Meinung

Treffen der "Weltregierung"? Eher Generalversammlung des Komsomol in der Heldenstadt Davos

Was das diesjährige Weltwirtschaftsforum (WEF) in Davos mit einem kommunistischen Kaugummi zu tun hat, und warum es gar nicht so schlimm ist, dass Russland dieses Jahr "ausgeschlossen" wurde, erläutert Maxim Sokolov in einem satirischen Kommentar.
Treffen der "Weltregierung"? Eher Generalversammlung des Komsomol in der Heldenstadt DavosQuelle: AFP © Fabrice Coffrini

von Maxim Sokolov  

Einst, vor ganz langer Zeit, als die Rockoper Jesus Christ Superstar im Volke populär war, da gab es ein zahlreiches Abmischen brandaktueller Refrains und Arien aus der Oper. Unter anderem, "Unser Kolchos, unser Kolchos". Nunmehr kann der Titel in der Fassung aufgeführt werden

"Unser Davos, unser Davos, Erfüllt den Plan zum Ziegen-Melken".

Das "World Economic Forum", unter ständiger Leitung von Dr. Klaus Schwab im Schweizer Kurort Davos abgehalten, macht sich wahrscheinlich gut beim Ziegen-Melken, das heißt, in der Landwirtschaft. Schon Victor Hugo stellte fest, dass "die Schweiz ihre Kühe (und auch Ziegen) melkt und sorglos lebt." Weshalb sollte sie also von dieser Tätigkeit abrücken?

Eher mühevoll sehen dagegen die übrigen Erfolge von Davos aus. Freilich könnte man sagen, dass die globale Geheimregierung mit dem Verzicht auf jegliche russische Teilnahme an dieser Versammlung – nicht einmal ein Hauch von russischem Geist ist dort zu spüren – Entschlossenheit bewiesen und der ganzen Welt gezeigt hat: "So sei es mit allen."

Russland aber reagierte auf die Exkommunikation aus dem müßigen Herumsitzen in Davos mit einer seltenen, aber nicht unbedingt ostentativen Gleichgültigkeit. Ein Vierteljahrhundert ist vergangen, seit es eine persönliche Pflicht war, im Januar nach Davos zu fahren, und zwar nicht nur für russische Beamte, sondern auch für die Neureichen-Schickeria. Seither stellte sich heraus – sei das in Davos nun eine Weltregierung oder nicht, seien es nun Reptilien oder nicht –, dass dieser Entscheidungsträger trotz allem völlig uninteressant ist.

Die Tagungsberichte der Davoser Foren erinnern an diejenigen der KPdSU-Kongresse. Nur, dass es dort ein kommunistischer Kaugummi war, und hier ist er globalistisch. Der Anspruch auf die ideologische Verwaltung der ganzen Welt ist unverkennbar, doch dieser Anspruch ist selbstredend, und die Welt ist selbstverständlich. Man darf jedes Jahr ein Kaugummi auskosten (außer mit einer Pause wegen COVID), oder man lässt es eben sein. Nichts wird sich dadurch ändern.

Dagegen könnte man einwenden, dass das Davoser Forum im Sinne des Kaugummis nicht originell ist, es sei denn die Ambitionen der Veranstalter sind größer. Bei uns in Russland gibt es auch Foren – und die sind, was die Inhalte anbetrifft, auch nicht besonders unterhaltsam.

Doch nicht allein des Berichtes des Generalsekretärs und der Direktiven zur Entwicklung der nationalen (Welt-)Wirtschaft wegen ist dieser Kongress interessant. Er bietet auch die Gelegenheit, Menschen (und sehr wichtige Menschen) zu sehen, und sich zu zeigen. "Ja wenn das so ist und der Zar es erfahren muss, dann sagen Sie dem Zaren, dass also, der angebliche Pjotr Iwanowitsch Bobtschinski, in der Stadt soundso lebt" [Aus der Komödie "Der Revisor" von Nikolai Gogol, Anm. d. Red.]. Abermals geht es dabei um Geschäfte, Beziehungen, Bekanntschaften. Mit einem Wort – Schickeria.

Tatsächlich haben weder Beziehungen noch Bekanntschaften den Ministern und Kapitalisten geholfen – das Schicksal von Aven und Friedman ist diesbezüglich eine Bürgschaft. Übrigens, schon längst ist gesagt worden: "Verlasst euch nicht auf Fürsten, ihr Menschenkinder." Da hatten auch die Bürger Russlands immerfort auf die westlichen Fürsten mit deren Schickeria gehofft, alsdann sie aufgehört haben – wohlgemerkt, schon vor der aktuellen Versammlung der Geheimregierung. Wozu auch hinfahren? Der Kaugummi kann, wenn das Interesse so groß ist, in Form von Pressemitteilungen gelesen werden.

Als Neophyten (also wirklich wie die Russen vor 30 Jahren) fungieren nun die Ukrainer, die in den höllischen Davoser Hundezwinger angeliefert wurden – zum ersten Ball der Natascha Rostowas [Aus dem Roman "Krieg und Frieden" von Lew Tolstoi, Anm. d. Red.]. Wladimir Selenskij hat die Beteiligten in einer Skype-Ansprache zu einer Verschärfung der Sanktionen gegen Russland aufgerufen. Denn die höchsten Maßnahmen seien noch nicht getroffen worden, wobei es aber erforderlich sei, eine Aufhebung des gesamten Handels mit Russland zu erreichen.

Ukrainische Aktivistinnen, die heutzutage im Westen leben, erzählten von ihrer Wohltätigkeitsarbeit und ihren Plänen zum Aufbau fortschrittlicher und umweltfreundlicher ukrainischer Städte. Und die US-Handelsministerin Gina Raimondo (offenbar auch als Ukrainerin eingetragen) erklärte, dass "Russland langfristig einen ernsthaften Preis zahlen muss." Die Russen müssten für eine lange Zeit der Vorteile beraubt werden, mit denen die Weltwirtschaft, die Weltwirtschaftsordnung, aufwartet.

Die Europäer genießen heute diese Vorzüglichkeit und sind der Weltwirtschaftsordnung restlos ergeben – fragen Sie jeden Deutschen, er wird das bestätigen. Indessen hat sich die Weltwirtschaftsordnung nicht nur überschlagen, sie befindet sich im Prozess eines erneuten Umkippens, und ein Ende ist nicht in Sicht. Hinter den Kulissen herrscht ein Zustand der Befremdung und man vernimmt nur veraltete, pathetische Worte. Also das kann bei uns jeder Taxifahrer, wenn er nicht mundtot gemacht wird – ein mächtiger Hinterbänkler muss man dafür nicht sein.

Sollen sie doch weiter Ziegen melken in Davos. Das traditionelle Gewerbe der Schweizerischen Eidgenossenschaft muss sich nun einmal weiterentwickeln. Nur, ohne uns.

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RT DE bemüht sich um ein breites Meinungsspektrum. Gastbeiträge und Meinungsartikel müssen nicht die Sichtweise der Redaktion widerspiegeln.

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