Meinung

Lauterbach erlebt seine Krönungsmesse – leider

Der SPD-Politiker und Mediziner Karl Lauterbach übernimmt mitten in der Corona-Hochzeit das Amt des Gesundheitsministers. Ein Mann vom Fach aber auch höchst umstritten. Kann Lauterbach Krisenmanagement jenseits von Talkshows und Twitter? Es ist eine Personalie, die Millionen Bürger in ihrem Dasein massiv beeinträchtigen wird.
Lauterbach erlebt seine Krönungsmesse – leiderQuelle: www.globallookpress.com © Michael Kappeler

Ein Kommentar von Bernhard Loyen

Wann auch immer man anfangen wird, auf die Jahre 2020 und 2021 zurückzublicken – ein Name, ein Gesicht wird mit sehr großer Sicherheit umgehend den beteiligten Personen vor dem geistigen Auge auftauchen: Karl Lauterbach.

Keine Person, kein Politiker, keine "öffentliche Persönlichkeit" hat es seit März 2020 geschafft, die gesellschaftliche Wahrnehmung in Bezug auf die geführten Dauerdiskussionen um das Corona-Thema dermaßen zu dominieren und die jeweiligen Pro- und Contra-Lauterbach-Fraktionen im individuellen Blickwinkel der Diskussion nachhaltig zu spalten. Für die Einen der einzig wahre Heilsbringer und Mahner in Zeiten dieser endlos wirkenden sogenannten Corona-Krise, für die Anderen ein skrupelloser Lobbyist und Karrierist in einer endlos anmutenden Gesellschaftskrise.

Es wird weiterhin ein Rätsel der Superlative bleiben, wer Karl Lauterbach ins Spiel gebracht hat. Wie schaffte es ein einfacher deutscher Abgeordneter, ein Hinterbänkler, innerhalb weniger Monate, als DER Fachmann zum Thema Epidemiologie, Virologie, Krisenmanagement und wandelndes Studien-Teilzitat-Phänomen dermaßen in den Fokus der Öffentlichkeit zu gelangen?

Wie kann es sein, dass ALLE Hauptprotagonisten dieser zurückliegenden Monate, ob ein Christian Drosten, eine Alena Buyx, ein Lothar Wieler, Özlem Türeci und Ugur Sahin, eine Mai Thi Nguyen-Kim (maiLab), Sandra Ciesek (Co-Moderation von Drostens prämierten NDR-Podcast), ein Albrecht Broemme vom Technischen Hilfswerk, selbst Markus Lanz, ausgezeichnet oder prämiert wurden, aber nicht eine Medaille oder Ehrennadel, eine Urkunde für Herrn Lauterbach absprang?

Welche schützende Hand, hinsichtlich permanenter Widersprüche, beliebiger Prognosen und annähernd manischer Wa(h)rnformulierungen, hat ihn medial geleitet, gepusht und nun final auf diesem elementaren Ministerposten installiert?

Mit der Verkündung seitens des designierten Kanzlers Olaf Scholz, dass der 58-jährige Lauterbach der kommende Gesundheitsminister unseres Landes werden wird, wurde eine seit Monaten mehr als hitzig geführte Diskussion beendet.

Die folgende Auflistung von Fakten und Realitäten zur Person Lauterbach, soll daher einen kritischen Blick darstellen, darauf, dass diese Entscheidung zumindest kontrovers betrachtet werden sollte.

Dass die Besetzungen politischer Ämter in diesem Land inzwischen vollkommen unabhängig einer ursprünglich angedachten Eignung vollzogen werden, offenbart sich schmerzhaft deutlich bei der Betrachtung der neuen Außenministerin Annalena Baerbock.

Die berufliche Eignung von Karl Lauterbach im Rahmen des Postens eines Gesundheitsministers kann daher nicht einmal als hauptsächlicher Kritikpunkt formuliert werden. Die zurückliegenden Verfehlungen eines Karl Lauterbach sollten jedoch zumindest noch einmal bewusst wahrgenommen werden.

  • 2000: Lauterbach stellt im Auftrag der Pharmaindustrie Medikamentenstudien her und erhält dafür über 800.000 Euro an Drittmitteln für sein Institut für Gesundheitsökonomie. So war er auch an einer Studie über den Fettsenker Lipobay beteiligt – jenem Medikament, das die Herstellerfirma Bayer wegen tödlicher Zwischenfälle im Jahr 2001 vom Markt nehmen musste. 2001 präsentierte sich Lauterbach dann als Kritiker der Studienumstände.
  • 2003: Lauterbach stellt eine positive Kosten-Nutzen-Analyse für den Verzehr von Margarine vor. Wo? Auf einem Symposium des Unternehmens Unilever Bestfoods. Bekannt für das Produkt Becel pro·activ
  • 2008/2009/2011: Nebeneinkünfte bei der Rhön-Klinikum AG (Aufsichtratsmitglied von Juli 2001 bis Juni 2013) - 55.000€, 59.000€, 62.000€.
  • 2013: Die Süddeutsche Zeitung berichtet, dass jahrelang Putzkräfte in privaten Rhön-Kliniken ausgebeutet worden sein sollen. Lauterbach gibt sich bedeckt und wollte damalige Fragen der SZ nicht beantworten.
  • 2019: Lauterbach twittert: "Jeder weiß, dass wir in Deutschland mindestens jede dritte, eigentlich jede zweite, Klinik schließen sollten. Dann hätten wir in anderen Kliniken genug Personal, geringere Kosten, bessere Qualität, und nicht so viel Überflüssiges. Länder und Städte blockieren." und verweist auf eine Studie der Bertelsmann-Stiftung. Wer saß neben ihm  im Aufsichtsrat der Rhön-Klinikum AG? Brigitte Mohn, Vorstandsmitglied der Bertelsmann-Stiftung.
  • 2021: Im Mai musste Lauterbach Nebeneinkünfte nachmelden: "Mit zwei Monaten Verspätung meldete er nun einen Vorschuss für ein Buchprojekt nach, seinen Angaben zufolge handelt es sich um 31.000 Euro. Aus vier Vorträgen seit 2018 meldete er Einnahmen von 17.850 Euro nach."

Abschließend fasst der Buchautor und Dozent an der Business School St. Gallen Gunter Frank sehr detailliert in einem Artikel vom Juni 2020 mit dem Titel "Der seltsame Professor" den beachtenswerten beruflichen Werdegang von Karl Lauterbach zusammen. Er fragt zu Beginn seines Artikels: "Auf welchen Leistungen begründet sich eigentlich die wissenschaftliche Autorität Lauterbachs?" Eine durchaus berechtigte und wichtige Frage. Frank recherchierte und fasst zusammen:

"Karl Lauterbach betont gerne seine besondere wissenschaftliche Qualifikation anhand seines Zusatzstudiums an der Harvard School of Public Health, welches er 1995 mit einer zweiten, neben seiner ersten deutschen, Doktorarbeit und dem Titel „Doctor of Science“ abgeschlossen hat. Dort fungiert er seit 2008 auch als Adjunct Professor. Zunächst fällt auf, dass seine Harvard-Arbeit jahrelang unter Verschluss war. Eine seltsame Praxis in der Wissenschaftswelt, die ja nur durch Transparenz und eine offene Diskussion funktionieren kann."

Die einzigen, so Frank in seinem Artikel weiter, die auf deutschem Boden in diese Arbeit Einsicht hatten, waren die Mitglieder der Berufungskommission der Universität Köln. Sie beriefen Lauterbach demnach im Jahr 1998, "ohne dass er dazu die üblichen Qualifikationen besaß, wie etwa eine Habilitation (die auf einer bestimmten Anzahl eigener wissenschaftlicher Publikationen fußt), zum Professor und übertrugen ihm die Leitung des neu gegründeten Instituts für Gesundheitsökonomie."

Auch Frank erinnert in seinem empfehlenswerten Beitrag an die Studienskandale von Lauterbach: "Mit der Autorität eines Lehrstuhls samt Professorentitel nutzte Lauterbach das Institut anschließend vor allem, um klinische Studien im Auftrag der Pharmaindustrie durchzuführen. Schnell war er involviert in die Skandale um den Cholesterinsenker 'Lipobay' und den Appetitzügler 'Reductil' (Inhaltstoff Sibutramin). Beides Medikamente mit schwerwiegenden und tödlichen Nebenwirkungen. Die Gefahren wurden lange von der Pharmaindustrie heruntergespielt."

Im Falle des Inhaltsstoffes Sibutramin erläutert Frank: "missbrauchte Lauterbach 1998 sogar seinen Vorsitz im Rahmen einer Behandlungsleitlinie, um dieses Medikament mit Bestnoten zu versehen und damit maßgeblich zu dessen Zulassung beizutragen. Finanziert und personell unterstützt wurden diese Leitlinien vom damaligen Hersteller Knoll AG. Doch schon zu dieser Zeit waren Studien bekannt, die dieses Medikament als herzschädigend einstuften".

Die Seite Achse des Guten veröffentlichte im Oktober ein sehr wichtiges Video, in dem die medial auffällig forcierte Nominierung eines Karl Lauterbach für dieses wichtige Bundesministerium exemplarisch anhand von Ausschnitten hinterfragt wird. Es sollte sich jeder Betrachter hierbei vor Augen führen, wen Olaf Scholz, oder wer auch immer, da 83.24 Millionen Menschen in diesem Land für die kommenden vier Jahre vor die Nase gesetzt hat:

Tobias Kahler, Deutschlandsprecher der Bill & Melinda Gates Foundation mit Sitz in Berlin, brachte schon einmal die erwarteten Aufgaben der zukünftigen Regierung in einem Gastbeitrag vom 04. Dezember ins Spiel:

"Corona war (und ist) ein deutlicher Warnschuss. Als globale Gemeinschaft müssen wir künftig krisenfester werden. Es braucht Resilienz, es braucht intensive Gesundheitsvorsorge und eben auch Forschung und Innovation, um Krisen gerecht zu werden (...)

Die Gates-Stiftung, die sich seit Jahren dem Kampf gegen diese Krankheiten widmet, ist auf starke Partner wie Deutschland angewiesen – auch weil Spitzenforschung hier nach wie vor gefördert wird und ein sehr hohes Ansehen genießt.

"Die nächste globale Krise wird kommen und sie fordert das Engagement der neuen Bundesregierung. Dass sich die designierte Ampelkoalition vorgenommen hat, die Forschungsmittel des Bundes von 3,2 auf 3,5 Prozent des Bruttoinlandsprodukts anzuheben, ist ein wichtiges Signal – und in gewisser Weise ein Vermächtnis der Kanzlerschaft von Angela Merkel."

Seine Vision und Aufforderung an die deutsche Politik: "In Deutschland ist man noch verhalten, was die privat geförderte Forschung angeht.

Doch gezielte Public-Private-Partnership-Projekte ermöglichen mittelfristig nicht nur die Langzeitfinanzierung staatlicher Forschungsinstitute, sondern auch den Aufbau neuer Netzwerke."

In der Kombination mit dem jüngst eröffneten WHO-Pandemievorsorgezentrum in Berlin, dem ehemaligen Bundesminister der Finanzen und Hedge-Fonds-Versteher Olaf Scholz als Kanzler und dem nun frisch gekürten Ex-Pharma-Lobbyisten Lauterbach als Gesundheitsminister ist daher zu befürchten, dass dem auch nichts im Wege stehen wird.

"Die Pandemie wird länger dauern, als viele denken", lautete einer der ersten Sätze von dem neuen Gesundheitsminister am Tag seiner Nominierung. Ob dies als bewundert vorausschauende Mahnung oder eher als gefürchtete Drohung wahrgenommen werden sollte, muss jeder Bürger für sich entscheiden.

Mehr zum Thema - Lauterbach, Geywitz, Faeser & Co.: Wer sind die neuen SPD-Minister?

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