Meinung

"Asow"-Nazis im Stahlwerk von Mariupol kapitulieren – Märtyrer-Kampagne der Medien misslungen

Zwar wurde das Nazi-"Asow"-Bataillon noch nicht heiliggesprochen, auch wenn der Papst bereits für die in Mariupol festsitzenden Truppen betete. Doch mit ihrer Kapitulation ist die im Westen und von der Ukraine erhoffte mediale Märtyrer-Kampagne passé, was durchaus auch auf die Moral der ukrainischen Armee zutrifft.
"Asow"-Nazis im Stahlwerk von Mariupol kapitulieren – Märtyrer-Kampagne der Medien misslungenQuelle: Sputnik © Verteidigungsministerium der Russischen Föderation

Ein Kommentar von Andrei Rudenko

"Asow" ergibt sich!!!

Sie wollten nicht sterben – weder für die Fahne, die sie mindestens acht Jahre lang bejubelt hatten, noch für die Idee, für die sie mindestens acht Jahre fieberten. Ein Fieber, weil sie mit diesem "Virus" infiziert worden waren wie mit einer Krankheit.

Diese aus der Gesellschaft gerissenen Menschen wurden zu Serienmördern gemacht. Ihre heilige Religion, sofern vorhanden, wurde ihnen genommen – und ein pervertiertes Pseudo-Heidentum wurde ihnen aufgezwungen. Die Idee des Nationalsozialismus wurde ihnen eingeimpft und diese "Bruderschaft" Gleichdenkender sollte ihnen ihre Familien ersetzen.

Doch mit all dieser Konditionierung gelang es nicht, sie zu solchen Helden zu machen wie die Verteidiger der Festung Brest – die in einem Bunker einen Abschiedsbrief an die Wand schrieben: "Ich sterbe, aber ich ergebe mich nicht" – Solche Helden aus ihnen zu machen, vermochte man auch mit all dieser Konditionierung nicht.

Sie hielten vordergründig die Stellungen nicht aus irgendeinem wie auch immer verstandenen Patriotismus – sondern aufgrund einer Täuschung, die ihnen vorzugaukeln Kiew so gewohnheitsmäßig leicht von der Hand ging: Den Nationalisten wurde immer wieder versprochen, dass sie gerettet werden würden, dass Verhandlungen im Gange seien und dass sie nur noch ein klein wenig durchhalten müssten.

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Und in der Zwischenzeit aber führten hinter, oder vielmehr auf ihrem Rücken ukrainische Politiker eine PR-Kampagne. Sogar dem Papst hielt man die Fahne der "Asow"-Nazis unter die Nase – und er hat auch noch für sie gebetet.

Dass sich diese öffentlichkeitswirksamste Kampfeinheit der Ukraine nun so unrühmlich ergibt, ist zweifelsohne ein großer Sieg für Russland: Schließlich brauchte Kiew eigentlich den Märtyrer-Tod dieser Nazis, um sie flugs "heiligsprechen" zu können und sie anschließend bei den Aufrufen an das Volk zum Krieg wie eine Monstranz vornewegzutragen. Übrigens hätte es mich überhaupt nicht gewundert, wenn "Redis" – der Befehlshaber dieser Mörderbande – dann tatsächlich auch offiziell heiliggesprochen worden wäre.

Doch jetzt sind diese "Krieger des Lichts" in Gefangenschaft – verwundet, gedemütigt, ausgehungert. Und ihr aus dem oben beschriebenen Verrat erwachsender Hass gegen das eigene, das Kiewer Regime ist jetzt vielleicht noch größer als der Hass, welchen Russen gegenüber der Post-Maidan-Junta empfinden. Das Wichtigste aber ist: Sie können nun für alle nachweisbaren Verbrechen, die sie an der Zivilbevölkerung begangen haben, öffentlich vor Gericht gestellt werden. Und vor diesem Gericht werden – ebenfalls öffentlich – auch die Namen all derjenigen genannt, die dafür unmittelbar die Befehle erteilten. Ich bin sicher, dass sich viele westliche Partner nach diesem Ereignis sehr unwohl fühlen dürften.

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Und wo nun das mediale Martyrium der "Asow"-Rechtsextremen abgeblasen ist, beginnen jetzt auch andere Einheiten des ukrainischen Militärs, ihre Kampfbefehle zu verweigern.

Offenbar hält langsam eine gewisse Erleuchtung in die Köpfe der Ukro-Krieger Einzug. Dass die Kapitulation des hochgelobten "Asow"-Bataillons natürlich ein naheliegende Anreiz sein dürfte zu desertieren, liegt auf der Hand: Weiß doch die ganze Ukraine mittlerweile, dass einerseits dort die Durchgeknalltesten dienten – unter allen Fanatikern, die sich unter ohnehin schon eingefleischten Nationalisten finden lassen – und dass andererseits dort zu dienen normalerweise nicht unbedingt das Gefährlichste in diesem Krieg war. Und dann, bumms! –  ergeben sich sogar diese Truppen. Und das bedeutet nicht nur den Wegfall der Moralsteigerung durch das abgeblasene Märtyrertum – sondern da wird noch viel mehr kommen.

Ich bin der festen Ansicht, dass die ukrainischen Streitkräfte bald wie ein Kartenhaus zusammenbrechen werden. Die Hauptsache ist, dass sozusagen ein Präzedenzfall geschaffen wird – und genau das ist ja auch geschehen.

Sobald den Ukrainern richtig deutlichgeworden ist: "Ach, so ginge das auch?!", werden sie einen förmlichen Wettbewerb im Schnellkapitulieren beginnen. Schließlich ist ihre ganze Idee des Zusammenhaltens auf Lügen aufgebaut, und dieser Kitt ist nicht gerade der stärkste. Daher wird Kiew nun seine letzten Propagandaressourcen einsetzen, um jede solche Kapitulation als Sieg darzustellen. Aber wie lange kommt das Regime damit durch? Es ist schon sehr schwierig, die Verluste vor dem Volk zu verbergen – nicht nur solche beim Kriegsgerät, sondern vor allem die beim Militärpersonal und die in der Wirtschaft.

Und was das Militärpersonal anbelangt, so sehen Kiews Vertrauensreserven beim Volk der Ukraine mager aus: Seit Anbeginn der russischen Sonderoperation wollte Kiew die Leichen seiner getöteten Truppen nicht abholen – das ist schlicht Tatsache. Sie müssen stattdessen in Massengräbern bestattet werden, um eine Seuchenkatastrophe zu vermeiden. Und die Tatsache, dass sich bereits Tausende von ukrainischen Soldaten in Kriegsgefangenschaft befinden, erkennt die Führung in Kiew ebenfalls offiziell nicht an. Alle diese Personen sind also in den Augen ihrer Angehörigen entweder in guter Gesundheit und im Kampfeinsatz (nur eben ohne Kontakt) – oder gelten als vermisst.

Aber allzu lange lässt sich die Wahrheit nicht verbergen. Und so sickern Informationen denn allem Gehabe zum Trotz bis in die entlegensten Dörfer der westlichen Regionen der Ukraine durch – ganz zu schweigen von den Gebieten, die vom Kampfgeschehen nicht ganz so weit entfernt sind.

Deswegen wird es bald in der ukrainischen Führung – weitgehend ressortübergreifend – ein großes Hin und Her geben, und man wird sich gegenseitig die Schuld zuschieben. Doch dafür ist es selbst jetzt, wo der Zusammenbruch der ukrainischen Armee gerade erst begonnen hat, bereits viel zu spät.

Stattdessen ist es höchste Zeit für die Kiewer Politiker, an die Zukunft zu denken. Genauer gesagt, an die eigene Kapitulation. Und noch genauer gesagt sollten sie vielleicht lieber fliehen, denn sonst droht ihnen das Tribunal – und dann bestenfalls viele Jahre Einsamkeit hinter Stacheldraht.

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Übersetzt aus dem Russischen

Andrei Rudenko ist Kriegsberichterstatter im Dienste der russischen staatlichen Mediaholding WGTRK (Allrussische staatliche Fernseh- und Radiogesellschaft , die die Fernsehsender Rossija 1, -2 und –K und den Nachrichtenkanal Rossija-24 sowie den Auslandssender Rossija-RTR betreibt). Er ist seit dem verfassungswidrigen Staatsstreich in der Ukraine im Jahr 2014, der zum Bürgerkrieg im und um den Donbass führte, ständig in diesem umkämpften Gebiet unterwegs. Rudenko führt einen Telegram-Kanal, wo er eigene Video- und Meinungsbeiträge und solche von Kollegen sowie ausgewählte Nachrichten veröffentlicht. Außerdem schreibt er Kommentare für RT.

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