Nordamerika

Kanada: Mehr als 180 weitere Gräber in der Nähe einer ehemaligen katholischen Schule entdeckt

Erneut wurde in Kanada in der Nähe einer früheren katholischen Schule ein Gräberfeld entdeckt. Die Gräber werden mit einem speziellen früheren Schulsystem zum Zweck der "Umerziehung" der Ureinwohner in Verbindung gebracht. Das Thema beschäftigt das Land.
Kanada: Mehr als 180 weitere Gräber in der Nähe einer ehemaligen katholischen Schule entdecktQuelle: Reuters © Jennifer Gauthier

Laut einer in der Region ansässigen Gruppe kanadischer Ureinwohner sind 182 Gräber in der Provinz Britisch-Kolumbien gefunden worden. Das durch den Einsatz von Radargeräten entdeckte Gräberfeld befinde sich an der ehemaligen katholisch geführten St. Eugene's Mission School. Erst in der vergangenen Woche waren 751 Gräber in der Nähe einer katholischen Schule in der Provinz Saskatchewan gefunden worden. An einer anderen katholischen Schule waren bereits im Mai die Überreste von 215 Kindern kanadischer Ureinwohner entdeckt worden. Somit handelt es sich bei dem neuen Fund offenbar bereits um die dritte Entdeckung dieser Art in der Nähe von ehemaligen katholischen Schulen binnen zwei Monaten.

Die Schule – heute ein Kasino und Urlaubshotel – wurde von 1890 bis in die 1970er Jahre hinein betrieben. Der Schulbesuch war für die Kinder der Ureinwohner jedoch nicht freiwillig, sondern Teil eines Programms zur "Umerziehung" der indigenen Bevölkerung. In ganz Kanada betraf dies im Zeitraum von den 1870er Jahren bis 1997 mehr als 150.000 Kinder.

Die St. Eugene's Mission School beherbergte bis zu 100 Personen. In der Einrichtung soll es nach Informationen eines mit dem Thema befassten Geschichtszentrums auch häufig zu Ausbrüchen von Grippe, Mumps, Masern, Windpocken und Tuberkulose gekommen sein. Cynthia Desjarlais, Mitglied im Rat der Muskowekwan, beschreibt die Situation so:

"Unsere Ältesten haben geweint, unsere Leute haben geweint und wir müssen wissen, wo all diese Kinder begraben sind. Ich gehöre zur zweiten Generation dieses Schulsystems, ich habe eine solche Schule selbst besucht. Wir durften unseren Religionen nicht folgen, wir durften unsere Sprache nicht sprechen, wir durften unsere traditionellen Zeremonien nicht durchführen – oder man wurde ins Gefängnis geworfen und von da komme ich her. Und ich denke, jeder Indigene würde Ihnen sagen, dass das nicht richtig war und dass viele von uns wegen der Einführung dieses Schulsystems gestorben sind."

Zur Aufarbeitung der Geschichte des Zwangsschulsystems für die Kinder von Ureinwohnern und dessen Auswirkungen ist zwischen 2008 und 2015 eine Wahrheits- und Versöhnungskommission eingesetzt worden. Diese kam in einem Bericht zu dem Schluss, dass das System "am ehesten als 'kultureller Völkermord'" charakterisiert werden könne. Der Häuptling des Stammes am Unteren Similkameen Keith Crow meint dazu:

"Es war ein Völkermord, und wenn man es vor dem Hintergrund des erklärten Zwecks betrachtet, den Indianern das Indianische zu nehmen, uns unsere Sprache auszutreiben, uns unsere Kultur auszutreiben und dass Kinder gestorben sind, so kommt das jetzt auch alles heraus. Aber meine Antwort darauf ist: Wir sind immer noch hier, wir praktizieren unsere Sprache, wir praktizieren unsere Kultur. Also hat es uns nicht umgebracht, sondern wir kommen zurück. Jeder Indigene spürt die Auswirkungen dieses Schulsystems. Meine Großmutter war dort, mein Großvater war dort, meine Mutter musste glücklicherweise nicht dort sein, doch auch sie spürt die Auswirkungen immer noch täglich."

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