Meinung

Aufmarsch der "Jubelperser": Mit Mordaufrufen und Naziparolen für "westliche Werte"

Ein Riesenaufmarsch prowestlicher und proisraelischer Anhänger des aus den USA angereisten iranischen Schah-Sohns am Rande der Münchner "Sicherheitskonferenz" versetzte deutsche Medien und Politiker in Verzückung. Die Naziparolen und Mordaufrufe gegen Linke verschwiegen sie.
Aufmarsch der "Jubelperser": Mit Mordaufrufen und Naziparolen für "westliche Werte"© Urheberrechtlich geschützt

Von Alexandra Nollok

So hat es die "wertewestliche" Elite gerne: Vor der Münchner Sicherheitskonferenz (MSC) wehte am Samstag ein Meer aus Fahnen der iranischen Schah-Diktatur, dazu US-amerikanische, israelische, deutsche und einige Ukraine-Flaggen. Zehntausende Freunde des NATO-Imperialismus, teils angekarrt mit Bussen aus ganz Europa, jubelten dem aus den USA eingeflogenen Schah-Sohn Reza Pahlavi zu, darunter iranische Exil-Monarchisten, fanatische Trump-Anhänger, pro-israelische Aktivisten, rechtsextreme Nationalisten und allerlei Persönlichkeiten aus Politik und Wirtschaft. Teilnehmer riefen öffentlich zum Mord an Linken auf, Naziparolen erklangen. Das weckt Erinnerungen an den Maidan-Putsch in der Ukraine.

Propaganda für Krieg und Monarchie

Der NATO-Presse lieferte der illustre Auflauf von Schah-Anhängern aller Couleur (schon Pahlavis Vater kannte sich mit der Instrumentalisierung sogenannter "Jubelperser" aus) jedenfalls die passenden Bilder, um die Teilnehmerzahlen zusätzlich aufzublasen, "westliche Werte" abzufeiern, implizit israelische Verbrechen zu verharmlosen, einem US-Krieg gegen Iran – zu dem Pahlavi aufrief – mehr oder weniger subtil das Wort zu reden und den US-gesponserten Kapital-Monarchen als "Demokraten" zu verklären.

Dass Pahlavis Vater 1953 durch einen von den britischen und US-Geheimdiensten initiierten Putsch (Operation Ajax) an die Macht kam, nachdem der damalige demokratische Präsident Mohammad Mossadegh die iranische Ölindustrie verstaatlicht hatte, und bis zur iranischen Revolution 1979 eine grausame Diktatur führte, die die Bevölkerung in Armut hielt und vor allem linke Oppositionelle wegsperren, foltern oder gleich hinrichten ließ, sparten deutsche Leitmedien in ihrer Berichterstattung weitgehend aus.

CIA-gestützt und pro-israelisch

Mit keinem Wort erwähnte die deutsche Presse die expliziten Hinweise auf millionenschwere, gesteuerte Internetkampagnen für die angebliche "Lichtgestalt" im US-Exil, dessen Vater 1979 vor seiner Flucht aus dem Iran noch rechtzeitig seine zusammengeraubten Millionen gesichert hatte, von denen Pahlavi angeblich bis heute lebt. Dass er von der CIA massiv unterstützt wurde, ist zumindest für die Vergangenheit belegt – und es ist wenig plausibel, dass es damit vorbei sein könnte. Auch zur israelischen Politik pflegt er bis heute beste Verbindungen

Als Marionette der westlichen Oligarchie durfte sich Pahlavi bei der MSC medienwirksam als Führer des iranischen Widerstands inszenieren.  Getarnt als "neutrale Berichterstattung" stimmten viele Leitmedien, darunter das ZDF, in den Chor der "Jubelperser" ein. 

Mordaufrufe und Naziparolen

Knallharter Antikommunismus gehört zu Pahlavis Programm. Die Zeit berichtete, die Demo-Organisatoren hätten den Teilnehmern beim Auftakt geraten, entsprechende Parolen semantisch abzumildern: Statt "Tod den drei Korrupten" sollten sie rufen: "Schande über die drei Korrupten". Der Slogan richtet sich nicht nur gegen die Mullahs, sondern auch gegen deren linke Opposition inner- und außerhalb Irans.

Was die Zeit und andere Medien geflissentlich verschwiegen: Bei diesem Slogan blieb es nicht. Videos belegen, wie Demonstranten lautstark Mordaufrufe auf Persisch skandieren, darunter: "Tod den Linken! – Wir sind Arier, wir verehren keine Araber!" Pahlavi selbst rief demnach augenscheinlich von der Bühne:

"Ein Volk, ein Reich, ein Führer!"

Das Publikum zollte der astreinen Naziparole frenetischen Beifall, während die Polizei nur zusah. Dass es der Staatsgewalt in München an Persisch-Übersetzern gemangelt haben könnte, ist wohl auszuschließen.

Wer hat das bezahlt?

Als Hauptorganisator des Münchner Aufmarschs im Rahmen eines "weltweiten Aktionstages" der pro-westlichen Schah-Monarchisten firmiert der eher unscheinbare Verein für Exil-Iraner namens "The Munich Circle" (Der Münchner Zirkel).  Auf seiner Webseite gibt er sich als "parteipolitisch neutral" und "frei von Ideologien" aus.

Sein Aufruf gibt derweil ein völlig anderes Bild ab. Dort heißt es in der Überschrift: "Solidarität mit der Löwen- und Sonnenrevolution im Iran." Der Löwe und die Sonne sind explizite Schah-Symbole, die Demonstranten massenhaft auf Flaggen zur Schau stellten. Für eine Rückkehr des Schah-Sohns aus den USA als neuer Diktator standen die meisten Demonstranten in Iran ganz sicher nicht – anders als manch ein Exil-Iraner.

Unklar bleibt, woher das viele Geld denn stammt, das die Großkundgebung verschlungen haben muss – inklusive wohl hunderter gecharterter Busse, mit denen die iranischen und nicht iranischen Schah-Anhänger verbilligt und teils mit ausgiebiger Verpflegung aus dem In- und Ausland angereist waren. 

Vasallen für die US-Oligarchie

Es hat wohl seinen Grund, weshalb sich republikanische US-Politiker wie Senator Lindsey Graham (mit MAGA-Käppi) und pro-israelische Propagandisten wie Michel Friedmann auf der Bühne "die Klinke in die Hand" gaben. Hellhörig werden sollte man auch, wenn deutsche Medien und hochrangige Politiker von der CDU über die SPD und die Grünen bis hin zur AfD, die sich sonst gern als Vorzeigedemokraten (und Tonangeber über die ganze Welt) aufspielen, nun plötzlich für einen monarchistischen Umsturz in Iran, made in USA, teils sehr euphorisch werben.

Da darf man schon mal über finanzkräftige Unterstützer und aktive Propaganda-Netzwerke spekulieren. Die sind eher nicht an Menschenrechten in Iran (und anderswo) interessiert, dafür womöglich an etwas ganz anderem: der globalen Errichtung (faschistischer) Vasallendiktaturen zugunsten der US-Oligarchie, um deren imperiale Weltmacht neu abzusichern. Der Trend geht jedenfalls genau dahin – auch in Europa.

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