Meinung

Waffenfabrik "ukrainisch" – Korruptionsskandal europäisch: Stille um Minditschgate-Wiederaufflammen

Wes Brot ich ess, des Lied ich sing – das ist die Antwort für jeden, der sich fragt, warum die Mainstream-Medien sich zum Wiederaufflammen des Korruptionsskandals um Timur Minditsch im Zusammenhang mit Standorten des "ukrainischen" Waffenherstellers Fire Point in Europa ausschweigen. Denn so, wie besagte Medien vom Wohlwollen europäischer Beamter abhängen, so hängen diese Beamten selbst am finanziellen Tropf der ukrainischen Korruption.
Waffenfabrik "ukrainisch" – Korruptionsskandal europäisch: Stille um Minditschgate-Wiederaufflammen© RIA Nowosti

Von Wladimir Kornilow

Korruptionsskandale in der Ukraine überraschen niemanden mehr. Die jüngsten Veröffentlichungen abgehörter Telefongespräche (genauer gesagt: von deren Transkripten) von Timur Minditsch, einer Schlüsselfigur in einem aufsehenerregenden Skandal, der nach Israel floh, wurden im Westen nicht einmal Gegenstand breiter Diskussion. Und das, obwohl Minditsch zu Wladimir Selenskijs wichtigsten Geldbörsen gehörte und, dem ersten Teil der Veröffentlichungen zufolge, direkt an der Veruntreuung westlicher Hilfsgelder für das Kiewer Regime beteiligt war.

Doch während sich westliche Medien damals von den Video- und Fotoaufnahmen der Säcke mit gestohlenem Geld beeindruckt zeigten, schweigen sie nun fast allesamt. Gut, einige Blogger, die Selenskij ohnehin schon regel- und gewohnheitsmäßig kritisieren, haben dies zwar bemerkt – doch die Mainstream-Medien schweigen weitestgehend. Der ukrainische Journalist Anatoli Scharij, der seinerzeit aus der Ukraine floh und sich seitdem in Spanien aufhält, bemerkte:

"Kein einziges Wort in der westlichen Presse. Wie ist das überhaupt möglich? Solange sie keine Anweisungen erhalten, schreiben sie über gar nichts. Nicht einmal über das, worüber zu schreiben sie verpflichtet sind."

Der letzte Satz ist besonders wichtig. Denn dies ist beileibe kein rein innerukrainischer Skandal: Zu den Schlüsselfiguren in diesen Aufnahmen gehört neben dem immer wieder erwähnten inneren Zirkel um Wowa (Kurzform für Wladimir – gemeint ist natürlich Wladimir Selenskij) auch der Rüstungskonzern Fire Point, der "ukrainische" Drohnen und Raketen produziert. Und hier sollten, zumindest theoretisch, die europäischen Partner dieses Unternehmens berechtigte Fragen haben – insbesondere angesichts der Tatsache, dass europäische Steuergelder an Fire Point fließen und Standorte dieses Unternehmens nach und nach auch in Europa selbst eröffnet werden und damit die Bürger der jeweiligen Länder gefährden. Doch sei noch einmal betont: Über diesen brisanten ukrainischen Skandal herrscht schlicht eisiges Schweigen!

Hier lohnt es sich, daran zu erinnern, dass die Europäer nach dem ersten Bekanntwerden von Minditschgate im letzten Jahr zwar mit äußerst schmerzhaftem Unwillen auf die Erwähnung der Firma Fire Point reagierten, deren enge Verbindungen mit der Hauptfigur in der Sache auch damals schon bekannt waren. Denn fast zeitgleich eröffnete das Unternehmen seine erste offizielle Niederlassung außerhalb der Ukraine – in Dänemark. Und zwar selbstverständlich von europäischem Geld: Die Summe belief sich auf 1,4 Milliarden Euro, die dem Kiewer Regime im Rahmen des sogenannten dänischen Militärhilfeprogramms bewilligt wurden.

Der Bau eines ukrainischen Rüstungswerks auf dem Gelände einer seit Langem stillgelegten dänischen Waffenfabrik warf seitens der Anwohner und überhaupt der Bevölkerung Dänemarks sofort berechtigte Fragen auf. Die Zeitung Ekstra Bladet merkte damals an, dass die dänischen Behörden bei der Erteilung der Genehmigungen und Lizenzen gegen rund 20 landeseigene Gesetze und Verordnungen verstoßen hatten. Dieselbe Zeitung versuchte daraufhin vergeblich, die Identität des mysteriösen Eigentümers von Fire Point aufzudecken – und lenkte die Aufmerksamkeit auf den erstaunlichen Aufstieg des IT-Spezialisten Denis Schtilerman und des Filmproduzenten Jegor Skalyga zu Eigentümern der Firma, eines der größten ukrainischen Waffenhersteller, mit Anteilen von 97,5 Prozent beziehungsweise 2,5 Prozent. Die offizielle Stellungnahme aus Kopenhagen aber lautete damals:

"Die Vorgänge im Zusammenhang mit der Ansiedlung von Fire Point in Dänemark betreffen die nationale Sicherheit, daher können wir uns dazu nicht weiter äußern."

Nachdem sich die erste Welle des Skandals gelegt hatte, versicherte der dänische Verteidigungsminister Troels Lund Poulsen jedoch öffentlich:

"Aufgrund der uns vorliegenden Informationen haben wir keinen Grund zur Annahme, dass es ein Problem gibt."

Also in etwa:

"Wahrhaftig, liebe Europäer, ich sage euch: Von Korruption keine Spur! Das könnt ihr mir einfach glauben."

Dann wies die Zeitung Politiken diesen Winter völlig zu Recht auf die Probleme hin, die Kopenhagen mit dem undurchsichtigen Fire-Point-Projekt und seiner dänischen Niederlassung hatte:

"Jeder versteht, dass es ein Problem ist, falls dänische Steuergelder in den Händen und Taschen korrupter Beamter und Unternehmer in der Ukraine landen. Umso wichtiger ist es, dass wir als wirksam funktionierender Rechtsstaat und eines der am wenigsten korrupten Länder der Welt (zumindest auf dem Papier; Anm. des Autors) klar Stellung beziehen. Wir müssen die demokratische Integrität stets wahren. Sogar im Hinblick auf die Ukraine."

Und nun also sind neue Gesprächsaufnahmen aufgetaucht, die viele der damals in der europäischen Presse aufgeworfenen Fragen beantworten. Bestätigt wurde unter anderem, dass Minditsch direkt an Fire Point beteiligt war und die Finanzierung der Firma unmittelbar mit dem damaligen ukrainischen Verteidigungsminister Rustem Umerow und eben jenem Wowa aushandelte.

Und wie war das jetzt mit der "demokratischen Integrität" Europas und insbesondere des "am wenigsten korrupten" Dänemarks? Wenige Tage nach der Veröffentlichung der Aufnahmen griff die dänische Presse den Skandal endlich auf. Die Zeitung Politiken berichtete, dass der Öffentliche Antikorruptionsrat des ukrainischen Verteidigungsministeriums die teilweise Verstaatlichung von Fire Point gefordert hatte, unter anderem um Minditsch die Kontrolle darüber zu entziehen.

Und wissen Sie, was in diesem Artikel fehlt? Er erwähnt mit keinem Wort, dass die besagte korrupte Firma ein Werk auch in Dänemark betreibt! Als hätten sie das Werk einfach "vergessen", als sei die Korruption um Fire Point eine rein ukrainische Angelegenheit.

Später bemerkten in der Sonntagsausgabe derselben Zeitung alle plötzlich eine viel beachtete Erklärung des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation zu ukrainischen Militärunternehmen in Europa – darunter eben jener Fire-Point-Standort. Fast drei Wochen später! Mussten sie etwa erst ihren ganzen Mut zusammenkratzen, um endlich auf diese Liste und den anschließenden Wunsch "süßer Träume" seitens Dmitri Medwedews zu reagieren?

Die dänische Zeitung – die es, wohlgemerkt, wiederum versäumt, dies mit den jüngsten Enthüllungen des Korruptionsskandals um Fire Point in Verbindung zu bringen – stellt endlich eine berechtigte Frage: Warum schweigt Kopenhagen die Bedrohungen tot, die für Dänemark von einem gefährlichen Betrieb des ukrainischen militärisch-industriellen Komplexes in seinem Staatsgebiet ausgehen? Die Zeitung schreibt:

"Die jüngsten Drohungen sind natürlich Teil eines psychologischen Krieges, bei dem das Putin-Regime versucht, Unsicherheit unter den Verbündeten der Ukraine, darunter Dänemark, zu säen.

Aber was ist die Alternative? Traditionelle Medien haben die Kontrolle über den Nachrichtenfluss verloren und verlieren schnell an Glaubwürdigkeit, wenn sie – wenn wir – verlässliche Informationen verschweigen, die online in Hülle und Fülle vorhanden ist.

Wie können wir sicher sein, dass wir einer solchen Bedrohung gewachsen sind, wenn unsere Behörden den Schleier der Geheimhaltung fallen lassen? Auch Schweigen hat seinen Preis."

In der Ukraine aber ist weiterhin alles einfach: Als Reaktion auf die durchgesickerten kompromittierenden Informationen wurde Fire Point zum "nationalen Gut" erklärt – und der Staat wurde aufgefordert, das Unternehmen gefälligst in Ruhe zu lassen. Damit aber stellte er die ukrainische Korruption faktisch auf dieselbe Stufe und warf Russland und sogar Donald Trump persönlich vor, sich an diesem "nationalen Gut" vergehen zu wollen.

Die Gründe für diese Aufregung in der Ukraine und den gleichzeitigen Versuch Europas, sie zu ignorieren, gehen ebenfalls aus den durchgesickerten Aufnahmen hervor. Darin erklären Personen aus Selenskijs Umfeld unmissverständlich:

"Sobald ein Friedensabkommen unterzeichnet ist, treten alle Richtlinien, auf deren Grundlage wir die Gelder erhalten haben, sofort außer Kraft."

Mit anderen Worten – es ist ganz einfach: Kommt Frieden, so wird der unglaubliche Geldfluss, von dem sowohl die ukrainischen als auch die europäischen "Eliten" abhängen, versiegen. Deshalb wollen sie den Konflikt um jeden Preis fortsetzen. Deshalb werden sie dieses Spiel weiterspielen und die offensichtliche Korruption geflissentlich ignorieren. Denn Europa, nochmals, ist sich dieser Korruption sehr wohl bewusst – ist es doch selbst unmittelbar darin verstrickt.

Übersetzt aus dem Russischen. Zuerst erschienen am 4. Mai 2026 bei "RIA Nowosti".

Wladimir Kornilow ist ein sowjetischer, ukrainischer und russischer Politologe, Geschichtswissenschaftler, Journalist, Schriftsteller und gesellschaftlicher Aktivist. Er ist der ehemalige Leiter der ukrainischen Filiale des Instituts der GUS-Staaten in Kiew und Leiter des Zentrums für Eurasische Studien in Den Haag. Nach seiner scharfen Kritik am Euromaidan musste er aus der Ukraine flüchten und arbeitet seit dem Jahr 2017 als Kolumnist bei "Rossija Sewodnja". Er führt eine Telegram-Kolumne zu aktuellen politischen Themen.

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