Meinung

Der Westen muss Kiew dazu zwingen, einen Waffenstillstand zu akzeptieren, bevor es zu spät ist

Die Ukraine versuchte, die NATO in einen direkten Konflikt mit Russland zu tricksen, nachdem man versehentlich Polen bombardiert hatte. Die ukrainische Führung war sich der wahren Geschehnisse durchaus bewusst, beschloss jedoch, die gefährlichste Verschwörungstheorie der Geschichte zu verbreiten, um den Dritten Weltkrieg auszulösen.
Der Westen muss Kiew dazu zwingen, einen Waffenstillstand zu akzeptieren, bevor es zu spät istQuelle: www.globallookpress.com © Lev Radin

Von Andrew Korybko

Die NATO und Russland standen am vergangenen Dienstagabend kurzzeitig am Rande des Dritten Weltkriegs, nachdem die Ukraine versehentlich Polen bombardiert hatte. Der Vorfall ereignete sich, als die ukrainischen Streitkräfte versuchten, ankommende russische Raketen während des bisher heftigsten Angriffs aus Russland abzufangen. Beobachter spekulierten, dass dieser Angriff mit dem Scheitern von Waffenstillstandsgesprächen in Zusammenhang stand. Aber anstatt eine russische Rakete abzuschießen, versagte eine ukrainische S-300 und landete schließlich in Polen, wo sie beim Aufschlag zwei Menschen tötete.

Die ukrainische Führung war sich bewusst, was genau passiert war, beschloss jedoch, die gefährlichste Verschwörungstheorie der Geschichte zu verbreiten, um buchstäblich den Dritten Weltkrieg auszulösen. Selenskij hat die Welt belogen, indem er die versehentliche Bombardierung Polens durch seine Streitkräfte als "einen russischen Raketenangriff auf die kollektive Sicherheit" bezeichnete und die NATO aufforderte, dass "wir handeln müssen". Sein Außenminister Kuleba wiederum verspottete alle Vorwürfe, dass Kiew für diesen Vorfall verantwortlich sei, als "russische Propaganda".

Man muss Präsident Joe Biden zugutehalten, dass er gegenüber der Presse auf die Frage, ob Russland für den Vorfall verantwortlich sei, antwortete: "Es gibt vorläufige Informationen, die das bestreiten. In Anbetracht der Flugbahn ist es unwahrscheinlich, dass die Rakete aus Russland abgefeuert wurde, aber wir werden sehen." In demselben Artikel, in dem Bidens Worte wiedergegeben wurden, zitierte die Associated Press auch drei namentlich nicht genannte US-Beamte, die sagten: "Vorläufige Einschätzungen deuteten darauf hin, dass die Rakete von ukrainischen Streitkräften auf eine ankommende russische Rakete abgefeuert wurde".

Es gibt keinen Grund, an Bidens Einschätzung oder an jener dieser drei namentlich nicht genannten US-Beamten zu zweifeln. Denn wenn einer von ihnen irgendeinen glaubwürdigen Grund zu der Annahme gehabt hätte, dass Russland den NATO-Verbündeten Polen bombardiert hat – ob versehentlich oder nicht –, dann hätte man aufgrund der kollektiven Sicherheitsverpflichtungen gemäß Artikel 5 ganz anders reagiert. Genau wie beim Anschlag auf die Nord Stream Pipelines, der aller Wahrscheinlichkeit nach von der angloamerikanischen Achse verübt wurde, macht die NATO Moskau nicht verantwortlich.

Diese objektive Schlussfolgerung, die auf der öffentlichen Einschätzung von niemand geringerem als dem US-Präsidenten basiert und daher keineswegs als sogenannte "russische Propaganda" abgetan werden kann, beweist, dass Kiew sich tatsächlich verschworen hat, die NATO in den Dritten Weltkrieg zu tricksen. Diese Erkenntnis widerspricht der bisherigen sogenannten "konventionellen Weisheit" des Ukraine-Konflikts, durch die die Öffentlichkeit im US-geführten Westen unter dem falschen Eindruck steht, dass Kiew "gewinnt".

Wäre das wirklich der Fall, dann hätten der ukrainische Präsident und sein Außenminister die Welt nicht belogen und Russland nicht beschuldigt, nachdem die eigenen Streitkräfte versehentlich Polen bombardiert haben. Dies war unbestreitbar ein Versuch, die NATO zu einer direkten Reaktion zu manipulieren, was mit ziemlicher Sicherheit in kinetischer Weise erfolgt wäre. Jeder konventionelle Angriff der NATO gegen Russland, sei er innerhalb der allgemein anerkannten Grenzen vor 2014 oder innerhalb der ehemaligen ukrainischen Regionen, die sich wieder mit Russland vereinigt haben, hätte einen größeren Krieg ausgelöst.

Die bloße Tatsache, dass sich Kiews Spitzenbeamte buchstäblich verschworen haben, um dieses apokalyptische Szenario in Gang zu setzen, deutet darauf hin, dass die ukrainische Seite mit ihren neu erzielten "Siegen vor Ort" nicht so zuversichtlich ist, wie sie öffentlich behauptet. Vielmehr scheint man zu befürchten, dass die angeblichen Waffenstillstandsgespräche zwischen Russland und den USA in der vergangenen Woche, in Verbindung mit der begrenzten militärisch-industriellen Kapazität der NATO-Gönner, Umfang, Ausmaß und Tempo ihrer Hilfe aufrechtzuerhalten, unweigerlich zu einem unerträglichen Druck auf Kiew führen wird, mit Russland einen Kompromiss zu finden.

 Das wäre für die hypernationalistische Führung in Kiew inakzeptabel, wie auch für jene Leute, die einer maximalen Gehirnwäsche unterzogen wurden und ein maximales Erreichen der ukrainischen Ziele in diesem Konflikt erwarten. Dazu gehört die Rückeroberung der Regionen Krim, Donbass und Noworossija, die alle mit Russland wiedervereinigt wurden. Andernfalls ist es unwahrscheinlich, dass Selenskij und seine Clique angesichts populistischer Proteste an der Macht bleiben können, insbesondere wenn hypernationalistische Elemente der SBU das Szenario einer Farbenrevolution unterstützen.

Man hatte in Kiew daher nur die eigenen politischen Interessen im Sinn, als man sich dazu verschwor, die NATO dazu zu bringen, den Dritten Weltkrieg zu beginnen. Einfach ausgedrückt: Die ukrainische Führung würde lieber eine nukleare Apokalypse riskieren, die von ihrer Verschwörungstheorie provoziert wird, als zu riskieren, durch einen vom SBU unterstützten Volksaufstand gestürzt zu werden.

Die westliche Öffentlichkeit täte gut daran, darüber nachzudenken, dass sie von ihren Regierungen gezwungen werden, etwas zu subventionieren, was objektiv buchstäblich als ein apokalyptischer Kult des Todes bezeichnet werden kann, der ihre Regierungen belogen hat, um sie dazu zu bringen, Russland zu bombardieren und damit den dritten Weltkrieg auslösen. Die ukrainische Führung ist daher nicht nur eine Gefahr für ihr eigenes und das russische Volk, sondern für die ganze Welt. Es besteht kein Zweifel, dass die Unterstützer der Ukraine im Westen, Kiew dringend dazu zwingen müssen, einen Waffenstillstand zu akzeptieren, bevor es zu spät ist.

Übersetzt aus dem Englischen.

Andrew Korybko ist ein in Moskau ansässiger amerikanischer Politologe, der sich auf die US-Strategie in Afrika und Eurasien spezialisiert hat sowie auf Chinas Belt & Road-Initiative, Russlands geopolitischen Balanceakt und hybrider Kriegsführung.

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