Nordamerika

Reiche New Yorker bezahlen andere für das Schlangestehen zum Corona-Test

Während der US-amerikanische Thanksgiving-Feiertag näher rückt, kämpfen zahlreiche New Yorker mit leeren Einkaufswagen bei einer Hungerhilfsorganisation um ein festliches Essen. Doch auch für COVID-19-Tests ist Anstehen angesagt – manche lassen andere für sich Schlange stehen.
Reiche New Yorker bezahlen andere für das Schlangestehen zum Corona-TestQuelle: Reuters © Reuters / Mike Segar

Eine ganz neue Art "Freier Mitarbeiter" wächst in New York durch die Notwendigkeit, stundenlang Schlange zu stehen, um sich einem COVID-19 Test unterziehen zu können. Da die finanzielle Ungleichheit hinreichend ausgeprägt ist, kaufen jene, die es sich leisten können, Erleichterung für diese Unannehmlichkeit, indem andere das für Geld durchstehen.

Kein Homeoffice zwar, aber mit vergleichsweise hohem Stundenlohn können sich Menschen jeglichen beruflichen Hintergrundes in New York somit "freiberuflich als Schlangesteher" betätigen. Auf Plattformen für Freiberufler, wie TaskRabbit werden nach Medienberichten bis zu 80 US-Dollar pro Stunde für diese "Dienstleistung" gefordert.

Demnach verdingen sich beispielsweise Autoren, die derzeit ansonsten keine Einnahmen haben, mit dem Schlangestehen und erhalten sogar vermehrt Anfragen, insbesondere vor dem Thanksgiving-Fest. Obwohl den New Yorkern angeraten wurde, in diesem Jahr notfalls darauf zu verzichten, außerhalb des unmittelbaren Familien- oder Freundeskreises zu feiern, bemühen sich offenbar viele von ihnen, durch einen Test eine Art "Freifahrtschein" für uneingeschränkte Reisen und Familienbesuche zu erhalten.

Im Vorfeld des Thanksgiving-Festes gebe es bei einigen Praxen in New York etwa sechsstündige Warteschlangen, wie The Independent berichtet. Bürgermeister Bill de Blasio schloss kürzlich alle Schulen und nannte als Grund dafür die Positivitätsrate von drei Prozent. Auch Fitnesscenter und Indoor-Restaurants sollten in der Metropole voraussichtlich bald schließen.

Laut der New York Post äußerten sich einige "Schlangesteher" dennoch sogar eher positiv, da die mittellosen "Freiberufler" mitunter sonst ganz andere Dienste anbieten, etwa beispielsweise für Familien reicher Geschäftsleute den Weihnachtsmann zu spielen. Während des Schlangestehens sei es immerhin möglich, sich selbst in relativer Sicherheit mit Abstand zu anderen aufzuhalten und dabei sogar private Telefonate zu führen, wie eine "Schlangesteherin" zitiert wurde.

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