Meinung

Ukraine und Kuba: Zwei entgegengesetzte Extreme

Die Ukraine hat in der UN-Generalversammlung wieder für die US-Blockade gegen Kuba gestimmt. Außenminister Andrei Sibiga kündigte zudem "die Herabstufung der diplomatischen Beziehungen" zur Insel an. Vergessen scheint: Nach dem Unfall im Kernkraftwerk von Tschernobyl in der Ukraine im Jahr 1986 hat Kuba in einem Kinderhilfsprojekt über 20.000 ukrainische Opfer kostenlos behandelt.
Ukraine und Kuba: Zwei entgegengesetzte Extreme

Von Oleg Jassinski

Seltsamerweise habe ich nirgendwo sonst eine so große Vielfalt an Mojitos in allen Geschmacksrichtungen und Kombinationen probiert wie in Kiew. Das war ein paar Jahre vor dem Maidan-Putsch. Kuba war noch in Mode, rote Sterne waren nicht verboten, und ich glaube, niemand konnte sich vorstellen, welcher Albtraum bevorstand.

Vor einigen Tagen, nach der erneuten Zustimmung der Ukraine zur US-Blockade gegen Kuba in der UN-Generalversammlung, kündigte der Außenminister des Kiewer Regimes Andrei Sibiga "die Herabstufung der diplomatischen Beziehungen" zur Insel und damit die Schließung der ukrainischen Botschaft in Havanna an.

Das ist keineswegs ein Wunder, die Frage wäre vielmehr eine andere: Warum hat eine Regierung wie die ukrainische so viele Jahre gebraucht, um die Beziehungen zu Kuba abzubrechen, einem Land, das in seiner Außen- und Innenpolitik seit mehr als sechs Jahrzehnten genau das Gegenteil von dem vertritt, was Wladimir Selenskij und seine Komplizen unter "Souveränität" verstehen? Hatten sie Angst vor Kuba? Oder vor der Reaktion der Welt?

Anscheinend geht es nur um das dringende Bedürfnis, sich in den Augen Donald Trumps zu profilieren, in einer Zeit, in der das Imperium die halbe Welt bedroht. Sicherlich wird der nächste Schritt Kiews darin bestehen, seine Truppen für eine Invasion Venezuelas anzubieten, sollte der Fall eintreten.

Wenn wir das Handeln der ukrainischen Regierung mit einem einzigen Wort beschreiben müssten, dann wäre es Undankbarkeit. Ich weiß nicht, ob Selenskij und Sibiga es überhaupt wissen, aber die ganze Welt erinnert sich sicherlich an die Bilder von Fidel Castro, der 1990 am Flughafen José Martí ukrainische Kinder empfing, um sie nach der Katastrophe von Tschernobyl zu behandeln.

Kuba war das erste Land der Welt, das reagierte, und half viel mehr als alle anderen zusammen. Nicht nur, ohne dafür einen einzigen Cent zu verlangen, sondern auf ausdrücklichen Wunsch Castros auch unter Verbot jeglicher Medienberichterstattung über diese Solidaritätsaktion.

Erinnern wir uns daran, dass die Regierung Michail Gorbatschows Kuba zu diesem Zeitpunkt bereits verraten hatte, indem sie es den neuen "Partnern", den USA, als "Geschenk des guten Willens" anbot, und dass das kubanische Volk die schlimmsten Zeiten der Blockade durchlebte, es litt Hunger und Mangel an allem, außer an seiner Würde.

Augenzeugen berichten, dass die sowjetischen Behörden fast vier Jahre nach der Katastrophe von Tschernobyl angesichts des Zusammenbruchs ihres Landes begannen zu begreifen, dass sie nicht in der Lage waren, Zehntausende von Kindern zu behandeln, die von der Radioaktivität betroffen waren. Deshalb rief das Notfallkomitee des Zentralkomitees der Kommunistischen Jugend der noch bestehenden Sozialistischen Sowjetrepublik Ukraine, die am stärksten von der Katastrophe betroffen war, im Februar 1990 die internationale Gemeinschaft dazu auf, den betroffenen Kindern zu helfen. Es hieß, dass dies ein Akt der Verzweiflung war, da keine andere Möglichkeit bestand, etwas zu unternehmen.

Die erste und praktisch sofortige Reaktion kam vom Generalkonsulat Kubas in der UdSSR. Konsul Sergio López Briel teilte mit, dass Kuba bereit sei, die Kinder aufzunehmen, die eine Behandlung benötigten.

Die leitende Onkologin Kubas Marta Longchong, der Direktor des Instituts für Hämatologie und Immunologie Professor José Manuel Balester und der Professor für pädiatrische Endokrinologie Ricardo Güell kamen nach Kiew. Nachdem sie die Kinder untersucht hatten, wurde ihnen das ganze Ausmaß des Problems bewusst. Sie kamen zu dem Schluss, dass Tausende von Kindern krank waren und dass Hunderte von ihnen dringende und kostenintensive Behandlung benötigten, um ihr Leben zu retten.

Die ukrainische Seite räumte ein, dass sie weder für die Behandlung noch für die Flugtickets Mittel zur Verfügung hatte. Auf persönliche Initiative Castros übernahmen die Kubaner praktisch alles, und am 29. März 1990 starteten zwei Flugzeuge mit kranken Kindern nach Kuba, begleitet von ihren Eltern.

Als Castro die Ankommenden am Flughafen von Havanna begrüßte, kündigte er den Beginn des staatlichen Hilfsprogramms für die Kinder von Tschernobyl an, und als Journalisten fragten, wie lange dieses Programm laufen werde, antwortete er: "So lange wie nötig."

In den zwei Jahrzehnten, in denen das Programm lief, wurden mehr als 20.000 ukrainische, fast 3.000 russische und mehr als 700 weißrussische Kinder behandelt. Die Ukraine, Weißrussland und Russland waren damals noch drei Republiken eines einzigen Landes.

Es wurden zahlreiche komplexe Operationen durchgeführt, die in der "zivilisierten Welt" Hunderttausende von Dollar gekostet hätten, aber die kubanische Regierung berechnete niemandem auch nur einen Cent und gab diesen Kindern das Beste. Das Programm "Die Kinder von Tschernobyl" kostete Kuba etwa 350 Millionen Dollar, während auf der blockierten Insel Devisen knapp waren und das Volk unter unzähligen Entbehrungen litt.

Nun frage ich mich, wie viele dieser Kinder aus Tschernobyl und wie viele ihrer Kinder von der ukrainischen Regierung rekrutiert werden, um zu töten und zu sterben, um die "demokratischen Werte" ihrer schlimmsten Feinde zu verteidigen.

Der dritte Präsident der unabhängigen Ukraine Wiktor Juschtschenko kam 2005 nach einer Revolte an die Macht, die als "Orangene Revolution" bekannt wurde und eine Generalprobe für die "Maidan-Revolution" von 2014 war. Mit seiner Regierung begannen die direkte antirussische Propaganda und die totale Verherrlichung der ukrainischen Nazis, womit die wahre Geschichte auf den Kopf gestellt wurde.

Noch im selben Jahr erklärte Juschtschenko die Absicht der Ukraine, Mitglied der NATO zu werden, zum Hauptziel des ukrainischen Staates, und versprach vor dem US-Kongress, dass die Ukraine die Mission zur "Förderung der Demokratie in Weißrussland und Kuba" unterstützen werde.

Zu diesem Zeitpunkt war eine kubanische Delegation auf einer offiziellen Reise in die Ukraine unterwegs und befand sich bereits in einem europäischen Transitland. Sie sagte den Besuch ab und kehrte auf die Insel zurück.

Seitdem unterstützt die Ukraine regelmäßig die US-Blockade gegen Kuba und bestätigt damit erneut, was bereits bekannt ist: Die Haltung der Regierungen, die die Blockade unterstützen, war und ist der deutlichste Indikator für ihre tatsächliche Unabhängigkeit.

In diesem Sinne hat Sibiga mit der Schließung der Botschaft in Havanna nichts Neues getan. Überraschend wäre es gewesen, wenn die ukrainische Regierung ein gewisses Maß an Anstand gezeigt hätte.

Übersetzt aus dem Spanischen von Olga Espín.

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