Meinung

Chinas Einfluss in Zentralasien darf nicht mit schädlichem US-Imperialismus gleichgesetzt werden

Berichte über den Bau einer Militärbasis Chinas im zentralasiatischen Land Tadschikistan sorgen in Washington für Unruhe. Aber es ist falsch anzunehmen, dass Peking auf dieselbe Weise versucht, ein Imperium aufzubauen, so wie wir es von den Vereinigten Staaten kennen.
Chinas Einfluss in Zentralasien darf nicht mit schädlichem US-Imperialismus gleichgesetzt werdenQuelle: www.globallookpress.com © Michael Gallner

von Bradley Blankenship

Anfang dieser Woche deuteten Berichte des amerikanischen staatsnahen Radio Free Europe/Radio Liberty darauf hin, dass Tadschikistan den Bau einer chinesischen Militärbasis auf seinem Boden genehmigt hat. Weiter behauptete das von der US-Regierung kontrollierte Medienunternehmen, die tadschikische Regierung habe Peking die volle Kontrolle über eine angeblich bereits im Betrieb befindliche chinesische Militärbasis angeboten und sich verpflichtet, im Austausch für chinesische Militärhilfe auf zukünftige Pachteinnahmen zu verzichten. Weder China noch Tadschikistan haben diese Nachrichten offiziell bestätigt. Es gibt guten Grund zur Annahme, dass die USA mit ihren Behauptungen übertreiben, um damit einen weiteren Alarm für eine Art abtrünnigen, chinesischen Militarismus zu schlagen.

Anfang dieses Monats wurde der Financial Times ein Bericht aus anonymen Quellen der US-Regierung zugespielt, in dem behauptet wurde, China habe eine Hyperschallrakete getestet, die einen Atomsprengkopf tragen und anscheinend um den Globus fliegen kann. Peking dementierte diesen Bericht und erklärte, es habe in Tat und Wahrheit ein wiederverwendbares orbitales Raumfahrzeug getestet.

Chinesische Medien reagierten ebenfalls schnell auf diese Meldung, wobei CGTN, der englischsprachige chinesische Auslandssender, darauf hinwies, dass die USA versuchen würden, eine Anti-China-Hysterie zu schüren und einen "Sputnik-Moment" heraufzubeschwören – bezugnehmend auf die Sowjetunion, die 1957 den ersten künstlichen Satelliten in den Weltraum schoss, was in Washington große Besorgnis auslöste und das Wettrennen in den Weltraum einläutete. Und tatsächlich ging General Mark Milley, Vorsitzender des US-Generalstabs, mit genau dieser Vision an die Öffentlichkeit und sagte bei Bloomberg, dass dieser angebliche Waffentest einem "Sputnik-Moment nahekommt". Sind die Taktiken des Kalten Krieges der USA wirklich so vorhersehbar?

Die Antwort darauf lautet: Ja. Und das gilt auch für diese jüngste Entwicklung in Tadschikistan. Auch wenn die Sachlage wahr ist, deutet sie in keiner Weise auf das hin, was die US-Regierung ihr unterstellt – dass sich China zu einer übermäßig ehrgeizigen, feindseligen Macht entwickelt.

Zum einen macht sich Tadschikistan, von dem man annehmen darf, dass es die schwächste Militärmacht in Zentralasien stellt, nach dem Rückzug der Amerikaner aus Afghanistan und der Rückkehr der Taliban Sorgen um seine territoriale Sicherheit. Ein verstärktes Engagement Chinas ist daher nicht überraschend, da auch andere mächtige Länder der Region, wie Russland, von der tadschikischen Regierung für Unterstützung in Fragen der Sicherheit angesprochen wurden.

Die Wahrscheinlichkeit eines Krieges zwischen Tadschikistan und Afghanistan ist gering, trotz der harten Haltung des tadschikischen Präsidenten Emomalij Rahmon gegen die Taliban und der Gerüchte, seine Regierung mische sich in die inneren Angelegenheiten Kabuls ein. Er hat wiederholt erklärt, dass seine Regierung die Taliban-Herrschaft in Afghanistan aus Sorge um die Menschenrechte nicht anerkennen werde.

Auch wenn dies nur ein politisches Manöver von Rahmon sein mag, was durch seine starke Berufung auf die tadschikische Minderheit Afghanistans unterstrichen wird, könnte das chinesische Engagement in Tadschikistan als mäßigender Einfluss zwischen den beiden Seiten wirken, da Peking seinerseits hochrangige Kontakte mit der afghanischen Übergangsregierung unterhält. China hat in Bezug auf Afghanistan auch berechtigte Bedenken um seine eigene territoriale Sicherheit und die seiner Initiative der Neuen Seidenstraße (BRI), da es mit Afghanistan eine gemeinsame Landesgrenze teilt.

Mindestens drei Terrorgruppen in Afghanistan und Pakistan – die Befreiungsarmee Belutschistan, die pakistanische Tehrik-i-Taliban und der Islamische Staat Khorasan – sind ausdrücklich antichinesisch eingestellt und haben bereits Terroranschläge gegen chinesische Diplomaten verübt. Die beiden letztgenannten Gruppen haben auch ihre Unterstützung für uigurische extremistische Gruppen in China zum Ausdruck gebracht, so wie die Islamistische Partei Turkistan, was ernsthafte Besorgnis in Peking hervorgerufen hat, das ethnische Spannungen in der autonomen uigurischen Region Xinjiang verhindern möchte.

Solche Bedenken sind berechtigt, und wir sehen daher nicht eine weitreichende Überdehnung einer chinesischen Militärpräsenz, wie sie sich in der Definition von "Sicherheit" für die USA widerspiegelt. Abgesehen von diesen unbestätigten Berichten aus Tadschikistan hat China nur eine ausländische Militärbasis, und zwar in Dschibuti, im Gegensatz zu den mehr als 750 Stützpunkten, die von den USA weltweit betrieben werden – davon allein etwa 400 in Chinas unmittelbarer Nachbarschaft.

Die Meinungsmacher in Washington haben immer wieder die Botschaft verbreitet, dass China zum nächsten Imperium aufsteigen wird, das in Afghanistan sein Grab finden wird. Sie suggerieren, dass Peking in Afghanistan tatsächlich die gleichen lächerlichen Fehler machen wird, wie sie die USA in den vergangenen 20 Jahren begangen haben. Das ist Schwachsinn. Im Gegensatz zu Washington verfolgt Peking mit Afghanistan einen multilateralen Ansatz, in dem Beiträge aus jedem Land in der Region begrüßt werden, einschließlich hochrangiger Diskussionen auf Ebene der Schanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SCO), eines eurasischen regionalen Sicherheitspakts, und innerhalb der SCO-Afghanistan-Kontaktgruppe.

China hat auch nicht die Absicht, Afghanistan zurück in die Steinzeit zu bomben und eine vom Ausland abhängige Wirtschaft von Kriegsfürsten aufzubauen. Stattdessen hat es sich dafür entschieden, Afghanistan in die BRI einzugliedern, was bedeutet, dass Peking dazu beitragen wird, Kabul eine vernetzte Zukunft in Eurasien in Aussicht zu stellen – und das alles ohne politische Zwänge. Das liegt daran, dass dies eine vorteilhafte Situation für China, Afghanistan, Zentralasien und die Welt darstellt.

Und wenn das alles zu gut klingt, um es glauben zu können? Nun, so ist es nicht. Es wird schwerfallen, in der modernen Geschichte ein Beispiel für einen chinesischen Angriffskrieg zu finden. Ein solches Beispiel gibt es einfach nicht. Auf der anderen Seite gibt es Beispiele dafür, dass China bemüht ist, das Chaos zu beseitigen, das von den USA und ihren Verbündeten verursacht wurde – auch in Europa.

Man schaue sich zum Beispiel Chinas Engagement auf dem Balkan an – insbesondere in Serbien, wo mindestens ein von den USA gesponserter Thinktank, das Zentrum für strategische und internationale Studien (CSIS), dem Land jetzt vorwirft, eine Marionette Pekings zu sein. Aber hier ist die Realität: Die NATO hat Serbien während des Kriegs gegen Jugoslawien zerrissen und im Jahr 1999 bei Luftangriffen so viel angereicherte Uranmunition eingesetzt – etwa 15 Tonnen –, dass das Land in Europa die höchste Sterblichkeitsrate bei Krebs hat. Der Bericht des CSIS stellt fest, dass 40 Prozent der Serben der Meinung sind, dass China dem Land – in Dollar ausgedrückt – mehr Hilfe leistet, als es die Europäische Union tatsächlich tut.

Anstatt Milliarden für "Regierungsreformen und Programme zur Förderung der Zivilgesellschaft" (sprich: ausländische Einmischung), wie sie die USA und die EU ausgeben, konzentriert Peking seit 2019 in Serbien 31 Prozent seiner Investitionen auf die Transportwege, 20 Prozent auf die Informations- und Kommunikationstechnologie, 20 Prozent auf das verarbeitende Gewerbe, 13 Prozent auf die Energiewirtschaft und 9 Prozent auf Gesundheit und öffentliche Dienstleistungen. Dies sind, wie das CSIS feststellt, sehr sichtbare und strategisch wichtige Sektoren – und ich möchte hinzufügen, dass diese für Serbien, nach den Verwüstungen durch die NATO-Bombardierungen, offensichtlich die dringendste Priorität haben. Die von den Chinesen gebaute Pupin-Brücke in Belgrad – eine der beiden großen Brücken, mit denen die Donau überquert werden kann – wird dauerhaft daran erinnern, wie wichtig Chinas Hilfe für Serbien war.
Wenn man also einen erweiterten chinesischen Einfluss in Zentralasien in Betracht zieht, in welcher Form auch immer, gibt es keinen Grund, dies in irgendeiner Weise mit dem US-Imperialismus und seinen schädlichen Auswirkungen gleichzusetzen.

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Übersetzung aus dem Englischen. Bradley Blankenship ist ein in Prag lebender amerikanischer Journalist, Kolumnist und politischer Kommentator. Er hat eine Kolumne bei CGTN und ist freiberuflicher Reporter für internationale Nachrichtenagenturen, darunter die Nachrichtenagentur Xinhua. Er twittert auf @BradBlank.

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