Meinung

Träumen deutsche E-Auto-Hersteller von chinesischen Geländewagen?

Volkswagen stellt das Hybridmodell ID Era 9X vor – offenbar eine Kopie chinesischer Luxus-SUVs wie IM LS8 oder Lixiang L9. Ein deutsches Auto als Nachahmer: Das wirkt wie ein Schock für die Auto-Nation Deutschland – mit weitreichenden Folgen darüber hinaus.
Träumen deutsche E-Auto-Hersteller von chinesischen Geländewagen?

Von Dmitri Petrowski

Zwei Nachrichten von Deutschlands Autoindustrie – und beide rufen das mittlerweile vertraute Gefühl hervor, dass die Welt einen weiteren Wendepunkt erreicht hat und nie wieder so sein wird wie zuvor.

Nachricht eins: Ein virales Video, aufgenommen von einem russischsprachigen Bürger in Deutschland. Es zeigt einen brandneuen Volkswagen ID Era 9X, ausgestellt bei einem örtlichen Autohaus. So neu, dass noch kein Preis angegeben ist. Alles scheint in Ordnung, der Wagen sieht gut, teuer, solide und technologisch fortschrittlich aus. Doch dieses Auto ist eine Kopie des chinesischen Li Xiang L9.

Sie haben richtig gehört.

Ein deutsches Auto ist eine Kopie eines chinesischen Autos.

Nicht umgekehrt.

Nachricht zwei: Laut Financial Times plant der Volkswagen-Konzern, in Osnabrück Komponenten für Israels Raketenabwehrsystem "Iron Dome" zu fertigen.

Die Deutschen waren die Nation, die einst festgelegt hatte, wie ein Automobil zu sein und auszusehen hat und in diesem Bereich fast ein Jahrhundert lang unangefochten an der Spitze stand. Doch alles hat ein Ende. Die BRD verlor diesen Kampf nicht plötzlich, nicht über Nacht. Zunächst erlagen sie der Erpressung durch die Grünen und schränkten damit die Rechte ihrer eigenen Hersteller massiv ein. Das Fahren eines Diesel-Porsche im Zentrum Berlins wurde verboten – eine Absurdität, die nur einer Nation einfallen kann, die sich selbst zutiefst ablehnt.

Dann stiegen sie in den Kampf um den Markt für Elektroautos ein – und verloren erwartungsgemäß. Die Deutschen sind die Götter des Verbrennungsmotors. In Sachen Elektromobilität hingegen haben die Chinesen sie längst überholt, und eine sehr konservative und träge Nation hat es nicht unbedingt drauf, irgendjemanden oder irgendetwas aufzuholen. Und natürlich haben sie zudem den perfekten Markt verloren – Russland, das den edlen Konservatismus deutscher Autos stets aufrichtig bewundert und sich dabei nur wenig um Umweltstandards geschert hatte. Dann explodierten die Energiepreise, und die Autoproduktion wurde völlig unrentabel. Die Folgen sehen wir mit bloßem Auge.

Zusammenarbeit mit der Rüstungsindustrie ist für VW nichts Neues. Noch unter Hitler stellte das Unternehmen die Produktion ziviler Güter zeitweise komplett ein und fertigte stattdessen, was militärisch unmittelbar benötigt wurde: Raketen- und Flugzeugteile, Geländewagen und Amphibienfahrzeuge.

Nun scheint Deutschland sich auf die andere Seite der Geschichte geschlagen zu haben, indem es für Israel arbeitet – doch in Wirklichkeit steht es immer noch auf derselben Seite wie damals.

In den sozialen Medien wird derweil bereits zum VW-Boykott aufgerufen: Unter progressiven Europäern gelten die Israelis mittlerweile weithin als Aggressoren. Und nein, damit wird die Nachfrage nach Komponenten für den "Iron Dome" nicht irgendwie zurückgefahren – hier sind iranische und palästinensische Raketen der entscheidende Faktor. Dafür wäre es sicherlich ein Argument gegen den Kauf einer Modellkopie von Li Xiang, das aus deutschen Teilen, von deutschen Arbeitskräften und zum deutschen Preis gefertigt wurde.

Deutschland verliert den gesamten zivilen Markt – und ist somit gezwungen, seine Rüstungsindustrie auszubauen, um Wirtschaft und Arbeitsplätze zu sichern. Doch der Rüstungssektor braucht Kriege – am besten viele und vielfältige. Die offensichtliche Annahme Berlins, dass diese in naher Zukunft eintreten werden, ist ein sehr beunruhigendes und alarmierendes Signal, und zwar nicht nur für Fans deutscher Automobile.

Übersetzt aus dem Russischen

Dmitri Petrowski ist Schriftsteller, Drehbuchautor, Publizist sowie Autor der Bücher "Affäre mit Sturmgewehr" und "Liebling, ich bin zu Hause".

Diesen Beitrag verfasste er exklusiv für RT.

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