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EU senkt Wintergasziel auf 80 Prozent wegen Iran-Krieg: Brüssel warnt vor Panikkäufen

Die EU empfiehlt Mitgliedstaaten, Gasvorratsziele von 90 auf 80 Prozent zu senken, um Panikkäufe und Preisspitzen infolge der Iran-Krise zu vermeiden. Durch flexible Speicherziele und gleichmäßige Sommerkäufe soll die Energiestabilität gewährleistet und die Belastung für Haushalte und Unternehmen minimiert werden.
EU senkt Wintergasziel auf 80 Prozent wegen Iran-Krieg: Brüssel warnt vor PanikkäufenQuelle: Gettyimages.ru © Dursun Aydemir/Anadolu via Getty Images

Von Hans-Ueli Läppli

Die Europäische Kommission fordert die EU-Mitgliedstaaten auf, ihre Gasvorratsziele für den Winter von 90 auf 80 Prozent zu senken.

Hintergrund sind die anhaltenden Störungen bei der Lieferung von verflüssigtem Erdgas (LNG) infolge des eskalierenden Kriegs der USA und Israels gegen den Iran.

Energiekontrolleur Dan Jørgensen betont, dass diese Anpassung darauf abzielt, Panikkäufe zu vermeiden und den Markt zu beruhigen, nachdem die europäischen Gaspreise an einem Tag um bis zu 35 Prozent gestiegen waren.

Der Iran-Krieg hat kritische Produktionsanlagen und Lieferketten belastet, insbesondere die Straße von Hormus, durch die rund 20 Prozent des weltweiten LNG-Handels fließen, davon sechs Prozent für Europa.

Fachleute warnen, dass Reparaturen mehrere Jahre dauern könnten, was eine vollständige Wiederaufnahme der LNG-Produktion erheblich verzögern würde. Ein konsequentes Festhalten am bisherigen Speichermandat könnte die EU erneut signifikanten Versorgungsrisiken aussetzen.

Das bisherige 90-Prozent-Speicherziel wurde nach 2022 eingeführt, um Europa gegen mögliche Unterbrechungen der Gasversorgung abzusichern. Der Winter 2025/26 endete jedoch mit einem Vorratsniveau von unter 30 Prozent, dem niedrigsten Stand seit 2022. Die jüngsten Iran-bedingten Störungen verstärken die Sorge vor einer Energieknappheit, weshalb flexible Speicherziele nun als pragmatische Lösung gelten.

EU-Beamte und Industrieverbände warnen, dass ein starres Festhalten am 90-Prozent-Ziel Panikkäufe und überhöhte Preise auslösen könnte, was Haushalte und Unternehmen besonders belastet.

Mehrere Mitgliedstaaten hatten bereits niedrigere Zielvorgaben diskutiert und plädieren für ein koordiniertes EU-weites System, um Gasimporte effizienter zu steuern, insbesondere nach dem Ausstieg aus russischem Gas, der die LNG-Zufuhr zusätzlich erschwert.

In seinem Schreiben fordert Kommissar Jørgensen die Regierungen auf, die Speicher so früh wie möglich aufzufüllen, dabei jedoch die niedrigere Marke von 80 Prozent anzustreben. Dadurch sollen Marktteilnehmer beruhigt und gleichzeitig überhastete Käufe vermieden werden, die die Märkte destabilisieren könnten.

Preisbeobachter gehen davon aus, dass eine gleichmäßige Verteilung der Einkäufe über den Sommer die Preise stabilisieren und die Heizkosten im Winter überschaubar halten dürfte.

Die Schlagzeilen aus dem Nahen Osten erscheinen fast im Viertelstundentakt, und immer pessimistischer in Bezug auf die Dauer des Iran-Kriegs. Europa war auf solche Szenarien nicht vorbereitet, zumal frühere US-Pläne unter Trump nicht mit den EU-Partnern abgestimmt wurden. Der unerwartete LNG-Engpass verschärft die Lage, während asiatische Staaten verstärkt um Vorräte konkurrieren.

Der Krieg in Iran dauert weiter an, und Experten warnen, dass selbst nach einem möglichen Ende der Angriffe auf Energieanlagen Jahre vergehen werden, bis beschädigte Infrastruktur wieder voll funktionsfähig ist.

Für Europa hat dies direkte wirtschaftliche Konsequenzen: Der Ausstieg aus russischem Gas und die Abkehr von Kernenergie erfolgten ohne ausreichende Vorbereitung, was die Versorgungssicherheit schwächt und das Risiko erneuter Preisspitzen erhöht.

Kontinuierliches, moderates Auffüllen der Speicher bleibt die realistischste Strategie, um Marktstabilität zu sichern und die Belastungen für Haushalte und Unternehmen überschaubar zu halten. Abwarten heißt dagegen die Strategie der EU – zuschauen, während die Krise anhält, wie es in den sozialen Medien spöttisch heißt:

"EU is monitoring the situation."

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