geimpft bist!'"

Sie wies darauf hin, dass der Vater die Frage nach der Impfung oder die Frage, ob diese möglicherweise das Besuchsrecht beeinträchtigen könnte, bislang nie angesprochen habe, was bedeute, dass der Richter in eigenem Ermessen gehandelt habe. Jeffrey Leving, der Anwalt, der den Vater vertritt, sagte, die Entscheidung sei zwar unerwartet, aber "jedes Kind sollte sicher sein". Leving wies darauf hin, dass es "Kinder gibt, die aufgrund von COVID-19 gestorben sind", und dass Firlit besser geimpft werden sollte.

Seit Beginn der Pandemie wurden in Cook County in Illinois, zu dem Chicago gehört, neun COVID-19-bedingte Todesfälle bei Kindern im Alter von 15 Jahren oder jünger registriert.

Ein Sprecher des Gerichts sagte, dass man sich aufgrund des laufenden Verfahrens nicht zu dem Vorfall äußern könne.

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