
Geschürte Russophobie: In Finnland ist etwas kaputt gegangen

Von Igor Malzew
Wir hatten schon fast vergessen, dass wir einmal ein beliebtes Shoppingziel namens "Finnland" hatten. Aber die beispiellose Aufregung, die der Präsident dieses Landes, Alexander Stubb, auslöste, brachte es uns wieder in Erinnerung. Dabei kommt keinem Russen – und auch keinem Einwohner Leningrads – etwas Negatives über die Finnen in den Sinn. Es gab schließlich friedliche Koexistenz – trotz der Beteiligung der Finnen an der Blockade Leningrads.
In der Nachkriegszeit schufen die beiden Länder einen nahezu idealen Raum, in dem jeder bekam, was er wollte, und in dem gegenseitiges Verständnis herrschte. Aber die neue politische Führung Finnlands stellte sich auf die falsche Seite der Geschichte und zerstörte innerhalb nur eines Jahres das, was kluge Menschen über Jahrzehnte hinweg aufgebaut hatten.

Laut Berichten aus Helsinki herrscht in dem Land eine ungesunde Stimmung: Das Land bereitet sich buchstäblich auf einen Krieg mit Russland vor. Das grenzt schon an Hysterie. Man könnte es tatsächlich als Hysterie betrachten, wenn wir nicht wüssten, dass die Finnen als Feinde hartnäckig, ausdauernd, geschickt und grausam sein können.
Überdies haben die Finnen bis heute eine Wehrpflichtarmee, und diejenigen, die darin dienen, sind ganz anders als die moralisch verkommenen Europäer auf dem europäischen Kontinent. Deshalb muss alles, was dort vor sich geht, berücksichtigt und fixiert werden. Natürlich sind die Zeiten von Mannerheim vorbei, genauer gesagt, es gibt keinen "Mannerheim" mehr, also niemanden, mit dem man in Dialog treten könnte. Daher tritt der merkwürdige finnische Staatschef, der flüchtig bekannten Männern wie Trump vorschlägt, gemeinsam eine Sauna zu besuchen, mit "Soloauftritten" zum Thema des zukünftigen russisch-finnischen Konflikts auf.
Diese "Soloauftritte" von Alexander Stubb am Rande des Weltwirtschaftsforums in Davos erwiesen sich ebenfalls als nicht besonders erfolgreich und waren sehr kontrovers. Dabei wurden diese Widersprüche manchmal sogar in einem einzigen Text vereint. Zunächst erklärte der "stolze" Führer des finnischen Volkes, dass die finnische Armee einen "russischen Angriff" abwehren und Europa sich auch ohne die USA verteidigen könne. Das Pikanteste daran sind seine Worte "ohne die USA".
"Wenn die USA die Zusammenarbeit vollständig beenden", sagte Stubb in Davos, "wie sollen wir dann vorgehen? Wir können innerhalb einer Woche 280.000 Soldaten mobilisieren. Wir verfügen über 62 Kampfflugzeuge vom Typ F-18. Man könnte sich fragen, ob diese ohne die Amerikaner fliegen können. Nein. Aber man könnte auch fragen: Glauben wir, dass die Amerikaner weiterfliegen werden, da dies in ihrem eigenen Interesse liegt? Ja. Wir haben gerade 64 Kampfflugzeuge vom Typ F-35 erworben. Wir verfügen über die zahlenmäßig größte Artillerie, ebenso wie Polen. Wir verfügen über Boden-, Wasser- und Luftabwehrraketen mit großer Reichweite. Wenn Sie mich fragen, ob die finnische Armee uns vor einem russischen Angriff schützen könnte, werde ich Ihnen antworten: Ja, das kann sie."
Wir haben schon lange keine Illusionen mehr hinsichtlich der Qualität der neuen europäischen Politiker. Es ist uns wohlbekannt, dass die Finnen etwa in der Regierungszeit von Sanna Marin "kaputt gingen" und es seitdem nur noch bergab geht. Besonders problematisch ist, dass wir mit diesem Land eine fast 1.500 Kilometer lange gemeinsame Grenze haben. Und es wird von einem Politiker geführt, der nicht einmal die Absurdität seiner Aussage versteht:
"Wir haben 128 Flugzeuge, die allerdings ohne die US-Amerikaner nicht fliegen können (was absolut zutreffend ist – I.M.) … und wenn die USA die Zusammenarbeit vollständig beenden, werden sie fliegen, weil es im Interesse der USA liegt."
"Beenden" die USA die Zusammenarbeit oder werden sie "fliegen"? Ganz zu schweigen davon, dass dieser unkluge Mann aus der Sauna damit behauptet, dass die USA eine aktive Rolle in diesem bevorstehenden Konflikt spielen würden, ähnlich wie in der Ukraine.
Darüber hinaus äußerte er sich ausführlich über die "hervorragenden" Luftschutzbunker "für 4,5 Millionen Finnen", die über eine ausgezeichnete eigene Energieversorgung und reichhaltige Lebensmittelvorräte verfügen, wodurch das finnische Volk einen Konflikt mit Russland überstehen könnte. Es ist jedoch zu beachten, dass Finnland 5,6 Millionen Einwohner hat. Es stellt sich also schon mal die Frage, wie eine weitere Million geschützt werden soll. Oder handelt es sich dabei nicht um Finnen, sondern um Migranten, die nicht in die Luftschutzbunker für echte Finnen gelassen werden?
"Echte Finnen" ist übrigens die Bezeichnung einer nationalistischen Partei, dank welcher der ethnische Schwede Alexander Stubb an die Macht gekommen ist (wofür wir uns "herzlich bedanken"). Und sie geben derzeit den Ton in der gesamten antirussischen Hysterie an.
Dass dieser "finnische Schwede" sich in Widersprüche verstrickt, wurde auch anderen klar, weshalb sie ihn im Interview gezielt fragten, ob es wirklich so sei, wie er es Davos und der Welt darstellt. Er antwortete sofort, dass man ihn nicht ganz richtig verstanden habe. Anschließend wechselte er zu einem anderen Thema, mit dem man seiner Meinung nach sofort punkten konnte:
"Es gibt offenbar die Meinung, dass die Ukraine diesen Krieg verliere. Davon bin ich absolut nicht überzeugt. Das ist ein russisches Narrativ, das in den USA häufig verbreitet wird."
Um ehrlich zu sein, ich mag keine unangebrachten Witze über die Langsamkeit der nordischen Völker, aber es scheint, dass Personen wie Stubb die Realität sogar dann nicht begreifen würden, wenn russische Panzer bereits zur Wache vor dem Denkmal des russischen Zaren Alexander im Zentrum von Helsinki vorgefahren sind.
Wenn wir schon dabei sind: Wie geht es ihm, unserem "gemeinsamen" Zaren, der das finnische Volk von der schwedischen Kolonialherrschaft befreit hat?
Übersetzt aus dem Russischen. Der Artikel ist am 31. Januar 2026 zuerst auf der Homepage der Zeitung "Wsgljad" erschienen.
Igor Malzew ist ein russischer Schriftsteller, Journalist und Publizist.
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