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Trumps Kündigung des INF-Vertrags und der Nutzen der Russen – oder: Die Logik von Spiegel Online

Da kenne sich einer aus: Donald Trump kündigt den INF-Vertrag – nützen tut das jedoch, laut Spiegel Online, vor allem den Russen! Die aber haben das noch nicht kapiert und wollen gar nicht aus dem Vertrag raus. Gab ihnen John Bolton Nachhilfeunterricht?
Trumps Kündigung des INF-Vertrags und der Nutzen der Russen – oder: Die Logik von Spiegel OnlineQuelle: www.globallookpress.com © Global Look Press

von Leo Ensel

Schauen Sie sich mal den Screenshot der Spiegel Online-Titelseite vom Dienstagnachmittag an! Fällt Ihnen etwas auf?

Treffender kann man die Berichterstattung in den Mainstream-Medien zu Trumps Kündigung des INF-Vertrages nicht auf den Begriff bringen! Man lasse sich das auf der Zunge zergehen: Die USA kündigen, erste Nachricht, einseitig einen der letzten Abrüstungsverträge – ausgerechnet den für uns Europäer wichtigsten – und nützen tut das natürlich wieder Russland! (Fehlt nur noch die Behauptung, die Russen hätten den amerikanischen Wahlkampf zugunsten Trumps nur unter der Bedingung manipuliert, dass er anschließend den INF-Vertrag kündige.)

Dass, zweitens, die unmittelbar darauf folgende Nachricht das Gegenteil meldet, dass nämlich Russland, dem der Ausstieg doch angeblich nützen soll, nicht nur gar nicht aus diesem Vertrag aussteigen will, sondern die USA auch noch vor eben diesem Schritt warnt, scheint bei Spiegel Online offenbar niemanden zu kümmern!

Auf Logik kommt es nicht an. Entweder glaubt man den Leser bereits dumm genug, dass er diese Diskrepanz gar nicht bemerkt oder beim Qualitätsmedium beherrscht man selbst schon nicht mehr die Grundsätze der Logik.

Oder sollten die Russen etwa selber noch gar nicht kapiert haben, dass Trump, die heilige Mutter Theresia von Washington, das alles wieder nur zum Besten Russlands getan hat? Fragen über Fragen! 

Einen kleinen Hinweis zur Lösung des Rätsels gab noch am selben Abend Qualitätsjournalistin Christina Hebel:

Sollten die USA den Vertrag nun wirklich kündigen, wäre Moskau nicht mehr an dessen Restriktionen gebunden, könnte also offen seine Mittelstreckenraketen stationieren – und wäre politisch nicht einmal dafür verantwortlich: Das wäre Trump.

Der, so wäre zu ergänzen, jesusgleich die Sünden der ganzen Welt auf sich nimmt. 

Hoffen wir, dass Trumps Sicherheitsberater John Bolton Anfang der Woche Präsident Putin davon überzeugen konnte, dass diese Kündigung in Wirklichkeit nichts anderes ist als eine Win-Win-Situation: 

Für Russland, die USA, Europa und für die ganze Welt!

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