Nordamerika

Schwere Umweltzerstörung durch Fracking von US-Firmen im Golf von Mexiko

Die Öl- und Gasförderung im Golf von Mexiko entsorgt Millionen Tonnen giftiger Chemikalien ins Meer. Das hat schwerwiegende Auswirkungen auf Mensch, Tier und Umwelt.
Schwere Umweltzerstörung durch Fracking von US-Firmen im Golf von MexikoQuelle: www.globallookpress.com © Michael Henninger/ZUMAPRESS.com

von Maria Müller

Die Öl- und Gasförderung vor der Südküste der Vereinigten Staaten verbrauchte in den vergangenen zehn Jahren riesige Mengen an chemischem Giftmüll in den Golf von Mexiko. Die Verseuchung des Meeres reicht bis in die Karibik. Die fossilen Brennstoffe der USA werden zu rund 95 Prozent aus "Feldern" unter dem Meeresgrund geholt: durch Fracking, teilweise mit Säure-Ätzung.

US-Umweltschützer beklagen das Desinteresse der US-Behörden und der Regierung, Kontrollen durchzuführen. Die nordamerikanische Agentur für Umwelt (EPA) erlaube es den Förderkonzernen, unbegrenzte Mengen hochgiftiger Abwässer ins Meer zu leiten. Die EPA hat bisher 3.000 Genehmigungen für Fracking erteilt. Vor allem im Meeresboden vor Texas, Louisiana und Mississippi befinden sich Dutzende von Bohrlöchern.

Schwere Gesundheitsschäden sind bekannt

"Sie verschließen seit zehn Jahren die Augen davor, dass die beim Offshore-Fracking verwendeten Chemikalien schwere Gesundheitsrisiken für Mensch und Tier mit sich bringen. Es ist bewiesen, dass sie Krebs und Fortpflanzungsschäden verursachen, zu Erkrankungen des Nervensystems führen und sogar zu einer höheren Sterblichkeitsrate",

kritisieren Vertreter der Umweltorganisation "Zentrum für biologische Vielfalt" in den USA.

Die Organisation hat 1,7 Millionen Mitglieder und ist international vernetzt. Sie veröffentlichte im Juli einen neuen Bericht über die Folgen des Öl- und Gasfrackings, an dem alle großen internationalen Energiekonzerne beteiligt sind. Die Studie heißt "Giftiges Wasser: Wie Offshore-Fracking den Golf von Mexiko verseucht". Miyoko Sakashita, die Programmdirektorin der Abteilung für Ozeane der Organisation, kritisierte in einer Erklärung zum Anlass der Veröffentlichung:

"Seit 2010 gibt es einen enormen Aufschwung der Offshore-Hydraulik beim Fracking. Doch die zuständigen Ämter berufen sich immer noch darauf, dass sie eine 'angemessene Untersuchung' benötigten, um handeln zu können. So lange genehmigt die US-Regierung immer extremere Fördertechniken und lässt die Unternehmen ihren gefährlichen Abfall in den Golf von Mexiko kippen."

Und weiter: "Das ist die Hauptverschmutzung der Golfregion. Die Tatsache, dass sie nicht gestoppt wird, ist erschütternd und kann nicht akzeptiert werden."

Die Wissenschaftler der Umweltorganisation erstellten den Bericht auf der Grundlage von Branchendokumenten, öffentlichen Studien und behördlichen Genehmigungsunterlagen.

Das Offshore-Fracking ohne Entsorgung der giftigen Abwässer

Offshore-Fracking ist in den letzten zehn Jahren in den USA fast alltäglich geworden. Dabei werden Wasser und Chemikalien unter hohem Druck in den Meeresboden gesprengt, um Gestein aufzubrechen und Öl und Gas freizusetzen. Häufig wird Salzsäure injiziert, um Risse oder Adern in Felswänden zu ätzen und an die fossilen Brennstoffe zu kommen. Die Entsorgung des oft radioaktiven und chemikalienintensiven Rücklaufwassers ist nicht gelöst: Es wird ins Meer geschüttet. Die Umweltorganisation berechnete einen Umfang von 66,3 Millionen Gallonen (etwa 250 Millionen Liter) verseuchter Fracking-Abwässer.

Eine Analyse von Inhaltsstoffen von 15 Berichten über Fracking in staatlichen Gewässern im Golf von Mexiko zeigt, dass die Chemikalien giftig für Wasserlebewesen sind und schädliche Auswirkungen auf die Umwelt haben.

Hunderte von giftigen Chemikalien

Das Zentrum für biologische Vielfalt erklärt, dass beim Offshore-Fracking Hunderte bekannte giftige Schadstoffe verwendet werden. Doch viele Chemikalien seien entweder gar nicht registriert oder ihre Auswirkungen nicht untersucht. Eine Studie, in der 1.021 Fracking-Materialien bewertet worden waren, ergab, dass für 76 Prozent der Produkte keine Informationen über die Auswirkungen auf die menschliche Gesundheit vorhanden sind. Von den übrigen 240 Substanzen gab es Hinweise auf Reproduktionstoxizität für 103 (43 Prozent), Entwicklungstoxizität für 95 (40 Prozent) und beide für 41 (17 Prozent).

Ebenso fehlte für die Mehrheit der im Golf verwendeten chemischen Produkte eine Gefahrenabschätzung ihrer aquatischen Toxizität. Doch viele von denen, die getestet wurden, haben die Kategorie "extrem giftig, einfach giftig oder schädlich" für Wasserorganismen und Menschen.

Wenn Abwässer nicht direkt ins Meer geleitet werden, injiziert man sie wieder zurück in den Meeresboden. Oder sie werden über Pipelines an Land transportiert. Doch auch die Entsorgungstechniken sind problematisch. Laut Untersuchungen wiesen 30 Prozent der Offshore-Ölquellen im Golf von Mexiko in den ersten fünf Jahren nach den Bohrungen Schäden am Bohrloch auf. Auch hier kommt es zu Todesfällen und Verletzungen sowie zu Umweltschäden.

Wirtschaftliche Folgen der Fracking-Industrie

Das Gift tötet das Leben im Meer, die Fischereiindustrie ist bedroht. Eine wichtige Ernährungsquelle der US-Bevölkerung kann verloren gehen. Auch der Tourismus schwindet. Wer will schon an verseuchten Stränden baden? In den Regionen der Golfküste erbrachten diese Wirtschaftsbereiche Arbeitsplätze für alle Bevölkerungsschichten. Insgesamt stehen heute 2,85 Millionen Jobs auf dem Spiel. Das sind zehnmal so viele wie in den Förderfirmen im Golf von Mexiko.

Tourismus, kommerzielle Fischerei und Sportfischerei waren an der Golfküste wichtige Wirtschaftsmotoren. Sie brachten Einnahmen in Milliardenhöhe für lokale, staatliche und bundesstaatliche Steuerkassen. Weit mehr als diejenigen aus der Öl- und Gasbranche, argumentieren die Verfasser des Berichts.

Das Zentrum für biologische Vielfalt fordert als Konsequenz seiner Untersuchungen:

"Die extremen Fördertechniken müssen verboten werden, um unser Klima und das Leben zu schützen. Solche Praktiken noch länger zu erlauben ist mit dem nationalen Interesse an der Bewältigung der Klimakrise unvereinbar."

Klimaziele 2030 bei verstärkter Öl- und Gasförderung unerreichbar

Laut einem Bericht der UNO vom November 2019 rückt die Differenz zwischen den vereinbarten Klimazielen der Staaten und ihrer Öl- und Gasförderung einen Erfolg in weite Ferne. Demnach sind Länder wie die Vereinigten Staaten auf dem besten Weg, weitaus mehr fossile Brennstoffe zu fördern, und machen eine Begrenzung der maximalen Erderwärmung um 1,5 °C oder gar 2 °C unerreichbar. Die USA tragen als weltgrößter Öl- und Gasproduzent und drittgrößter Kohleproduzent zu dieser gefährlichen Überproduktion fossiler Brennstoffe bei. Die derzeitige Politik wird bis 2030 voraussichtlich zu einer Steigerung der Öl- und Gasproduktion um 30 Prozent führen.

Das Umweltinstitut München weist darauf hin, dass nach wissenschaftlichen Untersuchungen das Fracking die Gefahr von Erdbeben erhöht und die Luft mit klimaschädlichen Gasen belastet.

Ein internationales Forscherteam berichtete im Fachblatt Science über sich ausweitende Meereszonen mit Sauerstoffmangel.

Auch im Golf von Mexiko hat sich dieses Phänomen vor der US-Küste entwickelt, man nennt diese Bereiche auch "Todeszonen", da sich dort kein Lebewesen halten kann. Neben dem Klimawandel, der Erderwärmung und den Schadstoffabgaben der Großstädte in der Region spielt dabei die Fracking-Industrie eine zusätzlich zerstörerische Rolle.

"Sauerstoff ist für das Leben in den Ozeanen grundlegend", sagt die Wissenschaftlerin Denise Breitburg von der University of California in San Diego. "Die Abnahme des Sauerstoffs zählt zu den gravierendsten Umweltproblemen menschlicher Aktivitäten auf der Erde."

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