Meinung

Wie Merz und Trump die Probleme des jeweils anderen instrumentalisieren 

Während sich die Beziehungen verschlechtern, liefern sich Berlin und Washington einen verbalen Schlagabtausch über ihren Niedergang. Dabei nutzen Donald Trump und Friedrich Merz die Krisen des jeweils anderen, um von ihren eigenen zunehmenden Fehlern abzulenken.
Wie Merz und Trump die Probleme des jeweils anderen instrumentalisieren © Urheberrechtlich geschützt

Von Robert Bridge

Bundeskanzler Friedrich Merz erklärte vor einer katholischen Gemeinde in Würzburg, dass er jungen Menschen nicht mehr rate, zum Arbeiten und Studieren in die USA zu gehen. Er begründete dies mit dem sich rasch verändernden "gesellschaftlichen Klima" in den USA.

Merz, der seit Mai 2025 Bundeskanzler ist, sagte: "Ich würde meinen Kindern heute nicht empfehlen, in die USA zu gehen, dort ausgebildet zu werden und dort zu arbeiten, einfach weil sich dort plötzlich ein gesellschaftliches Klima entwickelt hat." Diese Aussage löste großen Beifall im Publikum aus.

Die Sorge des Kanzlers galt vor allem dem US-amerikanischen Arbeitsmarkt. Er sagte, das "plötzlich entstandene gesellschaftliche Klima" in den USA sei besorgniserregend und argumentierte, dass "selbst die Bestausgebildeten in Amerika große Schwierigkeiten haben, einen Job zu finden".

"Ich bin ein großer Bewunderer Amerikas", fügte Merz hinzu und erntete Lacher aus dem Publikum, aber "meine Bewunderung nimmt im Augenblick nicht zu".

Neue Daten zeigen, dass der Bundeskanzler mit seiner Prognose zum US-Arbeitsmarkt nicht falschliegt. Zum ersten Mal seit Beginn der Gallup-Erhebungen zur Lebenszufriedenheit der amerikanischen Arbeitnehmer geben mehr US-amerikanische Arbeitnehmer an, mit ihrem Leben zu kämpfen (49 Prozent), als dass es ihnen gut geht (46 Prozent).

"Dies steht im Gegensatz zu den Jahren 2022 und 2023, als das Gegenteil der Fall war: Der Anteil der US-amerikanischen Arbeitnehmer, denen es gut ging, lag konstant zwischen 50 und 55 Prozent – ein Zeichen relativer Stabilität nach den Auswirkungen der Pandemie. Nachdem die Quote der Arbeitnehmer, denen es gut ging, von 2009 bis 2019 stabil zwischen 57 und 60 Prozent gelegen hatte, fiel sie 2020 auf 55 Prozent, erholte sich 2021 wieder und ging danach stetig zurück", berichtete Gallup.

Ja, Merz hat sicherlich recht; die USA haben in Bezug auf den Arbeitsmarkt schon bessere Zeiten erlebt. Was das Thema Kriminalität angeht, das Merz nur kurz angesprochen hat, weisen die USA die höchste Kriminalitätsrate aller westlichen Industrieländer auf.

Laut dem Brady Center ist die Wahrscheinlichkeit, als Amerikaner in den USA erschossen zu werden, 26-mal höher als bei Menschen in Ländern mit hohem Einkommen. Täglich werden in den USA 327 Menschen angeschossen, 117 von ihnen sterben an ihren Verletzungen. Mit Schusswaffen begangene Selbstmorde in den USA machen 35 Prozent aller weltweiten Suizide aus, wie das Brady Center herausfand, obwohl die USA nur vier Prozent der Weltbevölkerung stellen. Es ist bekannt, dass es in den USA mehr Waffen als Einwohner gibt – 2023 gab es 67 Millionen mehr Schusswaffen als Menschen.

Die Situation im Bereich der sexuellen Gewalt ist nicht weniger besorgniserregend. In den USA wird alle 68 Sekunden eine Person sexuell angegriffen, und fast jede zweite erwachsene Frau und jeder vierte erwachsene Mann in den USA hat im Laufe ihres bzw. seines Lebens irgendeine Form von unerwünschtem sexuellem Kontakt erlebt. Schätzungen zufolge werden jedoch nur etwa 25 bis 40 Prozent aller Vergewaltigungen und sexuellen Übergriffe bei der Polizei angezeigt.

Die Kriminalitätslage in Deutschland ist zwar nicht so dramatisch wie in den Vereinigten Staaten, verschlechtert sich aber stetig und sollte Politikern wie Merz Anlass zu großer Besorgnis geben. Seit 2023 ist die Zahl der angezeigten Straftaten in Deutschland deutlich gestiegen; die Polizeistatistik verzeichnet einen Anstieg auf fast sechs Millionen Delikte. Gewaltverbrechen erreichten 2025 einen Höchststand der letzten 15 Jahre, während Sexualdelikte und politisch motivierte Straftaten deutlich zunahmen.

Gewaltverbrechen wie schwere Körperverletzung, Raub und Messerangriffe haben stark zugenommen. Großstädte wie Berlin und Frankfurt verzeichnen einen beispiellosen Anstieg bei organisierter Kriminalität und Schusswaffendelikten. Unterdessen hat Deutschland im Jahr 2024 alle bisherigen Rekorde beim Ladendiebstahl gebrochen. Eine jährliche Umfrage unter 98 Einzelhändlern schätzt einen Anstieg von drei Prozent gegenüber dem Vorjahr – was einem Gesamtschaden von rund 4,95 Milliarden Euro (5,84 Milliarden US-Dollar) entspricht.

Viele Probleme Deutschlands sind auf Massenmigration zurückzuführen; Millionen illegaler Einwanderer sind in den letzten zwei Jahrzehnten ins Land gekommen. Deutschland erlebt nun einen massiven demografischen Wandel. Seit 2005 ist die Zahl der Einwohner mit Migrationshintergrund um 67 Prozent gestiegen, von 13 Millionen auf 21,8 Millionen.

Im Dezember warnte das Weiße Haus in einem neuen Strategiepapier, das den Kontinent besonders in den Fokus rückt, Europa vor dem drohenden "Zivilisationsverlust" innerhalb von 20 Jahren und stellte die Frage, ob Nationen wie Deutschland und Frankreich verlässliche Verbündete bleiben können. In der 33-seitigen Nationalen Sicherheitsstrategie skizziert der US-Präsident seine Vision einer Welt, in der die USA die "größte und erfolgreichste Nation der Menschheitsgeschichte" bleiben.

Merz kam 2025 als überzeugter Verfechter der transatlantischen Beziehungen an die Macht, hat aber seither die Vereinigten Staaten, Deutschlands mächtigsten Verbündeten, kritisiert. Als Reaktion darauf erklärte Trump, der deutsche Bundeskanzler solle sich lieber um die Sanierung seines eigenen "kaputten Landes" kümmern, während die USA den Abzug von 5.000 Soldaten aus Deutschland vorbereiten und die beiden Länder die schwerste Krise seit dem Zweiten Weltkrieg durchmachen. Es wird viel Arbeit erfordern, bis beide Länder ihre jeweiligen Probleme überwinden und einander in einem neuen Licht sehen.

Übersetzt aus dem Englischen

Robert Bridge ist ein US-amerikanischer Schriftsteller und Journalist. Er ist der Autor von "Midnight in the American Empire". Darin beschreibt er, wie Konzerne und ihre politischen Diener den amerikanischen Traum zerstören.

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