Meinung

Schweizer Medien: Bü-Bü-Bündnerfleisch und der Barbra-Streisand-Effekt

Mehrere Schweizer Medien griffen den Vorwurf auf, mein RT-Meinungsartikel unterstütze indirekt die Halbierungsinitiative. Gleichzeitig stellte das SRF in seinem Beitrag selbst die Frage, ob eine solche Unterstützung überhaupt vorliege. Eine pointierte Darstellung wurde als gezielte Einflussnahme gewertet, medienkritische Argumente als Desinformation interpretiert.

Von Hans-Ueli Läppli

Es gibt Momente, in denen man unwillkürlich lachen muss. Nicht, weil etwas besonders komisch wäre. Sondern weil die Szenerie eine solche Verdichtung an Absurdität erreicht, dass Ernsthaftigkeit zur Übertreibung würde.

So erging es einst Hans-Rudolf Merz, als er im Nationalrat über "Bü-Bü-Bündnerfleisch" stolperte. Verwaltungssprache in Reinform, trocken genug, um selbst ihren Vortragenden aus dem Konzept zu bringen.

Ein ähnliches Gefühl beschlich mich, als ich versuchte, die sogenannte SRG-Halbierungsinitiative satirisch zu bearbeiten. Mit Sarkasmus, wohlgemerkt.

Sarkasmus ist ein literarisches Stilmittel. Keine Parole. Kein Kampagneninstrument. Sondern die Zuspitzung von Widersprüchen, um sie sichtbar zu machen.

Was folgte, war jedoch weniger eine Auseinandersetzung mit Argumenten als eine Erregungskaskade.

Den Auftakt machte der linke Tages-Anzeiger. Dort erschien der Vorwurf, mein Meinungsartikel stelle faktisch eine Unterstützung der SRG-Halbierungsinitiative dar. Eine bemerkenswerte Lesart. Wer Satire als Abstimmungsplakat interpretiert, verrät mehr über das eigene Interpretationsmuster als über den Text selbst.

Aus einer Bildcollage wurde eine konstruierte Einflussnahme. Zwei nebeneinandergestellte Motive galten plötzlich als Beweis für Manipulationsabsicht. Aus einer gestalterischen Entscheidung wurde ein politisches Manöver. Aus einer Unterstellung wurde moralische Gewissheit. Die Dynamik erinnerte an jene Mechanismen, die man aus internationalen Mediendebatten kennt: Andeutung genügt, der Rest wächst im Echoraum.

Weitere Medien griffen das Narrativ auf, darunter auch der Blick. Innerhalb weniger Stunden entstand eine geschlossene Dramaturgie: Hier der Satiriker, dort die angebliche Kampagne, dazwischen die großen Begriffe "Gefahr", "Desinformation" und implizit sogar "Moskau".

Schließlich nahm sich auch das öffentlich-rechtliche Fernsehen, das SRF, der Angelegenheit an.

In Beiträgen wurde suggeriert, ich hätte politische Akteure diffamierend bezeichnet. Das weise ich entschieden zurück. Polemik ist kein Gewaltaufruf. Kritik ist keine Entmenschlichung. Wer beides vermengt, ersetzt Differenzierung durch Dramatisierung.

Wer die Finanzierung öffentlich-rechtlicher Medien hinterfragt, so die implizite Botschaft, riskiere Dunkelheit, Abschaltung, fremde Einflussnahme. Ein Ja zur Halbierung führe beinahe zwangsläufig in mediale Verwüstung.

Das ist ein kraftvolles Bild. Vielleicht ein zu kraftvolles.

Ich habe nie gefordert, Journalisten "den Hahn abzudrehen". Journalismus ist ein öffentliches Gut. Auch beim Tages-Anzeiger arbeiten Menschen, die ihren Beruf ernst nehmen. Niemand sollte leichtfertig akzeptieren, dass Redaktionen strukturell geschwächt werden.

Gleichzeitig gilt: Kritik an Medien ist kein Tabubruch.

Wer öffentlich finanziert wird, muss öffentliche Kritik aushalten.

Wer publiziert, muss Widerspruch akzeptieren. Das ist kein Angriff auf demokratische Institutionen, sondern deren Voraussetzung.

Dass bei Tages-Anzeiger und Watson Kommentarspalten moderiert werden, ist legitim. Doch wenn Moderation den Eindruck erweckt, nur eine Richtung sei diskursfähig, entsteht ein Vertrauensproblem. Ein diskursives Treibhausklima nützt niemandem.

Ob ich persönlich für oder gegen eine Initiative stimme, bleibt meine Sache. Sarkasmus ersetzt keine Stimmabgabe. Sie ist kein Abstimmungskomitee. Sie ist ein Stachel. Wer sich daran stört, sollte prüfen, ob es der Stachel ist oder die eigene Sensibilität.

Die mediale Aufregung hatte letztlich einen paradoxen Effekt. Je stärker der Versuch, einen satirischen Text als problematisch zu brandmarken, desto größer wurde seine Reichweite. Ein klassischer Barbra-Streisand-Effekt: Was eingedämmt werden sollte, wurde multipliziert.

Denn eines belegt diese ganze Affäre auf jeden Fall auch: Offensichtlich wird RT DE in der Schweiz breit rezipiert, allen europäischen Versuchen der Eindämmung zum Trotz.

Und ich werde weiter schreiben. Mit Ironie, mit Zuspitzung, mit Kritik. Auch gelegentlich mit einem Witz, wenn die Ernsthaftigkeit des Betriebs wieder so trocken wird wie ein Stück Bündnerfleisch im Sitzungssaal.

Bü-Bü-Bündnerfleisch. Manchmal reicht ein einziges Wort, um ein ganzes linkes, wokes Mediensystem aus dem Takt zu bringen.

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