Nordamerika

"Unamerikanisches Verhalten": Streit um Impfung von mutmaßlichen Terroristen

US-Politiker und Rettungshelfer, die bei den Terroranschlägen vom 11. Septembers 2001 im Einsatz waren, sind aufgebracht: Die Biden-Regierung wollte die Corona-Schutzimpfung von Insassen des berüchtigten Gefängnisses auf Guantanamo erlauben – darunter auch der mutmaßliche Drahtzieher der Anschläge.
"Unamerikanisches Verhalten": Streit um Impfung von mutmaßlichen TerroristenQuelle: www.globallookpress.com © Red Cross

Chalid Scheich Mohammed sitzt im berüchtigten Gefangenenlager Guantanamo in der Bahía de Guantánamo auf Kuba ein. Der Al-Qaida-Terrorist gilt als Drahtzieher der Anschläge vom 11. September 2001 ("9/11"). Am Freitag unterzeichnete das Pentagon eine Erlaubnis, auch die Gefangenen von Guantanamo gegen das Coronavirus zu impfen. Insgesamt 40 Gefangene (Stand: Mai 2018) sind in den Lagern Camp Iguana und Camp Delta von Guantanamo inhaftiert.

Die Impfmaßnahme sollte die gerichtlichen Prozesse gegen die Gefangenen beschleunigen. Immer wieder gab es Berichte über Folter und Misshandlungen. Ob es Coronavirus-Fälle in dem Hochsicherheitslager gibt, ist nicht klar. 

Der neue US-Präsident Joe Biden ist erst ein paar Tage im Amt und erhält bereits Gegenwind – auch von Einsatzkräften, die bei den 9/11-Anschlägen im Einsatz waren. Sie nehmen Anstoß daran, dass Chalid Scheich Mohammed noch vor US-Bürgern geimpft werden soll, die die Schutzimpfung dringend benötigten. 

Der Staatsanwalt Clayton Trivett Jr., der das Verfahren gegen fünf der Al-Qaida-Terroristen leitet, teilte deren Anwälten am Donnerstag mit: 

"Ein Beamter des Pentagon hat gerade erst ein Memorandum unterzeichnet, COVID-19-Impfstoffe an die Gefangenen in Guantanamo zu liefern."

Die Inhaftierten müssen sich wegen Kriegsverbrechen, Terrorismus und des Mordes an fast 3.000 Menschen verantworten. Bei einem Schuldspruch droht ihnen die Todesstrafe. Bei den Terroranschlägen vom 11. September 2001 wurden rund 3.000 Menschen getötet. Terroristen entführten vier Flugzeuge und verübten damit Selbstmordattentate. Zwei von ihnen wurden in die Türme des World Trade Centers gelenkt, eines traf das Pentagon. Das vierte Flugzeug hatte wohl ein weiteres Regierungsgebäude zum Ziel, stürzte aber zuvor auf einem Feld bei Shanksville im Bundestaat Pennsylvania ab. 

Die damaligen Helfer waren zum Zeitpunkt des Anschlags durchschnittlich 38 Jahre alt. Heute sind sie noch zu jung, um bei den Impfungen vorgezogen zu werden. Städte wie New York warnen vor einer Knappheit des Vakzins. Dort fielen beispielsweise die Termine für die Impfungen von Lehrern aus. 

Umso größer ist ihre Wut darüber, dass die für 9/11 verantwortlich gemachten Personen vor ihnen eine Corona-Schutzimpfung erhalten sollen. Der ehemalige Feuerwehrchef von New York Thomas Von Essen ist vom Schritt der Biden-Regierung entsetzt: 

"Das kann man sich nicht ausdenken. Die Lächerlichkeit dessen, was unsere Regierung uns bietet. Sie werden den Impfstoff an diesen Abschaum in Guantanamo verteilen, bevor jeder Bewohner der Vereinigten Staaten von Amerika ihn bekommt, es ist ein absurdes Theater."

Diese Ansicht teilt auch John Feal, der damals mit seinem Team auf dem sogenannten Ground Zero die Überreste des World Trade Centers abtrug: 

"Das ist das Lächerlichste, was ich je gehört habe. Es ist eine Beleidigung für die Menschen, die in die Türme gerannt sind (um zu helfen) und getötet wurden, und für diejenigen, die monatelange auf dem Haufen (der Überreste des Gebäudes) gearbeitet haben und krank sind."

Die republikanische Vertreterin des 21. Distrikts New Yorks im Repräsentantenhaus, Elise Stefanik, spricht von einem "unamerikanischen Verhalten" der Biden-Regierung, da diese verurteilte Terroristen noch vor den Senioren und Veteranen der USA impfe. Auch zwei Attentäter der Anschläge auf einen Nachtclub auf der Insel Bali im Jahr 2002 sollen vorzeitig geimpft werden. 

Die landesweite Aufregung hat nun dafür gesorgt, dass das US-Verteidigungsministerium diese Pläne vorerst auf Eis gestellt hat. Am Samstagabend erklärte Pentagon-Sprecher John Kirby:

"Keine Guantanamo-Insassen wurden geimpft. Wir pausieren mit dem Plan (mit den Impfungen/Anm.) voranzukommen, während wir die Protokolle zum Schutz der Streitkräfte überprüfen. Wir bleiben unser Pflicht verpflichtet, unsere Truppen zu schützen."

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