Meinung

Ende der Privatsphäre: Facebooks "Metaverse" wird der Logik und der Vernunft den Todesstoß versetzen

Mark Zuckerberg hat bereits mit seiner Plattform Facebook die meisten sozialen Beziehungen der Menschen im realen Leben planiert. Nun versucht er, die Überreste unserer Privatsphäre zu beseitigen, indem er uns in eine Online-Gummizelle namens Metaverse zerren will.
Ende der Privatsphäre: Facebooks "Metaverse" wird der Logik und der Vernunft den Todesstoß versetzenQuelle: www.globallookpress.com © Cris Faga / www.imago-images.de

Ein Kommentar von Helen Buyniski

Der Auftritt der allzu perfekten Facebook-Insiderin Frances Haugen, die eine Heerschar von PR-Auguren hinter sich versammelt hat, die Facebook zu einem gewinnorientierten Hort des Hasses erklärt haben, könnte ein Hinweis darauf sein, dass die Gans namens Facebook gegessen ist. Aber während die Regierungen und zensurfreudigen NGOs noch darüber streiten, wie man den Kadaver von Facebook am besten aufteilen kann, ist CEO Mark Zuckerberg bereits einen Schritt weiter und will das Wrack der realen sozialen Interaktionen endgültig hinter sich lassen, während er an einem neuen virtuellen Lebenssinn für Millionen von Usern bastelt, die täglich an Facebook und Instagram kleben.

Politisch selber unter Beschuss geraten, weil bei Facebook monetäre Gewinne über das Wohl seiner User gestellt werden, ein Attribut, das im Grunde jedes existierende Unternehmen beschreibt, war Facebooks Modus Operandi seit den Anfängen der Plattform klar. Sie existiert, um so viele Daten wie möglich, physisch und metaphysisch aus dem Internet zu saugen – und zwar bevor ein User merkt, dass er benutzt wurde und sich nicht mehr einloggt. Jetzt aber, da es in der Öffentlichkeit keinen Zweifel mehr darüber gibt, kann Zuckerberg voll auf den "göttlichen Auftrag" setzen, um in die Psyche der User vorzudringen, auf der Suche nach noch mehr Daten, die er dann einem Zuhälter gleich dem Meistbietenden zuhalten kann.

"Sie vertrauen mir, diese Idioten", soll Zuckerberg einst gesagt haben, als er sich in den Anfangstagen der Plattform einem Freund anvertraute und er noch damit beschäftigt war, das Konzept Privatsphäre in Richtung einer vollständigen Offenlegung zu verändern. Aber nach mehr als 15 Jahren Datenlecks und anderen "zufälligen" Informationslecks haben User keinerlei Erwartungen mehr an ihre Privatsphäre. Damit wurden sie in die ideale Stimmung versetzt, um sich dem Metaverse-Plan des Facebook-CEOs anzuschließen. Wenn man schließlich eine virtuelle Version von sich selbst durch eine virtuelle Welt steuern kann, möchte man da nicht auch der Software so viel wie möglich über sich selbst preisgeben? Natürlich nur, um damit den Avatar perfekt zu machen.

Facebook hat die Online-Geselligkeit weitgehend auf eine Auswahl von fünf Emojis reduziert, was den aktiven Ausdruck bedeutungsvoller Gedanken verunmöglicht. Alles, was ein Leser dazu zwingt, länger als ein paar Sekunden nachzudenken, geschweige denn eine Antwort zu tippen, reduziert sich auf das Potenzial eines "Gefällt mir"-Emoji oder eines animierten GIFs. User werden daher ermutigt, ihre Timeline mit so vielen Banalitäten wie möglich zu füllen.

In Metaverse wird der Benutzer nicht einmal die Möglichkeit haben, einen komplexen emotionalen Zustand anzuzeigen. Sein virtuelles Ich wird vermutlich mit einem festen Satz von Ausdrucksmöglichkeiten geliefert, und je tiefer er in dieses System eingetaucht, desto wahrscheinlicher wird es, dass der User nicht mehr in der Lage sein wird, Emotionen zu spüren, die sich online nicht darstellen lassen. Erinnern Sie sich noch an jene Zeit vor der Facebook-Ära, in der die Erinnerung an soziale Interaktionen Nostalgie entfachte? Sie können darauf wetten, dass Metaverse diese Option nicht bieten wird.

Metaverse wird auch der Logik und der Vernunft den Todesstoß versetzen, die bereits jetzt schon an einem seidenen Faden baumeln, nachdem Facebook seinen Usern beigebracht hat, ihr kritisches Denken an zwielichtige "Faktenprüfer" auszulagern. Dieser heimtückische Prozess begann im Jahr 2016 nach der Wahl von Trump so richtig an Fahrt und hat dazu geführt, dass die User Informationen nicht mehr selbst beurteilen können. Anstatt kritisches Denken zu fördern oder zumindest einen gesunden Verdacht auf alles, was man im Internet zu lesen bekommt, versprachen Facebook seine unter derselben Decke steckenden Partner, einem wütenden Tiefen Staat, dass sie "Unsere Demokratie™" schützen werden, indem sie kontroverse Ideen von der Öffentlichkeit abschotten. Mehrere Studien, die seither durchgeführt wurden, haben aber ergeben, dass User tatsächlich "Fake News" zunehmend mehr Vertrauen entgegenbringen, wenn sie von den "Faktenprüfern" übersehen und noch nicht gebrandmarkt wurden. Hoppla!

In der Galerie der Schurken bei Facebook namens "Faktenprüfer", findet man den Atlantic Council, eine kriegstreibende Denkfabrik, die von der NATO und der Waffenindustrie gesponsert wird, und Snopes, geführt von einem Prostituierten liebenden Kretin und seiner übergewichtigen Katze, sowie Lead Stories, eine Gruppe verbitterter CNN-Mitarbeiter, die entschlossen sind, konservative Standpunkte zu zerlegen. Sie werden die Torwächter von Zuckerbergs Metaverse sein, wo sie mit ihren als Fakten präsentierten Meinungen die Realität noch effektiver verdrängen werden.

Buchstäblich mit dem Dilemma konfrontiert "Wem soll ich glauben? Mir selbst oder Deinen lügenden Augen?", wird man die Skepsis gegenüber den "lügenden Augen" mit ein paar Anpassungen an den VR-Brillen der Metaverse-User korrigieren können. Man denke nur an den Fluss kritischer Debatten, Ideen und Meinungen, der seit 2016 allein durch die Zensur auf Facebooks Newsfeed und durch das Verbannen von kritischen Usern ausgetrocknet wurde. Das gibt eine frostige Ahnung davon, wie leicht Ideen und Meinungen – und die Menschen dahinter – in Zuckerbergs neuer digitaler Spielwiese aus dem Gedächtnis der Menschheit entfernt werden können.

Und es sind nicht nur die Erwachsenen, die in den Rachen von Metaverse gelockt werden sollen. Eine ganze Generation ist vor dem Bildschirm aufgewachsen und dokumentiert öffentlich ihre intimsten Momente, ohne eine Ahnung von dem veralteten Konzept namens "Privatsphäre" zu haben, das ihre Eltern einst genossen. Facebooks langjährige Behauptung, die Plattform richte sich nicht an Kinder, wurde Anfang Oktober endgültig zerlegt. Aber es ist unwahrscheinlich, dass sich Facebook auch nur eine einzige Rüge dafür einhandeln wird, dass es eine ganze Generation von Kindern in Zombies mit Dopaminmangel verwandelt  hat, die eine Aufmerksamkeitsspanne von Goldfischen haben. Da Kinder aufgrund der Überreaktion der Regierungen auf die COVID-19-Pandemie bereits in die Online-Schulen gedrängt wurden, ist es nur naheliegend, dass sie eine VR-Brille bekommen sollen, damit sie die Möglichkeit haben, beim "lernen" schnell mal durch das Metaverse zu huschen, was sicherlich aufregender ist, als in einer endlosen Zoom-Lektion zu sitzen und zuzusehen, wie Mitschüler in der Nase bohren.

Eine mittlerweile fast nicht mehr bestreitbare Theorie besagt, dass Facebook lediglich die privatwirtschaftliche Inkarnation eines eingemotteten Programms der Organisation für Forschungsprojekte für die Verteidigung (DARPA) namens LifeLog ist. Dieses finstere Unterfangen der Regierung wurde 2004, ungefähr zur gleichen Zeit, als Facebook live ging, fallen gelassen. LifeLog zielte darauf ab, jeden Aspekt im Leben eines Users einzubeziehen – von dem, was er zum Frühstück gegessen und mit wem er sich unterhalten hat, bis hin zu den Filmen, die er gesehen und die Bücher, die er gelesen hat. Bis hin zu dem, was er über seine Sinne wahrgenommen hat. Damit sollte künstliche Intelligenz trainiert werden, mit der zukünftige Handlungen eines Users besser vorhergesagt werden sollten, als es der User selbst könnte.

LifeLog wurde geschreddert, weil die vom Patriot Act traumatisierten Amerikaner zu Recht über ein weiteres aufdringliches Regierungsprogramm entsetzt waren, das darauf abzielte, ihre persönlichen Daten abzusaugen. Aber 17 Jahre nach der Facebook-Gründung wurde ein schockierend großer Prozentsatz der Menschheit darauf konditioniert, sich darüber keine Sorgen mehr zu machen und Big Brother zu umarmen.

Die Ähnlichkeit zwischen Facebook und LifeLog mag nur ein seltsamer Zufall sein. Aber durch die jüngste Partnerschaft der Plattform mit Ray-Ban, die Sonnenbrillen entwickelt hat, die heimlich jedes Ereignis im Leben des Trägers aufzeichnen können, ist Facebook von diesem Pentagon-Projekt nicht weit entfernt. Angesichts der dokumentierten Bereitschaft Zuckerbergs, mit der NSA und dem FBI zu kooperieren, sowie seiner finanziellen Verbindungen zur CIA, kann man sich den Jubel im US-Geheimdienstapparat darüber vorstellen, dass sich weltweit Milliarden Facebook-Nutzer freiwillig in das Metaverse einloggen werden, zu dem man selbst die Hintertüren hat.

Noch vor wenigen Jahren flog Zuckerberg mit einem Fototeam im Schlepptau auf einer Tour quer durch das Land, auf der er angeblich den Grundstein für seine mögliche Kandidatur für das Präsidentenamt legen wollte. Während er 2016 für den Wahlsieg Donald Trumps verantwortlich gemacht wurde, was seine größenwahnsinnigen Ambitionen vielleicht kurzzeitig zunichtemachte, kommt sein jüngster Griff nach der Macht zu einem für ihn kaum günstigeren Zeitpunkt. Da Facebook-Nutzer mehr Zeit als je zuvor auf der Plattform verbringen, denen es in vielen Fällen untersagt ist, sich im wirklichen Leben mit ihren Freunden zu treffen, werden sie förmlich darum betteln, sich in Metaverse einzuloggen. Wenn sie aber erst einmal im Inneren sind, bleibt jedoch abzuwarten, ob sie wieder herausgelassen werden.

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Helen Buyniski ist eine US-amerikanische Journalistin und politische Kommentatorin bei RT. Man kann ihr auf Twitter @velocirapture23 und auf Telegram folgen.

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