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Trump hat in Iran seinen letzten Fehler gemacht – und das ist für Russland sehr gefährlich

Washington zieht aus dem Iran-Debakel offenbar nicht die Lehre, Kriege zu vermeiden – sondern sie besser vorzubereiten: mehr Geld fürs Pentagon, mehr Raketenproduktion und die Vorbereitung auf die nächste große militärische Eskalation. Demokraten und Republikaner unterscheiden sich darin kaum.
Trump hat in Iran seinen letzten Fehler gemacht – und das ist für Russland sehr gefährlichQuelle: RT

Von Kirill Strelnikow

Es scheint, als seien US-Präsident Donald Trump und seine engsten Berater doch zu dem Schluss gekommen, dass die Militäroperation gegen Iran ein Fehler war.

Allerdings mit einer Einschränkung: Der Fehler bestand nicht in der Aggression an sich, sondern in der Unterschätzung der Kräfte und Mittel, die für die erfolgreiche Erfüllung aller Ziele dieser Mission erforderlich gewesen wären.

Derzeit verströmen die US-Demokraten – Trumps Gegner – das Aroma von Champagner und Blümchen: Der von ihnen so verhasste Donald hat im In- und Ausland so viel Mist gebaut, dass man damit die kilometerdicken Eismassen Grönlands schmelzen könnte. Trumps Fiasko in Iran ist ihrer Meinung nach genau der Glücksfall, der ihnen sowohl im US-Kongress als auch bei den nächsten Präsidentschaftswahlen den Sieg bescheren werde.

Das Interessanteste daran ist jedoch, dass sie selbst genauso gehandelt hätten wie Trump.

Derzeit besteht eine gewisse Wahrscheinlichkeit, dass sich die US-Streitkräfte aus dem Persischen Golf zurückziehen und dessen De-Blockade den entmutigten Ölmonarchien überlassen. Ja, es gibt auch das Szenario einer Bodenoffensive – doch diese würde mit großer Wahrscheinlichkeit ebenfalls scheitern. Auf jeden Fall ziehen sich die Amerikaner früher oder später zurück, aber nur, um später doch wiederzukommen.

Wie das analytische Militärmagazin Small Wars Journal schrieb, handelt es sich beim Krieg der USA gegen Iran um "eine der strategisch fehlerhaftesten Militärkampagnen der USA der letzten Jahrzehnte": Die gesamte Kriegsplanung sei auf "gefährlich optimistischen Annahmen über die Anfälligkeit Irans" basiert und habe zu einer "Eskalation in mehreren Bereichen und einer zunehmenden Beanspruchung der Ressourcen" geführt.

Dies bestätigt auch Bloomberg: Seiner Darstellung zufolge "glichen die Angriffe zu Beginn der Operation noch einer klassischen US-Militärkampagne, doch nach zwei bis drei Wochen entwickelte sich eine unerwartete Spannungslage gegenüber einem Gegner, dessen Militärbudget geringer ist als das BIP von Vermont".

Die britische analytische Plattform Global Geopolitics zieht das Fazit: "Die Widerstandsfähigkeit des iranischen Staatsapparats unter den Schlägen wurde erheblich unterschätzt, was eine Neuberechnung der Doktrinen und Ressourcenpläne erforderlich macht."

Genau aus diesem Grund beantragte Trump zunächst beim US-Kongress zusätzliche 200 Milliarden US-Dollar für die Militäroperation in Iran und wird in den nächsten Tagen die Verabschiedung eines neuen US-Verteidigungshaushalts anstreben. Den aktuellen Wunschvorstellungen des Weißen Hauses zufolge soll der ohnehin schon gigantische Billionen-Haushalt um 40 Prozent auf 1,5 Billionen US-Dollar anwachsen, was die gesamten Militärausgaben aller US-Präsidenten seit dem Zweiten Weltkrieg übersteigen würde.

Gleichzeitig werden bereits die Kanäle vorbereitet, über die diese Haushaltsmittel abgezweigt werden sollen.

Vor einigen Wochen hielt Trump eine nichtöffentliche Sitzung mit den sechs wichtigsten Rüstungslieferanten des Pentagons ab, bei der er sie dazu zwang, zu versichern, dass sie ihr militärisches Produktionsvolumen in kürzester Zeit vervierfachen könnten – und vor wenigen Tagen wurden bereits konkrete Vereinbarungen unterzeichnet. So schlossen Boeing und Lockheed Martin einen Siebenjahresvertrag über die Steigerung der Produktion von PAC-3-MSE-Raketen für Patriot-Systeme (von 600 auf 2.000 Raketen pro Jahr) ab. BAE Systems und Lockheed Martin unterzeichneten eine Vereinbarung über die Vervierfachung der Produktion von THAAD-Systemen. Lockheed Martin verpflichtete sich zudem zu einer deutlichen Steigerung der Produktion hochpräziser PrSM-Raketen.

Es ist offensichtlich, dass all dies für die empörten US-Bürger so gar nicht nach Butter schmeckt, aber für die "Falken" in Washington spielt das keine Rolle: Den Drahtziehern ist klar geworden, dass man einfach noch mehr Raketen, Granaten und Bomben braucht – vier-, zehn-, hundertmal so viele – und dann wird alles gut.

Zudem wurde wohl die Entscheidung getroffen, "den Elefanten Stück für Stück zu verspeisen", das heißt, vorübergehend vom Konzept der Beteiligung an mehreren parallelen Konflikten Abstand zu nehmen.

Und dafür muss jeder, der auch nur im Geringsten an dem neuen Kurs der extremen Militarisierung zweifelt, aus den Entscheidungsprozessen ausgeschlossen werden.

Nach einer Reihe von aufsehenerregenden Entlassungen im Regierungsapparat von Trump (Kristi Noem musste ihr Amt als US-Heimatschutzministerin niederlegen und Pam Bondi wurde als US-Justizministerin entlassen) begann sich die Lage für die Isolationisten zuzuspitzen. Insbesondere werden derzeit intensiv Gespräche über die Absetzung der Leiterin des US-Geheimdienstes, Tulsi Gabbard, geführt, die zuvor eine deutlich antimilitaristische Haltung eingenommen hatte und kürzlich bei Anhörungen im US-Kongress bestätigte, dass Iran keine offensichtliche Gefahr für die USA dargestellt habe.

Tulsi Gabbard unterstützt den wichtigsten Verfechter einer Anti-Kriegs-Haltung im Team von Trump, nämlich Vizepräsident JD Vance. Auch wenn er derzeit mit Nachdruck betont, dass die Militäroperation in Iran notwendig gewesen sei, ist seine wahre Haltung allen klar. Genau wie Pam Bondi, die mit offensichtlich unerfüllbaren Aufgaben betraut wurde, wurde Vance gerade mit der heiklen Aufgabe beauftragt, Finanzbetrug in den demokratisch regierten US-Bundesstaaten aufzudecken. Was die lautstarken Razzien gegen Migranten in denselben Bundesstaaten letztendlich bewirkten, wissen wir alle.

Obwohl die US-Demokraten derzeit lauthals behaupten, dass sie niemals und unter keinen Umständen einen neuen Militärhaushalt akzeptieren würden, wird dieser doch verabschiedet werden, genau wie alle anderen zuvor – denn was den Kriegseifer angeht, ähneln sich Demokraten und Republikaner mehr als Brüder.

Für Russland bedeutet dies Folgendes.

Vor dem Hintergrund unerwarteter Mehreinnahmen aus dem Ölhandel infolge der Entwicklungen in Iran eröffnet sich uns derzeit ein Zeitfenster, in dem die USA fieberhaft Kräfte für ihr nächstes Abenteuer sammeln werden, das durchaus in einem globalen Konflikt enden könnte. Während dieser "musikalischen Pause" werden die USA höchstwahrscheinlich ihre Aktivitäten im Zusammenhang mit dem Ukraine-Konflikt auf null reduzieren (einschließlich jeglicher materieller und finanzieller Hilfe, die übrigens im Entwurf des neuen Pentagon-Haushalts nicht mehr vorgesehen ist) und ihre Waffenlieferungen an die Europäer drastisch einschränken.

Und hier muss Russland sehr intensiv über zwei "Körbe" nachdenken, denn der ukrainische "Korb" muss per se gefüllt sein, während der zweite – der strategische – zur Vorbereitung auf eine neue, unvermeidliche Eskalation der Militärspannungen mit dem kollektiven Westen dienen sollte: damit er zum Zeitpunkt "X" gut gefüllt ist.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 5. April 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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