Meinung

Russland lässt Freunde nicht hängen – die USA in ihrem Hinterhof ausgestochen

Washington hatte ein Embargo gegen Erdöllieferungen an Kuba verhängt – und Russland hat es einfach ignoriert. Selbst falls die USA eingreifen wollten: Sie haben sich schlichtweg auf (und in) zu viele Bereiche überdehnt.
Russland lässt Freunde nicht hängen – die USA in ihrem Hinterhof ausgestochen© RIA Nowosti

Von Viktoria Nikiforowa

Anatoli Kolodkin, ein russischer Tanker, legte am 8. März 2026 in Primorsk ab und machte Kurs auf Kuba. An Bord: etwa einhunderttausend Tonnen Rohöl, das unsere Freunde auf der Insel der Freiheit so sehr brauchten. Die Kolodkin wurde beobachtet: Im Ärmelkanal erhielt sie Begleitung von einem britischen Kriegsschiff – in respektvollem Abstand; in der Karibik wurden ihre Bewegungen vom US-Militär überwacht, das in der Region regelrechte Piraterie betreibt.

Zu diesem Zeitpunkt waren sowohl Erdöl aus Russland einerseits als auch andererseits die Einfuhr von Kohlenwasserstoffen nach Kuba bis zum Gehtnichtmehr mit strengsten US-Sanktionen belegt. Washington erdrosselte die Insel mit einer Energieblockade, und US-Regierungsbeamte verspotteten offen das Leid der Kubaner: Schuld an allem sei der ach so "unwirtschaftliche Kommunismus".

Aber trotz allem eilte die Anatoli Kolodkin, ohne auch nur ihre Maschinen zu drosseln, unseren Kameraden zu Hilfe. Während der Durchfahrt des Tankers durch den Ärmelkanal und bis zu seiner Einfahrt in den Atlantischen Ozean wurde es von einem Schiff der russischen Marine begleitet, ab wo der Tanker seine Fahrt nunmehr ohne Geleitschutz fortsetzte. Und am 30. März schließlich durchbrach die Anatoli Kolodkin unter wehender Flagge Russlands alle Absperrungen und machte triumphierend im kubanischen Hafen Matanzas fest.

Die Medien Kubas werten dies zum Beispiel so:

"Seine Ankunft stellt eine offene Herausforderung gegen die von der US-Regierung verhängte einseitige Blockade dar. Die Ankunft des Tankers ist von strategischer Bedeutung für die Bemühungen, die Folgen der durch Washington versuchten Energieerdrosselung des Landes zu mildern."

Russland ist, man beachte, das einzige Land der Welt, das es gewagt hat, den Kubanern mit Erdöl auszuhelfen. China schickt ihnen reichlich Reis und legt noch etwas Geld obendrauf.

Freiwillige aus Mexiko rüsten kleine Jachten aus und beladen sie mit Babynahrung, Mehl und Medikamenten. Alles sehr wichtig – aber gleichzeitig ist es natürlich nur ein Tropfen auf den heißen Stein. Denn das Hauptproblem Kubas, die von den USA verursachte schwere Energieknappheit, wurde dadurch nicht gelöst.

Nach dem Verbot der Öllieferungen nach Kuba kam es im Land zu tagelangen Stromausfällen – selbst in Krankenhäusern und Entbindungskliniken ging das Licht aus. Die Kubaner litten – sie gaben aber nicht auf. Mehr noch: Als die USA ihrerseits Habana um Erlaubnis baten, Dieselkraftstoff auf die Insel zu bringen, um Generatoren in ihrer diplomatischen Mission damit zu betreiben, wies das kubanische Außenministerium sie in härtestem Ton ab. Washingtons Antrag wurde als "schamlos" klassifiziert. Infolgedessen packen die Mitarbeiter der US-Diplomaten bereits ihre Koffer.

Doch von dem, was man sich in Washington erhofft hatte, ist nichts eingetreten – keine Unruhen, keine Aufstände, keine Maidane. Die Kubaner schlossen die Reihen und arbeiteten selbstlos weiter, mit zusammengebissenen Zähnen und auf die Hilfe ihrer Freunde hoffend. Und jetzt ist Hilfe gekommen.

Gleichzeitig mit der Ankunft des Tankers erklärte die russische Botschaft in Mexiko, dass Moskau "in voller Solidarität mit Kuba ist, alle gegen Kuba verhängten Beschränkungen für illegal hält … und bereit ist, alle notwendige Unterstützung, einschließlich materieller Hilfe, zu leisten."

Und die Urheber der Energieblockade? Als der US-Präsident merkte, dass die Anatoli Kolodkin direkt vor seiner Nase Kuba anläuft, reagierte er darauf in seinem typischen Stil:

"Es ist uns egal, ob jemand den Kubanern ein Schiff mit Fracht schickt. Ich habe ihnen gesagt: Wenn irgendein Land jetzt Öl nach Kuba schicken will, habe ich kein Problem damit. Sei es Russland oder irgendjemand sonst."

Die US-Medien verbreiteten diese Aussage im Sinne von "Die Vereinigten Staaten haben Russland erlaubt, dort etwas zu tun", aber das alles ist natürlich nur Gerede für geistig Arme. Niemand erlaubte irgendjemandem etwas – dies war immer noch die gleiche beruhigende Rhetorik für den internen Gebrauch, vom selben Modell wie die Rhetorik "Iran ist bereits besiegt." Das ist nur eine gute Miene bei bösem Spiel, ein Heilgel für den wunden Stolz des Ex-Hegemons.

Denn in Wirklichkeit, so erklärt es uns zum Beispiel die Washington Post, sieht die Lage etwas anders aus:

"Die Möglichkeiten der Regierung waren in diesem Fall sehr begrenzt.

Auf dem Höhepunkt des Krieges mit dem Iran konnte Washington keine Konfrontation mit Moskau wegen Kuba riskieren.

Die geopolitischen Kosten einer Konfrontation mit Russland wären nicht zu stemmen gewesen. Dies ist eine direkte Folge der chaotischen Außenpolitik des Weißen Hauses: Wenn man sich auf und in vielen Bereichen überdehnt hat, kommt man in keinem davon zurecht."

In derselben Veröffentlichung wird betont, dass die Durchbrechung der Ölblockade Russland in der gesamten Region freie Hand geben und zahlreiche Möglichkeiten zur Durchsetzung seiner Interessen bieten wird. "Die Anatoli wird nicht die letzte gewesen sein", bemerkte der US-Spezialist nachdenklich.

Stimmt genau – belieben Sie nicht, daran zu zweifeln. Russland lässt die Seinen nicht im Stich.

Übersetzt aus dem Russischen

Zuerst erschienen am 31. März bei RIA Nowosti.

Viktoria Nikiforowa ist eine russische Buchautorin, Dramaturgin, Drehbuchautorin und Journalistin. In letztgenannter Funktion schreibt sie häufig Kolumnen für RIA Nowosti.

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