Meinung

Was ist los beim ZDF – Querdenken wieder erlaubt?

Plötzlich scheint in Sachen Corona bei einigen Mainstream-Medien Recherche stattzufinden, die diesen Titel verdient. Auch das ZDF will den Anschluss nicht verpassen. Ob diese Entwicklung journalistische Gründe hat, ist die Frage. Und ebenso, ob diese aktuelle Tendenz glaubwürdig ist.
Was ist los beim ZDF – Querdenken wieder erlaubt?Quelle: www.globallookpress.com © imago stock&people

von Mirko Lehmann

Nein, dass wir das noch erleben dürfen! Denn beim ZDF scheint man sich gesagt zu haben: Was der MDR kann, das können wir auch – wenn auch mit noch größerer Verspätung als die ostdeutsche ARD-Anstalt. Aber immerhin, denn so waren in der Sendung "Berlin direkt" am Sonntagabend ganz ungewohnte Töne zu vernehmen: "Lauterbachs fehlendes Fundament – Wie die Corona-Evaluierung scheitert." Nanu? Zweifel an der Rolle des jahrelang hochgelobten, medial herumgereichten SPD-Gesundheitsökonomen Lauterbach und dessen "Corona-Politik"? Schon die Anmoderation des Beitrags nennt denn auch Lauterbachs jüngste Warnung vor einer angeblich drohenden "Corona-Killervariante" im nächsten Herbst eine pure "Spekulation, wie so vieles in dieser Pandemie".

"Verschwörungstheoretiker" beim ZDF?

Die knapp fünf Minuten dauernde Reportage klingt, als hätten die vielgeschmähten, sogenannten "Querdenker" und Schwurbler die Redaktion unterwandert. Denn auf einmal werden Fragen gestellt, die über zwei Jahre ausgeblendet, ja als unwissenschaftlich oder gar als "rechts" diffamiert wurden:

So darf die Autorin, eine ZDF-Journalistin, nun öffentlich in Zweifel ziehen, was die massiven Einschränkungen der Grundrechte, was mehrere Lockdowns, Schulschließungen und Ausgangssperren überhaupt gebracht haben, und darf Lauterbach dabei sogar ein bisschen veralbern: mit einem Zusammenschnitt seines häufigsten – wie sie es nennt – "Mantras", wonach "die Maßnahmen wirken". Also jener Gebetsmühle, die der aktuelle Chef im Gesundheitsministerium überall und ständig wiederholte und wiederholt.

Plötzlich also fragt selbst das ZDF mal beim "Institut für Qualität und Wirtschaftlichkeit im Gesundheitswesen" IQWIG nach. Wie im Beitrag erwähnt, wurde dieses Instituts 2004 gegründet, sogar einst mit Unterstützung vom damaligen Lauterbach selbst. Allerdings habe der heutige Minister dort noch "nie nach Analysen" nachgefragt. Und der Leiter des IQWIG Professor Jürgen Windeler darf jetzt, ohne dass die Reporterin ihm über den Mund fährt, konstatieren: In Deutschland hätten sich die Politiker sehr auf "Plausibilitäten", "Infektionsrisiken" und "Masken", die schon irgendwie schützen würden, verlassen, hätten sich jedoch "relativ wenig um Evidenz gekümmert". Ist bekannt, wie viele Fernsehzuschauer am Sonntagabend daraufhin in Schnappatmung verfallen sind? So etwas darf man doch nicht sagen! Oder durfte man zumindest lange nicht einmal denken oder glauben.

Überraschung: Maßnahmen "überzogen"

Auch der Berliner Epidemiologe Professor Stefan Willich vom Berliner Universitätsklinikum Charité darf beim Mainzer Sender sein Fazit ziehen, etwa zu den rigiden "Hot-Spot"-Regelungen, die Bundesländer wie Hamburg und Mecklenburg-Vorpommern verhängt hatten: Verglichen mit gesamtdeutschen Infektionsraten, könne man "daraus ablesen, dass viele Maßnahmen letztlich wenig gebracht haben – Querstrich – überzogen waren." Auch diese nüchterne Feststellung dürfte insbesondere bei dem einen oder anderen jener Richter und Staatsanwälte, die seit über zwei Jahren alle Corona-Maßnahmen stoisch gegen alle Evidenz durchwinken, zu Herzrasen geführt haben.

Aber warum nur erinnert sich das ZDF erst jetzt wieder daran, dass auch und erst recht dieser öffentlich-rechtliche Sender eine journalistische Kontrollfunktion auszuüben hat? Hat womöglich die veränderte Besetzung auf der politischen Bühne nachgeholfen, während man der Großen Koalition damals nicht in die Suppe spucken wollte?

Das "Infektionsschutzgesetz" sieht vor, dass die Corona-Maßnahmen bis Ende Juni des Jahres wissenschaftlich evaluiert werden sollten. Doch ausgerechnet Lauterbach, der ständig deren Wirksamkeit ungeprüft in den höchsten Tönen lobe, habe nun die Bundestagspräsidentin (und seine SPD-Parteikollegin) Bärbel Bas um Aufschub gebeten, mit der bemerkenswerten Begründung, es lägen bisher keine oder nur ungenügende Daten vor.

Fehlende Datengrundlage

Allerdings unternimmt ja auch Lauterbach im neuen Amt nichts, um diesem Daten-Mangel abzuhelfen. Donnerwetter, möchte man ausrufen: Genau dies war das Argument der Maßnahmen-Kritiker bereits im Frühjahr 2020, damals gerichtet an Jens Spahn und die Große Koalition – die völlig unzureichende Datengrundlage für weitreichende Einschränkungen der Grundrechte.

Nun fordert endlich auch das ZDF: Alle Corona-Maßnahmen dürften nur auf verlässlicher Datengrundlage ergriffen werden, heißt es plötzlich. Dies sei "auch verfassungsrechtlich ein sehr hohes Gut", so der CDU-Gesundheitspolitiker Tino Sorge. Ach, jetzt auf einmal? Bei der CDU/CSU scheint man sich erst an solche Grundsätze zu erinnern, seit man im Herbst 2021 aus der Bundesregierung geflogen ist und sich nun langsam, mühsam in Opposition üben muss. Derartige Kritik wurde gegenüber dem "eigenen" Gesundheitsminister Jens Spahn (CDU) seinerzeit weder laut noch geduldet.

Auch RKI nicht mehr unantastbar

Schließlich erlaubt sich die ZDF-Sendung sogar einen Seitenhieb auf das Lauterbach unterstellte Robert Koch-Institut (RKI): In den Wochenberichten des RKI zur Corona-Lage gab es bisher Tabellen mit Zahlen der Infizierten – trotz des angeblichen "Datenmangels". Doch seit unter ebendiesen Infizierten ausgerechnet die "Geboosterten" die mit Abstand größte Gruppe sind (diese seit Längerem bekannte Tatsache erfährt hiermit also die öffentlich-rechtliche Weihe der Medien), würden diese Zahlen der Infizierten nicht mehr veröffentlicht. Das RKI meint aus unerfindlichen Gründen, diese Daten seien "nicht geeignet, um die Wirksamkeit der Impfung einzuschätzen".

In wenigen Minuten hat der Mainzer Sender zentrale Elemente der staatlichen Corona-'Erzählung', wie sie der Öffentlichkeit seit über zwei Jahren unaufhörlich und von alles Seiten eingehämmert wurden – insbesondere auch ohne jede Differenzierung von den öffentlich-rechtlichen Medien – über den Haufen geworfen.

Untaugliche Rettungsversuche des ZDF

Wer hätte solche Offenbarungen im öffentlich-rechtlichen Rundfunk ÖRR – Hörfunk oder Fernsehen – noch für möglich gehalten? Sollten die gut acht Milliarden Euro Jahresetat doch nicht ganz umsonst ausgegeben sein? Darf gelegentlich auch in Mainz wieder Recherche stattfinden?

Doch der Sender tut so, als ob da nichts gewesen wäre. Als ob man sich nicht zu korrigieren – und sich nicht womöglich noch zu entschuldigen hätte. Wahrscheinlich meint man auf dem Mainzer Lerchenberg, dass die Zuschauer sowieso nichts mehr merken, und vertraut auf die autoritäre Ansage von höchster Stelle: "Glauben Sie ... nur den offiziellen Mitteilungen ..."

Selbst wenn man das wollte, die Glaubwürdigkeit dieses Mainstreams ist spätestens nach den zwei Corona-Jahren unwiderruflich dahin, freilich nicht nur wegen Corona. Gut in Erinnerung behalten sollte man die verzerrende, arrogant-diffamierende Reportage einer Dunja Hayali (ebenfalls ZDF) von der ersten großen Berliner Anti-Corona-Demonstration im August 2020.

Denn selbst wenn dieser Sender nun auch das IQWIG entdeckte, so hatte doch, um nur ein Beispiel herauszugreifen, in den vergangenen zwei Jahren der medial zur Unperson deklarierte Lungenfacharzt Dr. Wolfgang Wodarg mehrfach gefordert, die Politik müsse dieses Institut als fachlich kompetente Instanz zu Rate zu ziehen. Und so verhält es sich durchgängig mit den Forderungen vieler seriöser Kritiker der angeblich alternativlosen Maßnahmen: mit den Mahnungen erfahrener Wissenschaftler, praktizierender Ärzte, Therapeuten, Juristen und anderer Experten, deren Positionen bei ARD und ZDF nicht nur nicht vorkamen, sondern die persönlich systematisch diffamiert wurden. Oder die sogar mit staatlichen Repressionen wie Hausdurchsuchungen eingeschüchtert oder teilweise sogar außer Landes getrieben wurden (was in der öffentlichen Berichterstattung ebenso unterschlagen wurde), um hier gar nicht davon zu reden, wie kritische Journalisten oft, zu oft sogar innerhalb des ÖRR mundtot gemacht oder entlassen wurden.

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