Meinung

Warum Trumps Öl-Visionen im venezolanischen Abgrund scheitern könnten

Washington verspricht billiges Öl aus Venezuela, doch die Rechnung geht nicht auf. Jahre des Investitionsstaus, chinesische Infrastruktur, hohe Förderkosten und politische Instabilität machen eine schnelle Übernahme der Ölproduktion unrealistisch und gefährlich für globale Märkte.
Warum Trumps Öl-Visionen im venezolanischen Abgrund scheitern könnten© Erstellt mit KI

Von Pepe Escobar

Beginnen wir mit den neuen Edikten des Neo-Caligula über das kaiserliche Gebiet, das er nun angeblich besitzt. Es handelt sich dabei nicht wirklich um Edikte, sondern um direkte Drohungen an die Interimspräsidentin Delcy Rodríguez:

  1. Hartes Durchgreifen gegen "Drogenhandelsströme". Nun, dies sollte eigentlich an kolumbianische und mexikanische Schmuggler gerichtet sein, die mit großen US-amerikanischen Käufern unter einer Decke stecken.
  2. Vertreibung iranischer, kubanischer und anderer "Washington feindlich gesinnter Agenten" – bevor Caracas die Ölproduktion steigern darf. Das passiert nicht.
  3. Einstellung des Ölverkaufs an "Gegner der USA". Das passiert nicht.

Dementsprechend ist es fast sicher, dass Neo-Caligula Venezuela erneut bombardieren wird.

Neo-Caligula stellte in einer separaten großspurigen Offensive auch klar, dass er das Ölgeschäft in Venezuela durch Subventionen irgendwie umkrempeln will. Das "könnte weniger als 18 Monate dauern". Dann hieß es: "Wir können es in weniger Zeit schaffen, aber es wird viel Geld kosten." Und schließlich wurde daraus: "Es muss eine enorme Summe Geld ausgegeben werden, und die Ölkonzerne werden sie ausgeben."

Nein, das werden sie nicht, wie mehrere bekannte "Branchenkenner" erklärt haben. Die großen US-Energiekonzerne sträuben sich dagegen, Vermögen in ein Land zu investieren, das in totales Chaos versinken könnte, wenn Neo-Caligula einer Bevölkerung von über 28 Millionen Menschen eine verräterische Regierung aufzwingt.

Laut Rystad Energy Analysis würde es nicht weniger als 16 Jahre dauern und mindestens 183 Milliarden Dollar kosten, bis Venezuela auch nur drei Millionen Barrel Öl pro Tag produzieren könnte*.

Neo-Caligulas größter Traum ist es, die weltweiten Ölpreise auf maximal 50 Dollar pro Barrel zu senken. Zu diesem Zweck wird der imperiale Trump 2.0-Gig theoretisch die vollständige Kontrolle über [die staatliche venezolanische Ölgesellschaft] PDVSA übernehmen, einschließlich des Erwerbs und Verkaufs praktisch seiner gesamten Ölproduktion.

US-Energieminister Chris Wright hat bei einer Energiekonferenz von Goldman Sachs die ölige Katze aus dem Sack gelassen:

"Wir werden das aus Venezuela stammende Rohöl vermarkten, zunächst dieses zurückgestellte gelagerte Öl [bis zu 50 Millionen Barrel], und dann werden wir künftig unbegrenzt die Produktion aus Venezuela auf dem Markt verkaufen."

Also wird der Neo-Caligula-Gig im Wesentlichen den Verkauf von Rohöl von PDVSA an sich reißen – tatsächlich stehlen –, wobei das Geld theoretisch auf von den USA kontrollierten Offshore-Konten deponiert wird, um "dem venezolanischen Volk zugutezukommen".

Es ist ausgeschlossen, dass die Übergangsregierung von Delcy Rodríguez etwas akzeptiert, was de facto einem Diebstahl entspricht. Auch wenn der nationale Sicherheitsberater Stephen Miller prahlt, dass die USA "militärische Bedrohung" einsetzen, um die Kontrolle über Venezuela zu behalten. Wenn man wirklich die Kontrolle hat, braucht man keine Drohungen auszustoßen.

Und wie sieht es mit China aus?

China importierte täglich etwa 746.000 Barrel Öl aus Venezuela. Das ist nicht viel. Peking arbeitet bereits daran, diese Importe durch Lieferungen aus Iran zu ersetzen. China hängt im Wesentlichen nicht vom venezolanischen Öl ab. Neben Iran könnte es auch Lieferungen aus Russland und Saudi-Arabien beziehen.

Peking sieht ganz klar, dass es bei dem imperialen Overdrive in der westlichen Hemisphäre und in Westasien nicht nur um Öl geht, sondern auch darum, China zu zwingen, Energie mit Petrodollars zu kaufen. Das ist Blödsinn: Mit Russland, dem Persischen Golf und darüber hinaus heißt das Spiel längst Petroyuan.

China ist zu 80 Prozent energieunabhängig. Venezuela machte tatsächlich nur 2 der 20 Prozent der chinesischen Importe aus – und das laut den eigenen Zahlen der US-Regierung.

Chinas Energiebeziehung zu Venezuela geht weit über billige amerikanische Formeln hinaus. Hier wird dargelegt, wie "chinesische Ölvereinbarungen mit Venezuela de facto verbindliche Finanzverträge sind, mit Rückzahlungsmechanismen, Sicherheitsstrukturen, Strafklauseln und Derivatverbindungen, die tief in die globale Finanzwelt eingebettet sind [...]. Sie sind direkt und indirekt mit westlichen Finanzinstituten, Rohstoffhändlern, Versicherungskonzernen und Clearing-Systemen verbunden, einschließlich Unternehmen, die mit der Wall Street verbunden sind.

Wenn diese Verträge gebrochen werden, ist die Folge nicht, dass China 'einen Verlust erleidet'. Es entsteht eine Kettenreaktion: Zahlungsausfälle lösen ein Risiko für die Gegenpartei aus, Derivate werden neu bewertet, Rechtsstreitigkeiten erstrecken sich über mehrere Gerichtsbarkeiten und ein Vertrauensschock breitet sich aus. Ab einem bestimmten Punkt ist dies kein venezolanisches Problem mehr, sondern wird zu einem systemischen globalen Problem."

Darüber hinaus "ist China in den letzten 20 Jahren zum operativen Kern der venezolanischen Ölindustrie geworden. Nicht nur als Käufer, sondern auch als Mitgestalter. China lieferte Raffinerietechnologie, Systeme zur Aufbereitung von Schweröl, Infrastrukturdesign, Steuerungssoftware, Ersatzteillogistik [...] Entfernen Sie die chinesischen Ingenieure. Entfernen Sie die Techniker, die die Steuerungslogik verstehen. Entfernen Sie die Wartungslieferketten. Entfernen Sie den Software-Support. Was übrig bleibt, ist keine funktionierende Ölindustrie, die darauf wartet, 'befreit' zu werden, sondern eine leere Hülle."

Schlussfolgerung: "Die Umwandlung des von China aufgebauten Ölsektors Venezuelas in einen amerikanischen würde mindestens drei bis fünf Jahre dauern."

Finanzanalyst Lucas Ekwame nennt die wichtigsten Punkte. Venezuela produziert superschweres Öl, so zäh wie Teer. Es fließt nicht einfach ‒ es muss "geschmolzen" werden, um an die Oberfläche zu gelangen, und nach der Förderung härtet es wieder aus, Verdünnungsmittel ist erforderlich. Für jedes exportierte Barrel müssen mindestens 0,3 Barrel Verdünnungsmittel importiert werden.

Wenn man dazu noch Venezuelas Energieinfrastruktur hinzunimmt, die von China geprägt ist und zugleich seit Jahren unter US-Sanktionen leidet, die noch schlimmer sind als die gegen den Irak Anfang der 2000er Jahre, wird die fehlerhafte Öl-"Strategie" des Neo-Caligula offensichtlich.

Das ändert natürlich nichts an dem kurzfristigen Festmahl für die imperialen Hedgefonds-Geier über der Leiche Venezuelas, angefangen mit dem abscheulichen Paul Singer, dem milliardenschweren zionistischen Hedgefonds-Manager und MAGA-Super-PAC-Spender (42 Millionen Dollar im Jahr 2024).

Sein Elliott Management hat im November dank des Embargos für venezolanische Ölimporte die in Houston ansässige Tochtergesellschaft von CITGO für 5,9 Milliarden Dollar erworben. Das ist weniger als ein Drittel ihres Marktwerts von 18 Milliarden Dollar.

Das spekulative Geld wird sicherlich bis zu 170 Milliarden Dollar auf dem Schuldenmarkt einbringen. Allein die ausgefallenen PDVSA-Anleihen sind über 60 Milliarden Dollar wert.

Das Big-Oil-Szenario in Venezuela ist also weitaus komplexer, als die Trump-2.0-Bande vermutet. Natürlich könnte es in Zukunft zu einer Situation kommen, in der der Vizekönig von Venezuela, der Gusano** Marco Rubio, den Ölfluss von Caracas nach Shanghai abschneidet. Nun, angesichts Rubios strategischer "Expertise" ist es wohl besser, sofort damit zu beginnen, ganze Heerscharen von Anwälten zu rekrutieren.

Aus dem Englischen von Olga Espín.

*Laut Monatsbericht der OPEC vom September 2025 lag die Rohölproduktion Venezuelas im August bei 936.000 Barrel pro Tag.

**"Gusano" ist das spanische Wort für "Wurm". Ursprünglich wurden diejenigen so genannt, die nach dem Sturz des Diktators Fulgencio Batista aus Kuba flohen, meist in die USA. Später allgemein kubanische Exilanten und ihre kubanisch-US-amerikanischen Nachkommen.

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