Nordamerika

Ex-US-Geheimdienstchef: China klaute private Daten von 80 Prozent aller erwachsenen US-Amerikaner

Der Präsident in den USA ist ein anderer – das Feindbild China bleibt indes das alte. In einem Interview mit dem "CBS"-Magazin "60 Minutes" zeichnet der Ex-Chef der US-Spionageabwehr ein bedrohliches China-Szenario, wie es Hollywood nicht dramatischer hinkriegen würde.
Ex-US-Geheimdienstchef: China klaute private Daten von 80 Prozent aller erwachsenen US-AmerikanerQuelle: AFP © Win McNamee

In einem Interview mit der CBS-Sendung 60 Minutes entwirft der ehemalige, seinerzeit von Präsident Donald Trump vorgeschlagene, Ex-Chef der US-Spionageabwehr, William Evanina, ein Bedrohungsszenario durch China, das jedem Science-Fiction-Drehbuch aus Hollywood zur Ehre gereichen würde.

Die chinesische Regierung habe die persönlichen Daten von nicht weniger als 80 Prozent aller erwachsenen US-Amerikanischer geklaut, so Evanina in der Sendung. Auf die Frage des CBS-Journalisten Jon Wertheim, wie hoch die Wahrscheinlichkeit sei, dass er und Evanina von "China gehackt worden seien", antwortete Evanina mit "110 Prozent".

Dabei ging es in der Sendung zunächst um ein viel größeres Thema – die mögliche Abhängigkeit des US-Gesundheitssystems von China, respektive, chinesischen Unternehmen. Analog zu der Diskussion in der 5G-Technologie sieht Evanina, und der ebenfalls in die Sendung eingeladene leitende FBI-Agent Edward You, in den Bemühungen von chinesischen Unternehmen in dem US-Markt Fuß zu fassen, eine Art "Trojanisches Pferd".

Der offizielle Titel von You beim FBI ist "Leitender Spezial Agent in der Abteilung für Massenvernichtungswaffen des FBI
Direktorats, Einheit für biologische Gegenmaßnahmen". Laut den beiden US-Beamten geht es China vor allem darum, an die DNA von US-Bürgen zu kommen und so zum Beispiel maßgeschneiderte Medikamente und Behandlungen anbieten zu können. Dazu You:

"Was passiert, wenn wir erkennen, dass alle unsere zukünftigen Medikamente, unsere zukünftigen Impfstoffe, unsere zukünftige Gesundheitsversorgung komplett von einer ausländischen Quelle abhängig sind? Wenn wir nicht aufwachen, werden wir eines Tages feststellen, dass wir gerade zu Crack-Süchtigen im Gesundheitswesen geworden sind und jemand wie China unser Dealer geworden ist."

Die beiden Beamten führen ein Beispiel an, dass belegen soll, wie China versuche, an die DNA der US-Amerikaner zu kommen. So habe die chinesische Firma BGI Group zu Beginn der Corona-Krise in den USA Washington und fünf weiteren Bundesstaaten angeboten, hochmoderne Coronavirus-Testlabore zu bauen und zu betreiben. Die chinesische Firma habe auch versprochen, "technisches Know-how, so zum Beispiel Hochdurchsatz-Sequenzierung zur Verfügung zu stellen", und sogar "Spenden an die Staaten" zu tätigen.

"Ruchlose Denkweise Chinas"

Doch hinter dem Angebot der Firma verberge sich in Wahrheit der chinesische Staat, so Evanina. Es handle sich bei der BGI Group um "die ultimative Firma, die Verbindungen sowohl zum kommunistischen Staat als auch zum Militärapparat aufweise". BGI komme in die USA mit Geschenken, habe aber ganz andere Motive. Die Firma sei ein "ein Weg, um Fuß zu fassen, ihre Ausrüstung hierher zu bringen, mit dem Mining Ihrer Daten zu beginnen und sich in Ihrer Nachbarschaft niederzulassen."

Er sei wegen des Angebots so besorgt gewesen, so Evanina, dass er noch während seiner Amtszeit eine seltene öffentliche Warnung autorisiert habe: "Ausländische Mächte können biometrische Informationen aus COVID-19-Tests sammeln, speichern und ausnutzen." Sein Verdacht: Von verschiedenen Technologien gesammelte Informationen könnten, wenn sie mit den Biodaten einer Person kombiniert würden, dazu verwendet werden, Ärzte in den USA zu umgehen und chinesischen Unternehmen zu helfen, ein Monopol auf Behandlungen und Medikamente zu schaffen. China wende schon jetzt "weniger als ehrenhafte" Methoden an, um an Daten aus dem Ausland zu kommen, einschließlich des Hackens von Gesundheitsunternehmen, um persönliche Daten der US-Amerikaner zu sammeln, so der Ex-Geheimdienstler.

Die Angebote der chinesischen Firma BGI zeigten lediglich "die ruchlose Denkweise der Kommunistischen Partei Chinas, die eine weltweite Krise wie COVID auszunutzen wolle". Wer im Laufe der CBS-Sendung indes auf eine Frage des Journalisten Wertheim gehofft hatte, ob es denn Belege für diese Unterstellungen gäbe, und wenn ja, welche, wurde enttäuscht. So bleibt es trotz dem Wechsel im Weißen Haus offenbar bei derselben Strategie gegenüber dem Reich der Mitte.

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