Meinung

Vier Jahre nach Sachartschenkos Ermordung: Der Kiewer Terror geht weiter

Alexander Sachartschenko, der vor vier Jahren bei einem Bombenanschlag ermordete Staatschef der Volksrepublik Donezk, wäre am 26. Juni 46 Jahre alt geworden. Angesichts des von Kiew erkennbar als Waffe eingesetzten Terrors gegen eigene Staatsbürger stellt sich auch heute die Frage, wer im ukrainischen Bürgerkrieg die Terroristen sind.
Vier Jahre nach Sachartschenkos Ermordung: Der Kiewer Terror geht weiterQuelle: Sputnik © Pavel Lisitsyn

von Anton Gentzen

In den sozialen Netzwerken ist unter Donbass-Einwohnern eine Diskussion wieder aufgeflammt und nicht zu übersehen. Am 26. Juni wäre der bei einem ukrainischen Terroranschlag am 31. August 2018 getötete erste Präsident der damals noch nicht anerkannten Volksrepublik Donezk Alexander Sachartschenko 46 Jahre alt geworden.

In örtlichen Foren wird am Sonntag seiner gedacht und immer wieder die Frage gestellt, wann die Welt merkt, dass nicht die von Kiew als "Terroristen" gebrandmarkten Donbass-Separatisten Terroranschläge verüben, sondern es die Kiewer Regierung selbst ist, die sich seit acht Jahren immer wieder und wieder terroristischer Methoden bedient

Mithilfe von Terroranschlägen hat Kiew nicht nur Alexander Sachartschenko "liquidiert". Auf ähnliche Weise wurden auch andere populäre Aufständische ermordet, beispielsweise Alexei Mosgowoj, Michail Tolstych ("Giwi"), Arsen Pawlow ("Motorola") und viele andere. 

Diese Diskussion ist auch deshalb aktuell, weil Kiew in den inzwischen durch Russland kontrollierten Gebieten unverhohlen zur Taktik des sogenannten "kontrollierten Terrors" greift: Lokale Politiker, Angestellte kommunaler Verwaltungen, Behördenmitarbeiter und Menschen, die sich loyal zu Russland verhalten, werden auf offener Straße erschossen oder bei Sprengstoffanschlägen umgebracht. Ziel ist, den Einwohnern Angst einzujagen und sie von einer Zusammenarbeit mit Russland abzuhalten.

Aus zuverlässigen Quellen wird berichtet, dass der ukrainische Präsident Selenskij selbst den Terror gegen die eigenen Staatsbürger genehmigt hat und wohl sogar fordert, ihn zu intensivieren. 

So wurde erst am Freitag, dem 24. Juni, das Auto des Leiters des Jugendamtes der Stadt Cherson zur Explosion gebracht, Dmitri Sawlutschenko verbrannte darin vor den Augen seiner Mutter. Erwartbar löste dies ein wahres Fest in der ukrainischen Presse aus, die die Ermordung des "Kollaboranten" regelrecht feierte. 

Bereits am 20. März wurde auch in Cherson ein prorussischer Aktivist in seinem Auto erschossen und am 20. April dort erneut ein prorussischer Blogger ermordet. In der Zwischenzeit gab es weitere versuchte Attentate und einen vereitelten Bombenanschlag auf die Siegesfeier am 9. Mai. Am 30. Mai gab es in der ebenfalls russisch kontrollierten Stadt Melitopol einen Bombenanschlag auf humanitäre Helfer. Und dies ist nur eine auszugsweise Aufzählung der von der Kiewer Regierung zu verantwortenden Terrorakte. 

Nun wird in russischen und ukrainischen sozialen Medien eine reziproke Anwendung des Individualterrors auf ukrainische Vertreter und Aktivisten gefordert. Beispielsweise schreibt der auf der Krim lebende einflussreiche und gut vernetzte Militärexperte Boris Roshin (aka "Colonelcassad"):

"Zu den Terroranschlägen in den befreiten Gebieten.

1. Sie gab es, sie gibt es und sie wird es weiter geben. Die Situation dort ist identisch mit der im Kaukasus nach dem zweiten Tschetschenienkrieg, nach dem eine langwierige Anti-Terror-Operation notwendig war (...).

2. Daher ist es notwendig, nicht in Hysterie zu verfallen, sondern das Antiterror-Regime unter Einbeziehung lokaler Ressourcen methodisch zu stärken, die Kontrolle zu verstärken und ukrainische Terroristen zu liquidieren. Am wichtigsten sind das methodische Vorgehen und die Unabwendbarkeit der Vergeltung.

3. Der (ukrainische Geheimdienst) SBU und die Aufklärungshauptabteilung des ukrainischen Verteidigungsministeriums sollten offiziell als terroristische Organisationen anerkannt und damit mit dem Islamischen Staat und der al-Qaida gleichgesetzt werden, um unnötige Einschränkungen bei der Beseitigung banderistischer Terrorzellen und ihrer Agenten in den befreiten Gebieten zu beseitigen. Die Anführer und Funktionäre dieser Strukturen sollten auch einzeln gejagt werden, so wie die Anführer der tschetschenischen Kämpfer oder die ISIS-Emissäre gejagt wurden.

4. Elemente der sowjetischen Erfahrungen bei der Bekämpfung des Banderaismus in der Westukraine müssen studiert und mit Anpassungen an die aktuelle Situation umgesetzt werden. Schließlich hat die UdSSR in den 40-50er-Jahren ein erfolgreiches Beispiel für die Beseitigung der Struktur des von den USA und der NATO unterstützten Bandera-Aufstandes gegeben. Es geht natürlich nicht darum, die sowjetischen Erfahrungen zu kopieren, sondern nützliche Elemente einzuführen."

Der Odessiter Schriftsteller und Politikexperte Lew Werschinin gibt Roshin in seinem Blog auf LiveJournal ausdrücklich recht und geht noch weiter, indem er Individualterror gegen exponierte Vertreter der ukrainischen Regierung fordert. 

Derartige Forderungen können natürlich nicht unterstützt werden und sind zu verurteilen. Allerdings ist es am kollektiven Westen – auch und insbesondere an Deutschland – Kiew zur Ordnung zu rufen. Sonst ist es nahezu unvermeidlich, dass die Ukraine in einem Kreislauf von Terror und Gegenterror versinken wird. 

Mehr zum Thema - Russlands Antwort auf den Terror ist immer dieselbe – und unabwendbar

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.