Meinung

Wie kann der Artillerie-Terrorismus der ukrainischen Streitkräfte gestoppt werden?

Nach schwerem Beschuss der Hauptstadt hat die Volksrepublik Donezk (DVR) bei Russland zusätzliche Hilfe angefragt. Moskau und Donezk bezeichneten den Beschuss als barbarisch, unter den Toten waren Frauen und Kinder. Weshalb beschießt die Ukraine weiter Wohngebiete, und wie kann Russland helfen?
Wie kann der Artillerie-Terrorismus der ukrainischen Streitkräfte gestoppt werden?Quelle: Sputnik © Konstantin Michaltschewski

von Aljona Sadoroschnaja

Vor Kurzem hatte es eine Mitteilung des DVR-Chefs Denis Puschilin gegeben, wonach die Republik aufgrund des verstärkten Beschusses von Donezk Russland um zusätzliche verbündete Kräfte ersucht habe. Seinen Worten nach habe "Kiew alle Grenzen überschritten". Beim letzten Beschuss der Donezker Hauptstadt seien verbotene Methoden der Kriegsführung eingesetzt worden, betonte Puschilin.

Zuvor war berichtet worden, dass ein Geschoss die Geburtsklinik in Donezk getroffen hatte. Die Gebärenden waren in den Keller evakuiert worden, und die Sanitäter hatten die Bedürftigen weiter versorgt. Die ukrainischen Sicherheitskräfte beschossen die Stadt über zwei Stunden lang massiv. Die Ukrainer hatten sowohl Rohr- als auch Raketenartillerie eingesetzt. Außerdem wurde die Verwendung von Streumunition gemeldet.

Darüber hinaus war der Maimarkt im Stadtzentrum unter Beschuss genommen worden. Berichten zufolge waren eine Frau und ein Kind getötet worden. In der Nacht zum Montag meldete die DVR-Vertretung im Gemeinsamen Zentrum für die Kontrolle und Koordinierung des Waffenstillstands, dass die Opferzahl beim Beschuss von Donezk durch die ukrainischen Streitkräfte auf fünf gestiegen sei. Mehr als 30 Menschen wurden verletzt. Auch die UNO äußerte ihre Besorgnis.

Was die Geburtsklinik betrifft, so wird ihre Arbeit vorübergehend eingestellt. "Diejenigen, die entlassen werden können, werden auch entlassen. Während des heutigen Tages und solange es einigermaßen ruhig ist, werden Wöchnerinnen und Gebärende, die in geburtshilflichen Einrichtungen weiterbehandelt werden müssen, in andere Einrichtungen in der Republik verlegt, in denen die Situation heute stabil ist", sagte Anna Schelesnaja, stellvertretende Direktorin des Republikanischen Zentrums für Mutterschafts- und Kindesschutz in Donezk.

Der stellvertretende Chef des Milizheers der Volksrepublik Donezk Eduard Basurin erklärte, der barbarische Beschuss von Donezk erfolge, seit der Westen begonnen hatte, schwere Waffen an die Ukraine zu liefern. Außerdem hätten Mitglieder von "Ärzte ohne Grenzen" in Donezk Informationen gesammelt, um sie an die ukrainische Seite weiterzugeben. Er fügte hinzu:

"Das Gleiche gilt für die OSZE-Mission. Ein polnischer Vertreter bot einem Kämpfer Geld und Alkohol für die Weitergabe von Informationen an. Davon erfuhr der Leiter der Mission, der sich hier befand, und sie mussten ihn von hier entfernen. Ja, das sind bestätigte Fakten."

Auch der Kreml bezeichnete den verstärkten Beschuss ziviler Ziele in Lugansk und Donezk als barbarisch. Der Pressesprecher des russischen Präsidenten Dmitri Peskow betonte:

"Wir sehen einen absolut barbarischen Dauerbeschuss, barbarisch! In den letzten Tagen hat sich der Beschuss intensiviert."

"Auf diese Weise versucht die ukrainische Armee vor allem, Aktivität zu zeigen. Es reicht nicht aus, wenn sie sich nur in der Defensive befinden. Sie müssen zeigen, dass sie noch kämpfen können", sagte der Militärexperte Wladislaw Schurigin der Zeitung Wsgljad. Er fuhr fort:

"Darüber hinaus versuchen die ukrainischen Streitkräfte zurzeit, die Bündnistruppen [Russland, DVR und LVR] von ihren aktuellen Aufgaben abzulenken. So ist zum Beispiel jedem klar, dass der Sturm auf Awdejewka, von wo aus Donezk beschossen wird, sehr schwierig ist. Dort sind zusätzliche Anstrengungen erforderlich. Deshalb demonstriert die ukrainische Armee allgemeine Aktivitäten in dieser Richtung." Das Geschehene in Donezk bezeichnet der Experte als eine Provokation gegen die russischen Truppen. Er betonte:

"Es ist nicht auszuschließen, dass dies ein Versuch ist, unsere Truppen zu einem härteren Vorgehen gegen Awdejewka zu bewegen. Aber niemand wird es, wie man so schön sagt, frontal stürmen. Denn dabei ist mit großen und sinnlosen Verlusten zu rechnen. Die Stadt muss umzingelt werden, und das sorgfältig, denn man versteht die Komplexität der Aufgabe."

Der Kriegskorrespondent der Komsomolskaja Prawda Wiktor Baranez wertete den Beschuss von Donezk als Rache der ukrainischen Armee für ihre jüngsten Verluste. Er erklärte:

"Eine militärische Zweckmäßigkeit ist bei den Aktionen der ukrainischen Armee einfach nicht gegeben. Es ist eine sinnlose Rache für die Niederlagen, die sie erlitten haben. Die Tatsache, dass das Gebiet von Donezk nicht mehr unter ihrer Kontrolle ist, macht sie wütend. Darin steckt auch ein psychologischer Subtext, der nicht übersehen werden sollte. Der Beschuss von Donezk soll angesichts der von Moskau verkündeten Erfolge an der Front bei den russischen Bürgern für Unmut sorgen. Denn wenn die Spezialoperation erfolgreich ist, warum leiden weiterhin die Zivilisten?"

Allerdings gelingt es dem Kommando der ukrainischen Streitkräfte nicht, Russland dazu zu provozieren, verfügbare Kräfte und Mittel von anderen Frontabschnitten nach Donezk zu verlegen, weil es kurz- oder mittelfristig nicht den nötigen Effekt haben wird.

Aus diesem Grund, so glauben Experten, wird das Kommando der russischen Streitkräfte und der verbündeten Republiken andere Wege finden müssen, um den Beschuss von Donezk zu beenden. Dazu gehört eine verbesserte Organisation der Artilleriebekämpfung und die Verstärkung der Aufklärungskapazitäten, um die Stellungen der ukrainischen Streitkräfte präziser zu identifizieren.

"Jetzt müssen wir den Gegner mit unglaublichen Anstrengungen weit genug von Donezk wegdrängen, damit seine Artillerie und Raketen die Stadt einfach nicht mehr erreichen. Das kann erst geschehen, nachdem alle Kampfpositionen der ukrainischen Armee ermittelt sind. Erst dann können sie gezielt vernichtet werden", fügte Baranez hinzu. Er wies auch darauf hin, dass das nicht einfach sein wird:

"Viele Stellungen der ukrainischen Streitkräfte befinden sich neben Wohngebäuden. Einerseits könnten wir sie beschießen und die ganze Stadt dem Erdboden gleichmachen. Jedoch leben dort unsere Leute, wir sind diesbezüglich eingeschränkt. Deswegen bewegen wir uns auf Zehenspitzen und vernichten die feindlichen Kräfte Schritt für Schritt."

Ilja Kramnik, wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Weltwirtschaft und internationale Beziehungen der Russischen Akademie der Wissenschaften, ist der Ansicht, dass der Beschuss von Donezk ein gewichtiger Grund ist, die Truppen, die die Stadt verteidigen, mit noch mehr Drohnen auszustatten. Er stellte fest:

"Wenn Sie nicht in der Lage sind, einen Streifen bis zu 30 Kilometer von der Frontlinie entfernt systematisch zu überblicken, dann hat der Gegner die Möglichkeit, dort mit einem akzeptablen Risiko von Verlusten Artillerie einzusetzen und seine Aufgaben zu erfüllen.

Sie können eine deutliche Überlegenheit bezüglich der Geschützsalve haben, aber gerade in einem Artillerieduell kann diese Überlegenheit nur dann effektiv genutzt werden, wenn Sie über eine funktionierende Aufklärung verfügen, mit Informationen in Echtzeit. Dazu braucht man Drohnen, große Aufklärungsflugzeuge mit empfindlichen Side-Scan-Radaren, Langstreckenkameras und Mitteln, um ihre Informationen zu einem einzigen Bild zu kombinieren. Dazu gehören auch Satelliten und eine permanent einsatzbereite Fernmelde- und Elektronische Aufklärung sowie ein funktionierendes Kommando- und Kontrollsystem.

Bei einem Mangel an solchen Mitteln muss für jedes feindliche Geschütz, das zerstört wird, eine Wagenladung Geschosse verbraucht werden – das ist keine Übertreibung."

Der Militärexperte Boris Roschin ist jedoch der Meinung, dass die Artilleriebekämpfung zum jetzigen Zeitpunkt kein Beenden des Beschusses garantieren könne. Er erklärte:

"Eine asymmetrische Antwort auf solche Aktionen könnten Vergeltungsschläge gegen wichtige Infrastrukturobjekte und politische Zentren sein – regionale Verwaltungen, Kraftwerke, den Verwaltungsbezirk in Kiew und so weiter. Das heißt, wir müssen einen Preis für die Fortsetzung solcher terroristischer Praktiken festsetzen." Um die Schlagkraft der DVR zu erhöhen, schlägt Roschin die Bildung "einer Raketenbrigade in der DVR-Armee" vor, "um sie in der Nähe von Donezk zu stationieren und den Feuerangriff auf feindliche Ziele zu verstärken, ohne dabei den Fokus auf militärische Schlüsselgebiete zu schwächen".

Was das Hilfegesuch an Russland betrifft, so versteht Donezk laut Basurin darunter den vermehrten Einsatz von Boden- und Luftraketen gegen feindliche Objekte. Einen ähnlichen Standpunkt vertritt Wladislaw Berditschewski, ein Mitglied des Volksrates der DVR. In einem Gespräch mit der Zeitung Wsgljad erläuterte er:

"In der gegebenen Situation könnte Moskau noch aktiver bodengestützte Raketen und Flugzeuge gegen Standorte ukrainischer Formationen einsetzen. Zudem benötigen wir modernste Mittel zur Artilleriebekämpfung. Die Sache ist, dass die ukrainische Armee ihre Artillerie recht schnell in Stellung bringen, ein paar Salven abfeuern und dann abziehen. Wir kommen einfach nicht nach, um mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln zu reagieren. Ich bin sicher, unsere Militärangehörigen haben Moskau bereits darüber informiert, was wir benötigen und in welcher Menge. Und Russland wird auf jeden Fall helfen, so wie es das immer getan hat."

Übersetzt aus dem Russischen.

Mehr zum Thema - Volksrepublik Donezk: Mehrere Tote nach ukrainischem Beschuss eines Marktes

Durch die Sperrung von RT zielt die EU darauf ab, eine kritische, nicht prowestliche Informationsquelle zum Schweigen zu bringen. Und dies nicht nur hinsichtlich des Ukraine-Kriegs. Der Zugang zu unserer Website wurde erschwert, mehrere Soziale Medien haben unsere Accounts blockiert. Es liegt nun an uns allen, ob in Deutschland und der EU auch weiterhin ein Journalismus jenseits der Mainstream-Narrative betrieben werden kann. Wenn Euch unsere Artikel gefallen, teilt sie gern überall, wo Ihr aktiv seid. Das ist möglich, denn die EU hat weder unsere Arbeit noch das Lesen und Teilen unserer Artikel verboten. Anmerkung: Allerdings hat Österreich mit der Änderung des "Audiovisuellen Mediendienst-Gesetzes" am 13. April diesbezüglich eine Änderung eingeführt, die möglicherweise auch Privatpersonen betrifft. Deswegen bitten wir Euch bis zur Klärung des Sachverhalts, in Österreich unsere Beiträge vorerst nicht in den Sozialen Medien zu teilen.

RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.