Nordamerika

Beispiellose Armutspandemie in den USA: Jeder sechste US-Amerikaner "von Hunger bedroht"

Die Corona-Medizin dürfe nicht schlimmer sein als die Krankheit, warnte der Chef des Welternährungsprogramms vor einiger Zeit. Doch die aktuelle Entwicklung scheint diese Befürchtung zu bestätigen. Dies lässt sich auch an den dramatischen Zahlen aus den USA ablesen.
Beispiellose Armutspandemie in den USA: Jeder sechste US-Amerikaner "von Hunger bedroht"Quelle: www.globallookpress.com

Der Leiter des Welternährungsprogramms (WFP) schlägt Alarm. Nach Angaben von David Beasley verdoppelte sich weltweit die Zahl der Menschen, die aufgrund der wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise von Hunger bedroht sind.

Der WFP-Direktor, der zuvor gewarnt hatte, dass die "Medizin" gegen die COVID-19-Pandemie nicht schlimmer sein dürfe als die "Krankheit", erklärte vor wenigen Tagen vor der Generalversammlung der Vereinten Nationen, dass infolge der wirtschaftlichen Corona-Auswirkungen nun 270 Millionen Menschen "in Richtung Hungertod marschieren".

"Wie ich bereits im April vor dem Sicherheitsrat der Vereinten Nationen gewarnt hatte, könnte, wenn wir nicht aufpassen, die Medizin wegen des wirtschaftlichen Dominoeffekts schlimmer sein als die Krankheit – wenn wir nicht mit wirtschaftlichen Turbulenzen, Versorgungsproblemen usw. usw. angehen", erklärte Beasley.

Die Situation sei bereits vor der postulierten COVID-19-Pandemie dramatisch gewesen, fuhr Beasley fort.

"Wie wir bereits im April vorhergesagt hatten, war die Zahl der Menschen, die in Richtung Hungertod marschieren, in den letzten vier Jahren bereits von 80 Millionen auf 135 Millionen gestiegen, hauptsächlich wegen des von Menschen verursachten Konflikte.

Doch die wirtschaftlichen Auswirkungen der Corona-Krise hätten alles noch wesentlich schlimmer gemacht:

"Aber wegen COVID ist die Zahl der Menschen, die jetzt nicht hungrig zu Bett gehen, sondern buchstäblich Richtung Hungertod marschieren, von 135 Millionen auf 270 Millionen angestiegen", fuhr der WFP-Direktor fort.

Und längst lässt die Corona-Krise auch das Wirtschaftssystem im globalen Norden auf dramatische Weise erodieren, mit katastrophalen sozialen Konsequenzen und COVID-19 als Brandbeschleuniger. So etwa in den Vereinigten Staaten.

"Bis zum Ende dieses Jahres könnten mehr als 50 Millionen Menschen von Hunger bedroht sein", stellt die US-Organisation Feeding America fest.

Von den Betroffenen seien etwa 17 Millionen Kinder.

Damit sei einer von sechs erwachsenen US-Amerikanern und eines von vier Kindern in den Vereinigten Staaten von Hunger bedroht. Schon 2019 hätten 35 Millionen US-Bürger "mit Hunger zu kämpfen" gehabt, heißt es weiter. Längst wird international von einer beispiellosen Hungerkrise gesprochen, die von den USA Besitz ergriffen habe.

"Es gibt 22 Millionen Kinder, die schon vor dieser Pandemie auf kostenloses und reduziertes Mittagessen angewiesen waren. Wenn man hört, dass Schulen geschlossen sind, bedeutet das nicht nur, dass es Herausforderungen für Kinder in der Ausbildung gibt, sondern es bedeutet auch verlorene Mahlzeiten", erklärte Claire Babineaux-Fontenot, Direktorin von Feeding America.

Mehr Menschen als je zuvor sind laut der US-Organisation auf Lebensmitteltafeln angewiesen. Von März bis Juni traten demzufolge vier von zehn Personen zum ersten Mal den Gang zur Tafel an. Dies hänge mit Arbeitsplatzverlust bzw. Arbeitszeitkürzungen im Zuge der Corona-Krise zusammen.

"Mehr als 80 Prozent, d.h. vier von fünf Tafeln, versorgen heute mehr Menschen als noch vor einem Jahr", klärt Feeding America auf.

Daten der University of California in Santa Cruz zufolge wurden in den USA zwischen Februar und September mehr als 316.000 Geschäfte aufgegeben, was 1.500 Schließungen pro Tag entspricht.

Seitdem hat sich die Situation weiter verschärft, und längst scheint die Warnung von WFP-Direktor Beasley vor einer "Medizin", die wesentlich gefährlicher sei als die "Krankheit", bitterer Alltag zu sein.

Mit Blick auf die nächsten vier Wochen berichten US-Medien, 56 Prozent der Haushalte mit Kindern seien "nicht sehr zuversichtlich", dass sie ihren Lebensmittelbedarf werden decken können. Neun Prozent gaben an, "überhaupt nicht zuversichtlich" zu sein.

Einer von acht US-Amerikanern gab an, in der vergangenen Woche manchmal oder oft nicht genug zu essen gehabt zu haben – ein Anstieg, der um ein Mehrfaches höher war als die am ehesten vergleichbare Zahl vor der Pandemie. Dies geht etwa aus dem Ende Oktober und Anfang November erhobenen Umfragedaten des Census Bureau hervor. "Diese Zahl stieg seither auf mehr als einen von sechs Erwachsenen in Haushalten mit Kindern", war wiederum bei der Washington Times zu lesen.

Derweil zeigte sich der Direktor des Welternährungsprogramms alles andere als zuversichtlich, was das kommende Jahr anbelangt.

"Basierend auf dem, was wir in dieser Phase des Spiels sehen, wird es katastrophal sein", ist Beasley überzeugt.

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