
Dugin: Donald Trump hat den Westen in fünf Teile gerissen
Von Alexander Dugin
Vor unseren Augen bricht die Vorstellung vom kollektiven Westen zusammen, d. h. von einer solidarischen und ziemlich vorhersehbaren Politik der wichtigsten westlichen Mächte und derjenigen Länder, die vollständig im Kielwasser des Westens segeln. Einen solchen Konsens gibt es nicht mehr. Globalistische Projekte geraten ins Wanken, sogar die euroatlantische Einheit, das Schicksal der NATO und der UNO stehen in Frage.
Donald Trump hat offen erklärt, dass ihn das Völkerrecht nicht interessiert und er nach seinen eigenen Vorstellungen davon handelt, was moralisch ist und was nicht. Trumps Forderung nach einem Anschluss Grönlands an die USA und seine Drohung mit der Annexion Kanadas, seine von den europäischen Mächten stark abweichende Haltung gegenüber der Ukraine und Israel (keine bedingungslose Unterstützung des Selenskij-Regimes, sondern die uneingeschränkte Unterstützung Benjamin Netanjahus und seiner Nahostpolitik) verschärfen die sich abzeichnende und fast schon vollzogene Spaltung noch weiter.

In einer Situation, in der der kollektive Westen als einheitliches politisches, ideologisches und geopolitisches Ganzes nicht mehr existiert, zeichnet sich allmählich eine neue Landkarte ab, auf der an seiner Stelle mehrere separate und manchmal miteinander konkurrierende Formationen entstehen. Dies ist noch kein abgeschlossenes Modell, sondern nur ein Prozess mit offenem Ausgang. Dennoch lässt sich bereits jetzt davon ausgehen, dass anstelle des einheitlichen Westens fünf separate geopolitische Einheiten entstehen werden. Versuchen wir, diese zu beschreiben.
Westen Nummer eins: USA unter Trump 2.0
Trumps geopolitische Ansichten unterscheiden sich stark von der globalistischen Strategie, die von früheren Regierungen verfolgt wurde, und zwar nicht nur unter den Demokraten, sondern auch unter den Republikanern (wie unter George W. Bush). Trump verkündet offen eine direkte US-Hegemonie, die mehrere Stufen umfasst. Zuallererst möchte er die Dominanz der USA im gesamten amerikanischen Kontinent festigen. Genau dies spiegelt sich in der neuesten Fassung der Nationalen Sicherheitsstrategie wider, in der Trump direkt auf die Monroe-Doktrin Bezug nimmt und sie um seine eigene Vision ergänzt.
Die Monroe-Doktrin wurde am 2. Dezember 1823 von Präsident James Monroe in seiner jährlichen Botschaft an den Kongress formuliert. Als Hauptgedanke wurde die vollständige Unabhängigkeit der Neuen Welt von der Alten Welt (d. h. von den europäischen Metropolen) genannt, und die USA wurden als die wichtigste politisch-wirtschaftliche Kraft angesehen, die die Staaten beider Amerikas von der europäischen Kontrolle befreien sollte. Es wurde nicht direkt gesagt, dass eine Form des Kolonialismus (der europäische) durch eine andere (die der USA) ersetzt werden sollte, aber eine gewisse Hegemonie der USA in der Region wurde impliziert.
In ihrer modernen Auslegung unter Berücksichtigung der Neuerungen Trumps sieht die Monroe-Doktrin Folgendes vor:
– die vollständige und absolute Souveränität der USA und ihre Unabhängigkeit von jeglichen transnationalen Institutionen, die Ablehnung des Globalismus;
– die Unterbindung wesentlicher geopolitischer Einflüsse anderer Großmächte (China, Russland sowie europäischer Länder) auf alle Länder Nord- und Südamerikas;
– die Etablierung einer direkten militärisch-politischen und wirtschaftlichen Hegemonie der USA über Nord- und Südamerika und die angrenzenden Ozeangebiete.
Zu dieser Doktrin passt die Förderung von Regimes in Lateinamerika, die den USA untertan sind, die Absetzung von Politikern, die Washington nicht genehm sind, und die Einmischung in die inneren Angelegenheiten aller Staaten dieser Region – manchmal unter dem Vorwand der Bekämpfung des Drogenhandels, der illegalen Einwanderung und sogar des Kommunismus (Venezuela, Kuba, Nicaragua). Im Großen und Ganzen unterscheidet sich dies nicht wesentlich von der Politik, die die USA im 20. Jahrhundert verfolgt haben.
Das Neue an Trumps Doktrin ist sein Anspruch auf die Annexion Grönlands und Kanadas sowie seine geringschätzige Haltung gegenüber Europa und den NATO-Partnern.
Im Wesentlichen werden die USA hier zu einem Imperium erklärt, das von Limitorfen umgeben ist, die in vasallischer Abhängigkeit von der Metropole stehen müssen. Dies spiegelt sich auch im Hauptslogan von Trumps Politik "Make America Great Again" oder seinem Synonym "America First" wider.
Trump verfolgt diese Linie während seiner zweiten Amtszeit viel konsequenter als während seiner ersten Amtszeit, was das globale Kräfteverhältnis drastisch verändert. Man kann einen solchen trumpistischen, US-zentrierten Westen als den Westen Nummer eins betrachten.
Westen Nummer zwei: Die EU
An zweiter Stelle steht die Europäische Union, die sich in einer sehr schwierigen Lage befindet. Viele Jahrzehnte lang orientierten sich die EU-Länder in ihrer Politik, Sicherheit und sogar Wirtschaft im Rahmen der atlantischen Partnerschaft an den USA und entschieden sich jedes Mal zwischen europäischer Souveränität und Unterwerfung unter Washington für Letzteres. Dabei gaben die früheren US-Regierungen vor, die Europäer als fast gleichberechtigte Partner zu betrachten und auf ihre Meinung zu hören, was die Illusion eines Konsens des kollektiven Westens schuf. Trump hat dieses Modell zerstört und die Europäische Union brutal gezwungen, ihre Vasallenstellung anzuerkennen.
So sprach der belgische Premierminister Bart De Wever im Januar 2026 auf dem Weltwirtschaftsforum in Davos in Zusammenhang mit der Abhängigkeit Europas von den USA offen von "glücklichen Vasallen" und "unglücklichen Sklaven". Früher waren die europäischen Eliten "glückliche Vasallen". Trump betrachtete diese Situation aus einem anderen Blickwinkel, und sie fühlten sich wie "unglückliche Sklaven". Er betonte die Wahl zwischen Selbstachtung und dem Verlust der Würde angesichts des Drucks Washingtons in Bezug auf die Annexion Grönlands, aber die Europäische Union ist offensichtlich noch nicht bereit für eine solche Entscheidung.
In dieser neuen Situation ist die EU gegen ihren Willen zu etwas Eigenständigem geworden. Emmanuel Macron und Merz sprachen über die Notwendigkeit, ein europäisches Sicherheitssystem zu schaffen, in einer Situation, in der die USA weniger ein Garant für diese Sicherheit sind als vielmehr eine neue ernsthafte Bedrohung darstellen. Bislang hat die EU noch keine entschiedenen Maßnahmen ergriffen, aber die Konturen eines zweiten Westens werden immer deutlicher. Die Position der EU zur Ukraine unterscheidet sich erheblich von der Position Trumps: Der US-Präsident will diesen seiner Meinung nach unnötigen Krieg mit Russland beenden (zumindest behauptet er das), während die EU im Gegenteil bestrebt ist, ihn zu Ende zu führen, und zu einer direkten Beteiligung neigt.
Auch in Bezug auf Netanjahu und den Völkermord an den Palästinensern im Gazastreifen unterscheiden sich die Positionen des Westens Nummer eins und des Westens Nummer zwei. Trump unterstützt dies voll und ganz, während die EU es in großen Teilen verurteilt.
Westen Nummer drei: Großbritannien
Vor dem Hintergrund dieser atlantischen Spaltung durch Großbritannien nach dem Brexit zeichnet sich ein weiterer Pol ab – der Westen Nummer drei. Einerseits steht die linksliberale Regierung von Starmer in den wesentlichen Punkten der EU nahe, andererseits unterhält London traditionell enge Beziehungen zu den USA und fungiert als Aufseher der europäischen Prozesse seitens Washington. Gleichzeitig ist Großbritannien jedoch weder Mitglied der EU noch unterstützt es die Linie Trumps, die ihm die wenig beneidenswerte Rolle eines Vasallen zuweist, von der der belgische Premierminister spricht.
Großbritannien kann nicht mehr die Rolle eines internationalen Vermittlers spielen, da es in einer Reihe von Situationen zu einer interessierten Partei geworden ist. Vor allem im Ukraine-Konflikt, wo es vollständig die Position Kiews eingenommen hat und darüber hinaus die Eskalation der Beziehungen zu Russland bis hin zur direkten militärischen Beteiligung auf der Seite des Selenskij-Regimes initiiert hat. Gerade der Besuch des britischen Premierministers Boris Johnson in der Ukraine hat die Istanbuler Vereinbarungen von 2022 zunichtegemacht.
Aber der britische Westen Nummer drei kann auch nicht zu seiner früheren imperialen Politik zurückkehren. Die Ressourcen des heutigen England, sein wirtschaftlicher Niedergang und der Zusammenbruch seiner Migrationspolitik – ja, und seine Größe insgesamt – erlauben es ihm nicht, eine wirklich führende Rolle innerhalb des britischen Commonwealth zu spielen oder zur Hegemonialmacht Europas zu werden.
Westen Nummer vier: Die Globalisten
Wenn wir die Ideologie, die organisatorischen Netzwerke und Institutionen von Globalisten wie George Soros, dem Weltwirtschaftsforum und anderen internationalen Organisationen, die sich für die Idee einer Weltregierung und einer einheitlichen Welt einsetzen, separat betrachten, erhalten wir den Westen Nummer vier. Genau dieser Westen gab in der früheren Phase den Ton an und war die wichtigste und vereinheitlichende Kraft, dank derer man von einem "kollektiven Westen" sprechen konnte. Diese Kreise wurden von der globalistischen Elite in den USA selbst vertreten – in Gestalt ebenjenes "Tiefen Staates", gegen den Trump zu kämpfen begann. Dabei handelt es sich in erster Linie um die Spitze der Demokratischen Partei sowie um einen Teil der neokonservativen Republikaner, die eine Zwischenposition zwischen Trump mit seinem "America First" sowie dem klassischen Globalismus einnehmen. Die meisten EU-Spitzenpolitiker und Starmer selbst gehören genau zu diesem globalistischen Projekt, dessen Positionen unter Trump erheblich geschwächt wurden, was zu einer Spaltung des Westens in mehrere deutlich unterschiedliche Pole geführt hat.
Ein typisches Beispiel für den Westen Nummer vier, der bis vor kurzem noch der einzige und wichtigste war, ist die Position Kanadas. Auf dem jüngsten Weltwirtschaftsforum in Davos erklärte der kanadische Premierminister Mark Carney, dass die bestehende Weltordnung zerfällt und sich die Welt in einem Zustand des Bruchs und nicht des Übergangs befindet. Die Großmächte nutzen die Wirtschaft als Waffe – Zölle, Lieferketten und Infrastruktur, um Druck auszuüben, was seiner Meinung nach zu einer Deglobalisierung führt. Gleichzeitig wies er Trumps Behauptungen über die Abhängigkeit Kanadas von den USA zurück und forderte die mittleren Mächte auf, sich gegen die Hegemonie des Trumpismus zu vereinen, ihre Beziehungen zu diversifizieren (einschließlich einer Annäherung an China) und dem Populismus entgegenzutreten.
Dies ist ein Zeichen dafür, dass sich der Westen Nummer vier allmählich zu einer besonderen Gemeinschaft nach ideologischen und geopolitischen Prinzipien herausbildet – vor allem in direkter und immer härterer Opposition zum Trumpismus als Westen Nummer eins.
Westen Nummer fünf: Israel
Und schließlich hat sich in den letzten Jahren und erneut besonders deutlich nach dem Beginn von Trumps zweiter Amtszeit ein weiterer Westen zu Wort gemeldet – der fünfte Westen. Dabei handelt es sich um das Israel von Benjamin Netanjahu. Dieses kleine Land, das in lebenswichtiger Weise von den USA und Europa abhängig ist, mit begrenzten demografischen Ressourcen und einer lokalen Wirtschaft, beansprucht zunehmend für sich, eine eigenständige Zivilisation zu sein und eine wichtige, aus Sicht der Israelis sogar eine außergewöhnliche Rolle im Schicksal des Westens insgesamt zu spielen, dessen Vorposten es im Nahen Osten ist.

Bis zu einem gewissen Punkt konnte Israel als Stellvertreter der USA betrachtet werden, also als ein weiterer, wenn auch privilegierter und beliebter Vasall. Die Politik Netanjahus und des radikalen rechtszionistischen Flügels, auf den er sich stützt, sowie das offenbar gewordene Ausmaß des Einflusses der israelischen zionistischen Lobby auf die Politik der Vereinigten Staaten haben jedoch dazu geführt, dass man die Dinge in einem anderen Licht betrachtet.
Erstens haben das Ausmaß der Vernichtung der friedlichen Bevölkerung des Gazastreifens durch Netanjahu und der Aufstieg radikaler politisch-religiöser Persönlichkeiten, die offen ihre Ausrichtung auf den Aufbau eines Großisraels verkünden (Itamar Ben-Gvir, Bezalel Smotrich, Dov Lior und andere) lösten auch im Westen Ablehnung aus – vor allem in den Ländern mit den Nummern zwei, drei und vier. Weder die Europäische Union noch Starmers Großbritannien noch Globalisten wie Soros unterstützten Netanjahu in seinen härtesten Maßnahmen – darunter auch in der Frage eines Krieges mit dem Iran.
Zweitens hat Trumps uneingeschränkte und bedingungslose Unterstützung für Netanjahu die Trump-Anhänger gespalten, die in den sozialen Netzwerken eine riesige Welle gegen den Einfluss Israels und seine Netzwerke in der US-Politik ausgelöst haben. Jeder Republikaner oder Vertreter der Trump-Administration wurde bei öffentlichen Auftritten und in den sozialen Netzwerken mit der Frage bombardiert: America First oder Israel First? Was ist Ihnen wichtiger: die USA oder Israel? Das brachte viele in Verlegenheit und ruinierte Karrieren. Sich für das eine oder das andere zu entscheiden, bedeutete entweder die Ächtung durch die Massen oder durch eine unglaublich einflussreiche Lobby.
Die Veröffentlichung der Epstein-Akten verstärkte nur die Befürchtungen derjenigen, die den Einfluss Israels auf die US-Politik für übermäßig und unverhältnismäßig hielten. Es entstand der Eindruck, dass Tel Aviv und sein Einflussnetzwerk eine eigenständige und äußerst wichtige Instanz darstellen, die in der Lage ist, mächtigen Großmächten ihren Willen aufzuzwingen.
So entstand der fünfte Westen – mit seiner eigenen Agenda, seiner eigenen Ideologie und seiner eigenen Geopolitik.
Schlussfolgerung
Beenden wir diese kurze Analyse des gespaltenen Westens mit einem Vergleich der Haltung dieser Pole zum Krieg in der Ukraine. Für uns ist dies wohl das wichtigste Kriterium.
Am wenigsten interessiert sich der Westen Nummer fünf für diesen Konflikt. Für Netanjahu ist Putins Russland kein Hauptgegner, und das Regime in Kiew genießt keine uneingeschränkte Unterstützung durch die rechtsgerichteten Netzwerke. In dem Maße, in dem Russland strategisch, politisch, wirtschaftlich und vor allem militärisch antiisraelische Kräfte im Nahen Osten – insbesondere den Iran – unterstützt, steht der Westen Nummer fünf in einer Reihe lokaler Konflikteobjektiv auf der Russland gegenüberliegenden Seite. Dies führt jedoch nicht zu einer direkten Unterstützung des Regimes von Selenskij. Allerdings steht Israel sicherlich auch nicht auf unserer Seite.
Insgesamt betrachtet weder der Westen noch Trump Russland als Hauptfeind und Hauptziel. Von Zeit zu Zeit bringt er antirussische Argumente vor (insbesondere, indem er die Notwendigkeit der Annexion Grönlands mit Sicherheitserwägungen der USA angesichts eines möglichen Atomangriffs Russlands begründet), übt weiterhin multilateralen Druck auf Moskau aus und versorgt Kiew mit Waffen. Man kann Trumps Politik nicht als freundlich uns gegenüber bezeichnen, aber im Vergleich zu anderen Kräften im gespaltenen (und von Trump selbst gespaltenen) Westen ist seine antirussische Haltung nicht extrem.
Ganz anders verhält es sich mit den Westmächten Nummer zwei, drei und vier. Sowohl die Europäische Union als auch Starmers Großbritannien und globalistische Netzwerke (einschließlich der Demokratischen Partei der USA und der Regierung von Carney in Kanada) vertreten radikal antirussische Positionen, unterstützen bedingungslos das Regime von Selenskij und sind bereit, der Ukraine weiterhin jede erdenkliche Unterstützung zu gewähren, einschließlich direkter militärischer Hilfe. Hier dominiert die globalistische Einstellung, dass Putins Russland, das sich dem Traditionalismus und Konservatismus zugewandt hat, entschlossen ist, eine multipolare Welt aufzubauen und seine zivilisatorische Souveränität zu behaupten, und sowohl ideologisch als auch geopolitisch den Plänen der Globalisten zur Schaffung einer Weltregierung und einer einheitlichen Welt entgegensteht. Ein Beispiel für einen solchen globalistischen Staat ist die Europäische Union, deren Modell nach Ansicht der Globalisten schrittweise auf die gesamte Menschheit ausgedehnt werden sollte – ohne Nationalstaaten, Religionen, Nationen und Ethnien.
Aber für den Westen Nummer zwei und insbesondere für den Westen Nummer vier ist nicht nur Putin, sondern auch Trump selbst ein echter Feind. Daraus entstand der politische Mythos, dass Trump für Russland arbeite. Der US-Präsident hat den kollektiven Westen gespalten und tatsächlich die zuvor dominierenden Globalisten aus ihrer zentralen Position verdrängt. Aber er hat dies keineswegs im Interesse Putins und Russlands getan, sondern aufgrund seiner eigenen Vorstellungen und Überzeugungen.
Wenn man den Trend der Spaltung zwischen dem Westen Nummer eins und Nummer zwei in Zukunft fortsetzt, ist es denkbar, dass die Widersprüche zwischen Brüssel und Washington so stark zunehmen, dass die europäischen Staats- und Regierungschefs darüber nachdenken, sich in einer solchen Situation an Russland zu wenden, um Trumps wachsenden Appetit und seine allgemeine Aggressivität auszugleichen. Schwache Andeutungen dieser Möglichkeit lassen sich in einzelnen Äußerungen Macrons und Merz' vor dem Hintergrund der Eskalation der Situation um Grönland erkennen. Derzeit ist dies noch sehr unwahrscheinlich, aber eine Verschärfung der Spaltung des Westens in fünf Einheiten könnte eine solche Möglichkeit realistischer machen.
Und schließlich ist der Westen Nummer drei in Gestalt Großbritanniens einer der Hauptpole der Feindseligkeit und des Hasses auf Russland. Es ist schwer, dies rational zu erklären, denn Großbritannien hat keine realistischen Chancen, seine Hegemonie wiederherzustellen. Wenn früher das große Spiel zwischen Großbritannien und Russland eine der wichtigsten, wenn nicht sogar die wichtigste Machtlinie der Weltpolitik war, so haben die Briten in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts ihren Status als Weltmacht vollständig verloren und ihn an die USA, ihre ehemalige Kolonie, abgegeben. Aber auch mit dem bloßen Phantomschmerz längst vergangener Vorherrschaft lässt sich die unglaublich hohe Russophobie der heutigen englischen Eliten nicht erklären.
Der kollektive Westen ist also in fünf weitgehend eigenständige Machtzentren gespalten. Wie sich das Mosaik in Zukunft entwickeln wird, ist schwer vorherzusagen, es ist jedoch offensichtlich, dass wir diese Umstände bei unserer Analyse der internationalen Lage berücksichtigen müssen. Und insbesondere bei der Ermittlung des geopolitischen und ideologischen Kontexts, in dem sich unsere militärische Sonderoperation in der Ukraine entfaltet.
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 12. Februar 2026 auf ria.ru erschinen.
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