Meinung

USA haben in Iran das erreicht, was sie eigentlich wollten – und werden deshalb den Krieg verlieren

Mit der Tötung Ali Chameneis zielten die USA auf einen Regimewechsel. Aber sie haben sich verkalkuliert. Nach der Wahl von Modschtaba Chamenei zum Obersten Führer wurde das Kriegsrecht verhängt, und damit das Signal gegeben, dass Iran einen lang anhaltenden Krieg anstrebt.
USA haben in Iran das erreicht, was sie eigentlich wollten – und werden deshalb den Krieg verlieren© Illustration: RIA Nowosti / durch KI generiert

Von Alexander Nossowitsch

Der iranische Expertenrat hat ein neues geistliches Oberhaupt der Islamischen Republik gewählt: Modschtaba Chamenei wurde zum neuen Obersten Führer ernannt. Seine Ernennung wurde in Form einer riesigen Kundgebung im Zentrum von Teheran begrüßt. Und sie beweist, dass Washington genau das erreicht hat, was es eigentlich von Iran wollte: einen Regimewechsel. Und tatsächlich kam es zu einem Regimewechsel in der Islamischen Republik, und genau deshalb werden die USA den Krieg verlieren.

Am Vorabend der Invasion der USA und Israels herrschten in der iranischen Führungsriege Irrungen und Wirrungen: Es gab die geistliche Führung – die Ajatollahs, die säkulare Regierung, die Sicherheitskräfte – die Iranischen Revolutionsgarden (IRGC) und den reformorientierten Präsidenten. Hinzu kamen die offenkundigen Protestaktionen der Bevölkerung: Jeder erinnert sich an die Unruhen zu Beginn dieses Jahres.

Darauf setzte Washington: Es würde genügen, wenn die USA und Israel den ersten Schlag ausführen, und dann würden sich die gewünschten Ereignisse von selbst entwickeln. Denn das von seiner verhassten Führung befreite Volk würde auf die Straße gehen, eine Revolution würde stattfinden und die neue Führung würde die Republik zügig den USA unterwerfen.

Nur die Wette auf einen sofortigen Regimewechsel war der Grund für die Annahme, dass es zu einem kleinen siegreichen Krieg kommen würde, bei dem die USA sich nicht um eine Bodeninvasion kümmern müssten. Den Part einer Bodeninvasion sollten nämlich die Iraner selbst übernehmen.

Nach zehn Tagen Krieg wurde klar, dass diese Wette "richtig" war. Es kam tatsächlich zu einem Regimewechsel in Teheran. In Iran wurde das Kriegsrecht verhängt, und es herrschte nun ein Kriegsregime. Der Oberste Nationale Sicherheitsrat Irans wurde zur wichtigsten Entscheidungsinstanz, der IRGC zur wichtigsten Staatsinstitution.

Die Wahl des Obersten Führers ist ein Signal, dass es eine neue Machtkonfiguration gibt, und eine Kundgebung zu seiner Unterstützung ist eine Manifestation der Kontrolle über die Straße, denn es wäre einfach gefährlich, mitten in einer Legitimationskrise eine Massenkundgebung zur Unterstützung der Führung des Landes zu veranstalten. Es gibt eine traurige Erfahrung mit Nicolae Ceaușescu in Rumänien: Der Volksaufstand gegen ihn begann genau während der gleichen Kundgebung, aber in Iran führte die Aggression der USA zu einem Umschwung der öffentlichen Stimmung. Die Proteste und die Unzufriedenheit bleiben zumindest so lange aus, bis der äußere Feind besiegt ist. Schließlich steht jetzt nicht das Regime im Mittelpunkt, sondern die Nation, das Land und der Patriotismus.

Diejenigen, die jetzt über das Schicksal Irans bestimmen, sind auf keinen Fall an einer schnellen Kapitulation sowie daran interessiert, das Land den USA zur Verfügung zu stellen. Es liegt in der Natur der Sache, dass sie an einem langen, anhaltenden Krieg interessiert sind, der ihre Notstandsbefugnisse immer weiter ausdehnt. Oder als zweite Option: Es wäre nicht so wichtig, wie lange dieser Krieg dauern würde, solange er mit einem überzeugenden Sieg für Iran endet. Ein solcher Sieg würde den Siegern Ehre und enormen politischen Einfluss verschaffen. Genau das gelang dem IRGC im Iran-Irak-Krieg in den 1980er Jahren.

Für die USA wäre sowohl die erste als auch die zweite Option eine Katastrophe. In Washington spürte man, dass die Dinge nicht nach Plan liefen. Das zeigt sich daran, wie sich die US-Regierung in diesen Tagen schwertut. Hinter den Forderungen, die Kandidatur des neuen Obersten Führers durch Donald Trump persönlich abzusegnen, steckt nicht nur Übermut und militanter Eifer, es ist auch ein ungeschickter Versuch, zu verhindern, dass die "Falken" in Teheran an die Macht kommen.

Dazu gehören auch die US-Andeutungen über neue Verhandlungen, nachdem sie den Iranern in den Rücken gefallen sind. Hinzu kommen auch die Versuche, die Kurden in den Krieg zu verwickeln. Das dahinterstehende Ziel ist so durchsichtig wie ein Bergkristall: Wenn Iran nicht ohne eine Bodenoffensive besiegt werden konnte, dann sollten nicht die Amerikaner, sondern die Kurden in den Wüsten Irans ihr Leben opfern.

Die Kurden jagten die Amerikaner natürlich zum Teufel. Denn es gibt keine Idioten, die bereit sind, für US-Geschäftspläne rund um Energieressourcen zu sterben.

Es gibt heute keine guten Szenarien mehr für das Weiße Haus. Vielmehr gibt es zwei schlechte Szenarien, oder genauer gesagt, ein schlechtes und ein schreckliches Szenario.

Das "nur schlechte" Szenario sieht folgendermaßen aus: Dem Weißen Haus gelingt es im letzten Moment, einer Falle zu entkommen, die es sich selbst gestellt hat. Es bricht die Militäroperation ab und erklärt, dass es bereits alle besiegt habe. Für die zahlreichen Feinde des Chefs des Weißen Hauses wird dies ein Signal sein, dass "der Leitwolf Akela" verfehlt habe und man nun Donald Trump "in Stücke reißen" könne.

Das "Albtraumszenario" ist folgendes: Die USA lassen ihre Truppen einmarschieren und versuchen, dieses große, zum Widerstand entschlossene Land zu besetzen. Das wäre für die USA eine noch schlimmere Katastrophe als der Vietnamkrieg. Es wäre ein "zweiter Irak", der sich auf den gesamten Nahen und Mittleren Osten ausbreiten würde. Und es wäre der Anfang vom Ende des US-Imperiums.

Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 10. März 2026 zuerst bei RIA Nowosti erschienen.

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