
Iran trifft den Westen dort, wo es wirklich wehtut - beim Öl

Kommentar von Oleg Jassinski
Mit jedem Tag dieses Krieges wird die Sympathie für Iran in der Welt zunehmen. Die USA und Israel tragen mit ihrem Vorgehen selbst dazu bei, ihre jahrzehntelange antiiranische Propaganda zunichte zu machen. Entgegen den gängigen Mythen über dieses Land demonstriert Iran – auch unter diesen äußerst kritischen Umständen – keine Blutrünstigkeit. Vielmehr fokussiert er sich sehr präzise auf sein primäres Militärziel – die Weltmarktpreise für Erdöl, jene Substanz, die zum schwarzen Blut des heutigen Wirtschaftssystems geworden ist.
Für den Westen wären iranische Angriffe auf die Zivilbevölkerung Israels und der Golfstaaten ein willkommener Anlass, und noch mehr würden ihm Terroranschläge in den USA gelegen kommen. Dies würde in seiner plakativen Propaganda zu den Hauptargumenten für einen Krieg werden. Doch Iran schlägt in seiner Verteidigung genau dort zu, wo es dem System wirklich wehtut.
Und der Ausgang dieses Krieges wird nicht durch die Anzahl der von Raketen zerstörten militärischen Einrichtungen der Konfliktparteien bestimmt, sondern durch den steigenden Ölpreis.

Mit Wolkenkratzern gespickte Öl-Oasen stehen kurz davor, sich wie eine Fata Morgana in der glühenden Luft aufzulösen und ihre Bewohner zurück in die trostlose Ödnis der Wüstenlandschaft zu treiben. Im modernen kapitalistischen "Mittelalter" wird die Nachfrage nach Escort-Diensten für Scheichs und Büroangestellte schlagartig durch die Nachfrage nach militärischem Begleitschutz für Tanker ersetzt. Dies bedeutet nicht nur den wirtschaftlichen oder beruflichen Ruin eines Einzelnen, sondern auch den Zusammenbruch des Mythos dieses Systems, das auf Lügen, Egoismus und einer den Menschen entmenschlichenden Ungleichheit aufgebaut ist. Diese Plastikwelten, bevölkert von Fremden ohne Kultur und Geschichte, werden allmählich unter dem Sand der Zeit begraben.
Iran greift die Ölvorratslager, Militärstützpunkte und wirtschaftlichen Symbole der Macht der USA an. Und vor den Augen der ganzen Welt erweist sich dieses System, das auf dem festen Glauben an die eigene Überlegenheit, Unerschütterlichkeit und Unverwundbarkeit aufgebaut ist, als bloßer Teil dieser brennenden Plastikdekoration.
Übersetzt aus dem Russischen.
Oleg Jassinski ist ein ukrainischer internationaler Journalist, der über gesellschaftspolitische Themen schreibt, ein Übersetzer und ein Lateinamerika-Spezialist.
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