Nordamerika

Mehr als 600 nicht markierte Gräber an kanadischer Internatsschule entdeckt

In Kanada haben Angehörige der Cowessess First Nation nach eigenen Angaben ein Feld mit mehr als 600 Grabstellen untersucht. Es gehörte zu einer Internatsschule für Kinder von Ureinwohnern, die die katholische Kirche bis 1997 betrieben hatte.
Mehr als 600 nicht markierte Gräber an kanadischer Internatsschule entdecktQuelle: Reuters © Federation of Sovereign Indigenous Nations/Handout via REUTERS.

Der Stamm der Cowessess in der kanadischen Provinz Saskatchewan hat am Donnerstag mitgeteilt, mehr als 600 nicht markierte Gräber entdeckt zu haben. Die Anzahl der Funde betrage 751, doch wegen der Schwierigkeit bei der Untersuchung des Erdbodens könne diese Anzahl noch nicht bestätigt werden.

Die Gräber liegen auf dem Gelände einer ehemaligen Internatsschule bei Grayson im Südosten der Provinz. Der Bund Souveräner Indigener First Nations (FSIN) in Kanada erklärte, bei dem entdeckten Gräberfeld handelt es sich um die bedeutendste Entdeckung für die Aufklärung der Geschehnisse an Internatsschulen für Kinder von Ureinwohnern. Die Marieval Indian Residential School wurde von 1899 bis 1997 von der katholischen Kirche betrieben, wie der TV-Sender CBC berichtet.  

Das Gräberfeld befindet sich zum Teil auf einem ehemaligen Friedhof. Darauf stehen Grabstellen mit christlichen Kreuzen, andere sind auf eine Weise markiert, die auf die Ureinwohner schließen lässt. Die Untersuchung des Feldes begann Anfang Juni, nachdem in British Columbia an der Kamloops Indian Residential School die Gräber von 215 Kindern entdeckt worden waren.

Chief Cadmus Delorme sagte auf einer Pressekonferenz am Donnerstag, dass ein Teil der Grabstellen bis 1960 möglicherweise markiert war. Da ein großer Teil der Gräber außerhalb der Friedhofsmarkierung liegt, handelt es sich bei ihnen mit hoher Wahrscheinlichkeit um Gräber von Kindern. Er sprach von Rassismus im Erziehungswesen Kanadas. "Wir freuen uns über jede Kooperation mit Kanada. Worüber wir uns nicht freuen, ist die Abwertung unseres Lebens in der Reservation." Ausdrücklich sprach der Chief das Land Kanada und die Welt aus der Perspektive der First Nation der Cowessess an.

FSIN-Botschafter Perry Bellegarde sagte, die Entdeckung der Gräber sei tragisch, doch nicht überraschend. "Ich fordere von Kanada, in dieser schwierigen Zeit an der Seite unserer First Nations zu stehen."

Gegenüber CBC erklärte Chief Wayne Semaganis von der benachbarten Little Pine First Nation in Saskatchewan: "Noch heute ist die Einstellung in der Öffentlichkeit vorherrschend, es wäre Geschichte, es wäre Vergangenheit. Doch das ist es nicht! Es geht weiter, heute. Diese Kinder wurden ermordet! Denn wären sie eines Unfall- oder natürlichen Todes gestorben, wäre jemand darauf aufmerksam geworden."

Weiter beklagte Semaganis: "Eine zu große Mehrheit in Kanada versteht noch immer nicht unseren Schmerz."

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