
Welch ein Schauspiel: Lars Klingbeil gibt gegen Trump den Kerl

Von Dagmar Henn
Man sollte rechtzeitig den Blick auf dieses Schauspiel richten, denn allzu lange dürfte es nicht dauern. Lars Klingbeil, des Merz Friedrichs sozialdemokratischer Schatten, macht auf ganz mutig, was Grönland angeht: "Wir erleben gerade ständig neue Provokationen, wir erleben ständig ein neues Gegeneinander, das Präsident Trump sucht. Und hier müssen wir Europäer deutlich machen, die Grenze ist erreicht", erklärte er auf einer Pressekonferenz zusammen mit seinem französischen Amtskollegen, Finanzminister Roland Lescure.
"Es gibt gesetzlich festgelegt einen europäischen Instrumentenkasten, wie wir auf wirtschaftliche Erpressung mit sehr empfindlichen Maßnahmen reagieren können und wir sollten den Einsatz dieser Maßnahmen jetzt prüfen", legte er dann noch nach. Die letzte Runde Reaktion der EU auf wirtschaftliche Erpressung war das hemmungslose Einknicken einer gewissen Frau von der Leyen in den Zollverhandlungen mit Trump im vergangenen August. Und der Koitus interruptus der Bundeswehr in Grönland erweckt auch nicht gerade den Eindruck überschäumenden Mutes.

Aber Klingbeil gibt den Kerl. "Die Menschen erwarten jetzt auch von der Politik in Deutschland – und ich kann jetzt erstmal nur für Deutschland reden –, dass man sich da nicht erpressen lässt, sondern dass man was dagegensetzt."
Nun, es gibt eine ganz einfache Möglichkeit. Der Ukraine den lang verdienten Tritt verpassen und dann in Moskau lieb bitte, bitte machen, wobei man dann auch gleich darum bitten könnte, den verbliebenen Strang von Nord Stream mit Gas zu beschicken. Das wäre eine relativ schnelle Abhilfe und würde auch sonst viel an Geld und Nerven sparen. Und dem Fernsehprogramm vielleicht sogar Zuschauer zurückbringen, die zuletzt diese ständige Kriegspropaganda nicht mehr ertragen haben. Sowieso gibt es weltweit nur ein Land mit einer nennenswerten Zahl von Eisbrechern, die ganzjährig um ganz Grönland herumfahren können.
Nur – glaubt dem Klingbeil das irgendjemand? Ich meine, in Deutschland, von US-Präsident Donald Trump wollen wir da gar nicht anfangen. Sich nicht erpressen zu lassen? Da muss man doch nur Nord Stream sagen, und schon wälzt sich alles vor Lachen auf dem Boden. Noch ganz ohne Flintenuschis irreale Zusage, US-LNG für 750 Milliarden US-Dollar zu kaufen. Nicht umsonst haben Spötter im Netz das Verhalten der EU-Granden gegenüber den USA schon mit dem misshandelter Ehefrauen verglichen, die am Tag nach der letzten Prügelorgie wieder Stein und Bein schwören, dass ihr Mann sie doch eigentlich innig liebt. Und ob Russland da noch groß Lust hat, das Frauenhaus zu stellen, in das sie sich flüchten könnte, ist nach den letzten Jahren auch zweifelhaft.
Nun, Flexibilität hat er in seiner Karriere längst bewiesen. Immerhin war der ehemalige Wehrdienstverweigerer zwischenzeitlich sogar im Präsidium der Deutschen Gesellschaft für Wehrtechnik, eines der Lobbyvereine der Rüstungsindustrie. Da ist also schon belegt, dass er sich willig wendet. Das gilt in Bezug auf seine Haltung zu Russland übrigens auch; schließlich arbeitete er als Student einmal im Wahlkreisbüro von Gerhard Schröder. Allerdings wäre diese Pirouette dann deutlich schneller und auffälliger als alle anderen zuvor, wenn er dann erklären wird, irgendwie könne man eben doch nichts machen, wenn Trump nach Grönland greife.
Ja, wenn man vorher im kleinen Maßstab mal zu üben angefangen hätte. Also etwa dem Kiewer Clown mal die Milliarden abgeschlagen oder mal Brüssel darauf hingewiesen, dass von der deutschen Volkswirtschaft ohne Industrie nicht mehr viel übrig ist und daher dieser Unfug mit der Energieversorgung ein Ende haben muss. Aber der Muskel, den Klingbeil da vor aller Augen anzuspannen meint, ist längst atrophiert, und er selbst ist in der Vertretung deutscher Interessen so glaubwürdig wie – nein, ich will die Gebrauchtwagenhändler nicht verunglimpfen.
Vielleicht ist das für Klingbeil ja nur eine Art vorübergehende Entlastungsgymnastik. Weil die gebückte Haltung auf Dauer doch schmerzhaft wird. Wobei – das würde ja nachgerade ein Rückgrat voraussetzen. Dabei ist in der deutschen Politik schon lange der Amöbenfilter installiert, und das Fehlen dieser knöchernen Verstärkung der Körperachse ist erste Voraussetzung für jede Karriere ...
Und irgendwie ist es auch putzig, wenn ein Politiker, der immerhin schon seit Merkel-Zeiten immer irgendwie in der SPD-Spitze jahrelang daran mitgewirkt hat, Deutschland für die USA maximal erpressbar zu machen, indem alle Brücken Richtung Osten abgebrochen oder zumindest angesägt wurden, sich jetzt beklagt, der große Bruder wolle einen erpressen. So, als hätte man zehn Jahre lang Schutzgeld an Vito Corleone gezahlt (oder, eigentlich, für ihn sogar selbst Schutzgeld eingetrieben) und würde jetzt empört erklären, der Mann sei ja ein Mafioso, und man lasse sich nicht erpressen.
In den letzten Tagen kursierten auch schon Überlegungen zu kühnen Drohungen, wie, man könne die Fußball-WM im kommenden Sommer boykottieren. Wobei die ohnehin ein ödes Schauspiel werden dürfte, da weder lateinamerikanische noch afrikanische Fans einreisen dürfen. Und ein Fehlen der Deutschen wird inzwischen kaum mehr bemerkt, wir schreiben nicht mehr das Jahr 1974. Aber Klingbeil hat sich wohl mit Lescure darauf geeinigt, mit einer Aufhebung von von der Leyens Zolleinigung zu drohen, und raunt etwas von irgendwelchen empfindlichen Maßnahmen.
Der lustigste Vorschlag bisher war, die Dänen sollten den Export von Ozempic in die USA einstellen. Aber egal, welche Fantasien kreisen und was Klingbeil mit Lescure ausbrütet, am Ende gibt es eben nur die Wahl zwischen völliger Unterwerfung und einer Wende Richtung Russland, und selbst wenn Klingbeil sich vor dem Vortrag seiner starken Sprüche das Hemd vom Leib gerissen und sich in ein grünes Monster verwandelt hätte, wie diese Entscheidung aussehen wird, wissen alle schon jetzt.
Aber vielleicht hat Klingbeil das ja nur gemacht, weil er im Jahr 2024 Vater eines Sohnes geworden ist und irgendwann einem künftigen Enkel ein Video zeigen will, was für ein toller Kerl er doch war. Wenigstens ein paar Minuten lang.
Mehr zum Thema – Handelsdeal mit den USA: Wie TTIP – nur schlimmer
RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.
Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.
