Meinung

Ein Krieg, der nicht zu gewinnen ist: Israel und die USA bombardieren Iran

Die US-amerikanisch-israelischen Angriffe gegen Iran sind Teil eines jahrzehntelangen Krieges gegen die Islamische Republik, die sich weigert, den Forderungen der USA nachzugeben, ihre Souveränität aufzugeben.
Ein Krieg, der nicht zu gewinnen ist: Israel und die USA bombardieren Iran© Urheberrechtlich geschützt

Von Vijay Prashad

Nachdem sie gerade den Friedensrat gegründet hatten, haben die USA und Israel auch schon den ersten Krieg des Rates begonnen: einen Krieg gegen Iran.

Der Angriff der USA und Israels am frühen Morgen des 28. Februar auf Ziele in Iran hat bereits Verwüstungen angerichtet, darunter den Tod von mindestens 60 Mädchen aus einer Grundschule in Minab (Provinz Hormozgan) und Dutzenden weiteren Menschen im ganzen Land. Nach neuesten Schätzungen liegt die Zahl der Todesopfer bei 201.

Tatsächlich war der Angriff am 28. Februar 2026 nicht der erste Schlag gegen Iran. Israel und die USA befinden sich seit Jahrzehnten im Kriegszustand mit dem Land, entweder in Form direkter Militärschläge (zuletzt im Juni 2025) oder durch den langen hybriden Krieg, den sie Iran auferlegt haben (einschließlich der 1996 begonnenen Sanktionen der USA).

Weder Israel noch die USA achten die Charta der Vereinten Nationen, deren Artikel 2 von beiden ständig verletzt wird. Keiner von beiden wird im UN-Sicherheitsrat verurteilt, was sich auf das Ansehen der Charta auswirkt.

Seit Jahrzehnten verteufeln die USA und ihre Verbündeten im Globalen Norden Iran und behandeln seine Politik als Terrorismus und seine Regierung als diktatorisch. Im Wesentlichen haben sie damit das Argument aufgebaut, dass Versuche, die Regierung in Teheran zu stürzen, legitim sind, auch wenn dies einen Verstoß gegen die Charta der UNO darstellt.

Allerdings hat US-Präsident Donald Trump wenig Lust auf einen langen Krieg. Er hat eine kurze Aufmerksamkeitsspanne und ist auf schnelle Siege aus, die ihm rasch Schlagzeilen in den Nachrichten einbringen, wie die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro am 3. Januar 2026 und die Exekutive Order zur Verhinderung des Ölverkaufs an Kuba am 30. Januar.

Trump hofft auch dieses Mal auf ein ähnliches Ergebnis: die Ermordung des iranischen Obersten Führers Ajatollah Ali Chamenei oder des Präsidenten Massud Peseschkian. Berichte haben bestätigt, dass der oberste Anführer Irans tatsächlich bei dem jüngsten Angriff getötet wurde. Trotz Trumps Forderung nach einem Regime Change hat sich jedoch nichts an der politischen Führung geändert.

Der israelisch-amerikanische Schlag im Juni 2025 hat das iranische Atomenergieprojekt nicht zerstört, ebenso wenig wie der aktuelle Angriff das politische System Irans.

Die Geschichte der einseitigen Angriffe auf Iran

Die aktuelle Militäraktion gegen Iran hat bereits im Januar 2020 begonnen, als die USA General Qasem Soleimani in Bagdad (Irak) ermordet haben.

Soleimani war der Chef der Islamischen Revolutionsgarde (IRGC) und der Architekt der "Achse des Widerstands", die den ersten Verteidigungskreis für Iran bildete: Die Idee war, dass im Falle eines Angriffs der USA oder Israels gegen Iran seine engen Verbündeten, von der Hisbollah im Libanon bis zu Ansar Allah im Jemen, sowohl Israel als auch die US-Militärstützpunkte angreifen.

Die Tötung Soleimanis war zwar ein Schlag für die Achse, doch drei Jahre später wurde sie durch eine Reihe von Ereignissen faktisch gesprengt.

Der Völkermord Israels an den Palästinensern schwächte die Hamas, sein Krieg im Libanon erschütterte die Hisbollah und die Einsetzung des ehemaligen Al-Qaida-Führers Ahmed al-Scharaa als Präsident Syriens im Januar 2025 führte zur Vertreibung aller propalästinensischen Gruppen aus dem Land.

Nachdem sie diesen ersten Verteidigungskreis weitgehend durchbrochen hatten, griffen Israel und die USA im Juni 2025 Iran an. Dies führte zu einigen iranischen Vergeltungsmaßnahmen, die jedoch bei weitem nicht so heftig ausfielen, wie sie es gewesen wären, wenn die Hisbollah und die Fraktionen in Syrien in der Lage gewesen wären, Israel anzugreifen.

Nach dem Angriff auf die iranischen Atomenergieanlagen im Juni 2025 erklärten Israel und die USA, dass sie die Fähigkeit Irans zum Bau von Atomwaffen zerstört hätten. Wenn dies der Fall war, warum haben die USA dann kein Abkommen mit Iran geschlossen und die Sanktionen aufgehoben?

Immerhin war der iranische Präsident Massud Peseschkian im Jahr 2024 mit einem "Reformprogramm" an die Regierung gekommen. Er hatte ein Kabinett gebildet, dem auch ein neoliberaler Finanzminister angehörte, und zeigte sich bereit, westlich kontrollierten Institutionen wie dem Internationalen Währungsfonds (IWF) und der Internationalen Atomenergie-Organisation (IAEA) Zugeständnisse zu machen.

Als Reaktion auf die US-amerikanisch-israelischen Angriffe im Juni 2025 beendete Iran jedoch seine Inspektionsvereinbarungen mit der IAEA.

Der IWF stellte die schwachen Wirtschaftsaussichten für Iran fest, sah jedoch, dass dies größtenteils auf die von den USA verhängten Sanktionen und – aus seiner Sicht – auf das Subventionssystem in Iran zurückzuführen war.

Der iranische Wirtschaftsminister Madanizadeh beschwichtigte den IWF, indem er einen Austeritätshaushalt vorantrieb. Dies führte zu sozialen Unruhen, die sich noch verschärften, als die USA intervenierten, um den iranischen Rial massiv zu schwächen und die Wirtschaftskrise im Land zu verschärfen. Teile der Kaufleute und Arbeiter der Basare oder Kleinhändler, die Basis der Islamischen Republik, die besonders unter der Inflation litten, wandten sich gegen die Regierung, aber nicht unbedingt gegen das System selbst.

Die USA und Israel sowie ausländische Medien deuteten die Situation absichtlich falsch und verkündeten zu Unrecht, dass das iranische Volk gegen seine Republik sei.

Trotz des Versuchs der Regierung Peseschkian, den USA zu ihren Bedingungen entgegenzukommen, drängten die USA und Israel auf ein unrealistisches, maximalistisches Endziel, nämlich den Sturz der Islamischen Republik.

Atomprogramm oder Regime Change?

Dieses maximalistische Szenario wurde durch die Forderung der USA und Israels befeuert, dass Iran ein imaginäres Atomwaffenprogramm beenden solle. Iran hat seit Jahrzehnten erklärt, dass er kein Interesse an Atomwaffen hat, und Außenminister Abbas Araghtschi hat wiederholt betont, dass Iran niemals solche Waffen entwickeln wird.

Iran hat erklärt, dass er bereit ist, über sein Atomprogramm zu diskutieren, aber dass er die Realität der Islamischen Republik (oder die Gültigkeit der iranischen Verfassung vom Dezember 1979) nicht zur Debatte stellen werde.

Wenige Stunden vor dem Angriff im Februar 2026 befanden sich die Verhandlungen zwischen Iran und den Vereinigten Staaten kurz vor einer Einigung. Der Außenminister Omans, Sayyid Badr bin Hamad al-Busaidi, sagte, dass ein "Friedensabkommen in Reichweite" sei und Iran zugestimmt habe, seine Vorräte an angereichertem Uran "auf das niedrigstmögliche Niveau" zu senken.

Mit anderen Worten: Iran war bereit, die meisten Forderungen zu akzeptieren, die ihm in Bezug auf sein Atomenergieprogramm auferlegt wurden.

Dass die USA und Israel in diesem Kontext angegriffen haben, zeigt, dass das iranische Atomprojekt für Washington und Tel Aviv nicht das eigentliche Problem ist. Sie sind auf einen Regime Change aus.

Wenn der Krieg der USA und Israels auf einen Regime Change abzielt, dann ist es ein Krieg, der ohne enorme Verluste an Menschenleben nicht gewonnen werden kann. In Iran leben fast 100 Millionen Menschen, von denen ein großer Teil ihre Republik bis zum Tod verteidigen wird.

Einige Tage nachdem die USA Maduro entführt hatten, begab sich Chamenei zum Schrein seines Vorgängers, des Großajatollahs Seyyed Ruhollah Musawi Chomeini (1900–1989). Es war fast so, als würde er seinen alten Freund und Mentor besuchen, um sich bei ihm Mut zu holen. Eine Ermordung Chameneis wird die Anhänger der Islamischen Republik nicht demoralisieren, sondern ihn stattdessen in den Kreis der Märtyrer erheben und ihre Entschlossenheit stärken.

Gegen Iran haben die USA und Israel keine realistische Strategie, um zu gewinnen. Sie mögen eine große Anzahl von Menschen töten. Aber sie können den Willen des iranischen Patriotismus nicht brechen.

Aus dem Englischen übersetzt von Olga Espín.

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