Meinung

Irans Präsident richtet Brief an das US-amerikanische Volk

Der iranische Präsident Massud Peseschkian betont in einem Brief an das US-amerikanische Volk, dass sein Land einen Verteidigungskrieg führe und keinerlei Feindseligkeit gegenüber anderen Nationen hege.
Irans Präsident richtet Brief an das US-amerikanische Volk© Urheberrechtlich geschützt

Von Abdul Rahman

In einer öffentlichen Botschaft an die Bevölkerung der USA bestritt der iranische Präsident Massud Peseschkian, dass sein Land jemals eine Bedrohung für die USA oder die Menschen in der Region gewesen sei, und erklärte, Iran wehre sich gegen Versuche, die Vorherrschaft zu erlangen.

"Iran als Bedrohung hinzustellen, entspricht weder der historischen Realität noch den heute feststellbaren Tatsachen", so Peseschkian. Er merkte an, dass "eine solche Wahrnehmung das Ergebnis politischer und wirtschaftlicher Launen der Mächtigen ist – der Notwendigkeit, einen Feind zu konstruieren, um Druck auszuüben, die Vorherrschaft aufrechtzuerhalten, die Rüstungsindustrie zu stützen und strategische Märkte zu kontrollieren". In einem solchen Kontext werde, wenn keine Bedrohung existiere, diese erfunden.

Die vierseitige Botschaft, gerichtet an "das Volk der USA und an all jene, die inmitten einer Flut von Verzerrungen und konstruierten Narrativen weiterhin nach der Wahrheit suchen und nach einem besseren Leben streben", wurde veröffentlicht, als Hunderttausende Iraner in verschiedenen Städten des Landes auf die Straße strömten, um die Verteidigungsmaßnahmen gegen den US-israelischen Krieg zu unterstützen, der bereits seit über einem Monat andauert und mehr als 3.000 Menschen das Leben gekostet sowie Tausende weitere verletzt hat.

Peseschkians Brief erschien vor der Ansprache an die Nation von US-Präsident Donald Trump am vergangenen Mittwoch, in der er seine Behauptungen, den Krieg zu "gewinnen", wiederholte und damit drohte, Iran "zum Schutz der Amerikaner und für eine freie Welt" in Schutt und Asche zu bomben.

Irans Präsident bekräftigte, dass das Land in seiner modernen Geschichte niemals den Weg der "Aggression, Expansion, des Kolonialismus oder der Vorherrschaft" eingeschlagen und trotz seiner militärischen Stärke und des anhaltenden Drucks durch Weltmächte niemals einen Krieg begonnen habe.

"Das iranische Volk hegt keine Feindseligkeit gegenüber anderen Nationen, einschließlich der Menschen in Amerika, Europa oder den Nachbarländern", und habe stets zwischen den Regierungen und den von ihnen regierten Völkern unterschieden.

Die militärische Aufrüstung Irans hat defensiven Charakter

Die Bemühungen Irans, seine militärischen Fähigkeiten zu stärken, seien laut Peseschkian eine direkte Folge der militärischen Aufrüstung der USA in der Region, denn "kein Land, das mit solchen Bedingungen konfrontiert ist, würde darauf verzichten, seine Verteidigungsfähigkeiten zu stärken".

Die USA betreiben zahlreiche Militärstützpunkte in verschiedenen Nachbarländern Irans. Zu diesen Stützpunkten gehört das Hauptquartier der 5. Flotte der US-Marine in Bahrain, nur wenige Hundert Kilometer von der iranischen Grenze entfernt.

"Was Iran getan hat – und weiterhin tut – ist eine angemessene Reaktion, die auf legitimer Selbstverteidigung beruht, und keinesfalls eine Kriegserklärung oder Aggression", erklärte Peseschkian. Die Feindschaft und das Misstrauen gegenüber den USA seien in der Geschichte ihrer interventionistischen und hegemonialen Politik begründet.

Die Beziehungen Irans zu den USA seien feindselig geworden, nachdem diese versucht hätten, die natürlichen Ressourcen des Landes zu kontrollieren, indem sie im Jahr 1953 einen Staatsstreich gegen die demokratisch gewählte Regierung von Mohammad Mossadegh orchestrierten, betonte Peseschkian. Dieses Misstrauen vervielfachte sich, nachdem Iran im vergangenen Jahr mitten in Verhandlungen zweimal einer unprovozierten militärischen Aggression ausgesetzt war.

Mord an Unschuldigen und Zerstörung der Nation

Peseschkian betonte, dass "die zerstörerischen und unmenschlichen Folgen von Sanktionen, Krieg und Aggression für das Leben des widerstandsfähigen iranischen Volkes nicht unterschätzt werden dürfen". Die Fortsetzung der militärischen Aggression und die jüngsten Bombardements beeinflussten "das Leben, die Einstellungen und die Sichtweisen der Menschen" in Bezug auf die beteiligten Länder tiefgreifend.

Er stellte die Logik des Krieges und der Sanktionen infrage, da Iran seinen Verpflichtungen aus früheren Abkommen wie dem Gemeinsamen Umfassenden Aktionsplan (Joint Comprehensive Plan of Action, JCPOA) nachgekommen und mehr als bereit gewesen sei, zu verhandeln und weiteren Einschränkungen seines Atomprogramms zuzustimmen.

Trump zog sich im Jahr 2018 während seiner ersten Amtszeit als Präsident einseitig aus dem Mehrparteien-JCPOA zurück und forderte neue Konditionen. Er verhängte erneut Sanktionen und ließ im Jahr 2020 General Qasem Suleimani, einen der Kommandeure der Islamischen Revolutionsgarden, ermorden. Trump prahlte in seiner Rede am 1. April mit beidem und behauptete, Iran wäre viel stärker, hätte er sich nicht aus dem JCPOA zurückgezogen und Suleimani ermordet.

"Führt das Massakrieren unschuldiger Kinder, die Zerstörung von Einrichtungen zur Krebsbehandlung oder das Prahlen damit, ein Land in die Steinzeit zurückzubomben, zu etwas anderem als einer weiteren Schädigung des Ansehens der USA in der Welt?", fragt Peseschkian in seinem Brief.

Handlanger Israels

Peseschkian wies auch darauf hin, dass Angriffe auf die lebenswichtige Infrastruktur Irans direkt gegen das iranische Volk gerichtet sind und ein Kriegsverbrechen darstellen, und betonte, dass solche Handlungen "Instabilität erzeugen, die menschlichen und wirtschaftlichen Kosten erhöhen und Spannungszyklen aufrechterhalten, wodurch Keime für Ressentiments gesät werden, die jahrelang anhalten werden".

Er wies die Behauptungen von Trump und seinen Mitarbeitern zurück, die Zerstörung der iranischen Infrastruktur sei eine "Demonstration der Stärke". Dies sei vielmehr "ein Zeichen strategischer Orientierungslosigkeit und der Unfähigkeit, eine nachhaltige Lösung zu erreichen".

Peseschkian bezeichnete die US-israelische Aggression gegen Iran als "Krieg der Wahl". Die Beteiligung der USA daran nütze lediglich Israel, das "eine iranische Bedrohung konstruiert hat, um die Aufmerksamkeit der Welt von seinen Verbrechen in Palästina abzulenken".

"Ist es nicht so, dass Amerika als Handlanger Israels in diese Aggression eingetreten ist, beeinflusst und manipuliert von diesem Regime?", fragte er.

In diesem Zusammenhang stellte er auch den von Trump und seinem Wahlkampfteam während der Wahlen geprägten Slogan "America First" infrage. Die herrschende Klasse in den USA versuche, den illegitimen Zielen Israels auf Kosten der Interessen der einfachen Amerikaner zu Diensten zu sein, so Peseschkian.

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín.

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